Kritik zu Süskinds Parfüm-Verfilmung Das Kuddelmuddel der schwarzen Seele

Eichinger und die Münchner Constantin aber setzten aufs Genre Weltliteraturverfilmung - in dem sie bereits beachtliche Erfolge erreicht haben, vom "Namen der Rose" bis zum "Geisterhaus". Auch das "Parfum" zielt auf den Weltmarkt, soll beweisen, dass man in Deutschland großes internationales Kino machen kann - mit mehr als fünfzig Millionen Euro der teuerste hierzulande produzierte Film.

Viele Namen waren im Gespräch gewesen in der Vorbereitungszeit, von Leonardo DiCaprio, Orlando Bloom bis Jude Law für die Rolle des Grenouille, dazu Scorsese und Ridley Scott als mögliche Regisseure. Am Ende ist dann aus Amerika gerade mal Dustin Hoffman geblieben, der Jean-Baptistes Nolens-volens-Lehrmeister Baldini spielt, ansonsten hat man sich auch von amerikanischem Geld unabhängig gemacht.

Der Film ist eine europäische Koproduktion, von verschiedenen deutschen Förderanstalten und dem VIP Medienfonds unterstützt, dazu kommt eine Beteiligung in Millionenhöhe von Gigi Oeri, der Schweizer Industriellengattin und FC-Basel-Mäzenin.

Den Jean-Baptiste, das Monster, dessen Einsamkeit und eisige Melancholie wir nach den Absichten der Filmemacher teilen sollen, spielt Ben Wishaw, der vor zwei Jahren als junger Hamlet in London Furore machte - er hat sich seiner Figur so anverwandelt, dass er auch auf dem Set mit jeder seiner Bewegungen einen verhuschten, geduckten, froschartigen Eindruck machte.

Tom Tykwer versucht sich zum ersten Mal an einer Großproduktion - an seiner Seite hatte er Frank Griebe, seinen bewährten Kameramann, und jede Menge versierter Ausstatter und Kostümberater, die Tag für Tag sich um die Balance zwischen Genrephantasie und Authentizität bemühten.

Die Stadt der Moderne

Begonnen wurde der Dreh, stimmungsgerecht, auf den Lavendelfeldern der Provence, danach ging es im Juli 2005 zu den Baldini-Sequenzen mit Dustin Hoffman nach München. Den größten Teil des Films aber absolvierte man in Barcelona und Umgebung - die Stadt doubelt das historische Paris.

Der Barrio Gótico dort wurde zum Fischmarkt umdekoriert, auf den Hügeln um die Stadt fand man die Villa des Kaufmanns Richis, den Alan Rickman mit makelloser Präzision und Distanz spielt - seine Tochter ist als letztes Opfer des Todesparfumeurs ausersehen.

Im historischen Museumsdorf Pueblo Español wurde die Schlussorgie durchgezogen, die dann doch - trotz der Mitwirkung der Leute von La Fura dels Baus, der berühmten spanischen Theatertheatergruppe - die vorrevolutionäre Mischung aus Verführung, Freiheitslust und Masochismus nicht wiedergibt.

Der Einfluss von Barcelona, der Stadt, in der die Moderne des vorigen Jahrhunderts entscheidende Impulse bekam, war stark auf dem Set zu spüren, er hat für die spielerischen, irrlichternden Momente gesorgt, die allein dem Kino möglich sind.

Und er hat ein wenig die Bedenken weggewischt, die von Anfang an das Projekt umwucherten - wie denn die beiden großen Filmpersönlichkeiten Eichinger und Tykwer zusammenspielen würden.

In Barcelona saßen sie entspannt gemeinsam hinter ihrem Kontrollmonitor, der mächtige Produzent Eichinger, der stark seine letzte große Produktion, den "Untergang", dominiert hatte, der sich mit einer Parsifal-Inszenierung in Berlin als Opernmann bewähren wollte, den es allemal immer wieder zur Regie drängt, und Tykwer, von dem viele seiner Fans die Rückkehr zu wilden Filmen wie "Winterschläfer" oder "Lola rennt", ersehnen.

Die große Synästhesie, der ersehnte Filmorgasmus ist das "Parfum" am Ende nicht geworden, immer wieder sieht es aus, als hätte man sich große Aufgaben gestellt und versucht, sie fehlerfrei zu lösen. Man spürt den "Prägestempel", den "das apotheotische Parfum ins Kuddelmuddel der schwarzen Seele" des Films drücken wollte.