Süddeutsche Zeitung

Künstler Graham Ovenden:Maler wegen sexuellen Missbrauchs Minderjähriger verurteilt

Der britische Maler Graham Ovenden wurde mit Porträts nackter und leichtbekleideter Mädchen bekannt. Nun hat sich herausgestellt, dass er seine Modelle jahrelang missbraucht hat.

Von Alexander Menden, London

Der Urteilsverkündung konnte der Angeklagte selbst nicht beiwohnen. Er war vergangene Woche erkrankt. Das hinderte den Richter am Truro Crown Court in Cornwall jedoch nicht daran, Graham Ovenden wegen sieben Sittlichkeitsvergehen an Minderjährigen zu verurteilen. Eins davon wurde als besonders schwer eingestuft.

Großbritannien ist in jüngster Zeit wiederholt von Kindesmissbrauchs-Skandalen erschüttert worden; so dauern die Ermittlungen im Fall des 2011 gestorbenen Fernsehmoderators Jimmy Savile noch an, der mehrere hundert Kinder und Jugendliche sexuell missbrauchte. Was die Verurteilung Graham Ovendens heraushebt, ist der Umstand, dass der 70-jährige ein geachteter Künstler ist. Ein Maler, der gerade durch seine Darstellungen kleiner, leicht bekleideter oder nackter Mädchen in teilweise provokanten Posen berühmt wurde.

Ovenden war von vier Frauen wegen Missbrauchs angezeigt worden, der sich zwischen 1972 und 1985 zutrug. Solche Taten verjähren nach britischem Recht nicht. Die Klägerinnen, damals zwischen sechs und 14 Jahre alt, standen dem Maler Modell. Sie berichteten nun, dass Ovenden ihnen die Augen verbunden und ein "Schmeck-Spiel" mit ihnen gespielt habe. Dieses endete damit, dass sie ihn oral befriedigen mussten. Eine Klägerin gab an, Ovenden habe sie überredet, mit ihm zu baden und seinen Penis zu waschen. Staatsanwalt Ramsay Quaife nannte ihn einen Pädophilen, der seine Modelle ausgenutzt habe. Als Beweise legte er Fotos nackter Kinder in diversen Posen vor, die auf Ovendens Computer sichergestellt worden waren.

"Visueller Analphabetismus"

Während seiner Vernehmung hatte Graham Ovenden den Staatsanwalt des "visuellen Analphabetismus" bezichtigt. Nach seiner eigenen Schilderung war das Haus in Cornwall, in dem er in den Siebziger- und Achtzigerjahren lebte und arbeitete, ein "Neuer Garten Eden" - ein Ort, an dem Kinder so leben durften, wie die Natur es vorgesehen habe, unbehelligt von einer modernen Welt, die der Nacktheit von Kindern mit Misstrauen begegne. Er sei keineswegs sexuell besessen von kleinen Mädchen und "ganz bestimmt nicht pädophil", sondern habe einige der "besten Kinderporträts der letzten 200 Jahre geschaffen".

Rund 40 Werke Ovendens fanden Eingang in die Sammlung der Tate-Galerien. Auf der Höhe seines Ruhms zeigten das Victoria & Albert Museum und das Metropolitan Museum of Art in New York seine Arbeiten. Sein künstlerisches Spiel mit kindlicher Sexualität erregte immer wieder die Aufmerksamkeit der britischen Polizei. Die Arbeiten wurden aber auch von Künstlerkollegen wie David Hockney leidenschaftlich verteidigt. Viele dieser Bilder entstanden in einer Zeit, in welcher der Sexualisierung von Kindern weit weniger Beachtung geschenkt wurde als heute. Das Strafmaß für Graham Ovenden steht noch aus.

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SZ vom 04.04.2013/mkoh
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