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Kritik:Ganz aus Stücken

Delphine Galou singt Vivaldi in der Residenzwoche

Seit Menschengedenken wurde keine Oper Antonio Vivaldis an der Bayerischen Staatsoper aufgeführt; glaubt man einem Buch, das die 400-jährige Geschichte des ehemaligen Hof- und Nationaltheaters umfasst, gab es einzig 1718 einmal ein heute unbekanntes Werk aus der Feder des "roten Priesters". Dies wurde dem Hörer bei der Eröffnung der Residenzwoche schmerzlich bewusst, bekam er im Kaisersaal doch eine Motette, eine Kantate und einzelne (Opern-)Arien Vivaldis samt den dazugehörigen Rezitativen zu hören, die erneut große Lust auf ein ganzes musiktheatralisches Werk erweckten.

Delphine Galou, die schon mehrfach auf CD mit Vivaldi und der Accademia Bizantina Fuorore gemacht hat, lässt etwa die Motette "Filiae Maesta Jerusalem" oder die Kantate "Cessate omai cessate" zu dramatischen Szenen werden. Wie in einem Brennspiegel bündeln sie Gefühle in unterschiedlicher und doch immer charakteristischer Ausformung, bei der selbst die Singstimme instrumental behandelt wird.

Im grandiosen Ambiente des Kaisersaals verschmelzen Text und Musik, der fein ziselierte, schlanke, manchmal auch expressiv auflodernde Alt (besser Mezzosopran) von Delphine Galou und das kleine Originalklang-Ensemble zum Gesamtkunstwerk. Die zwölf Musiker der Accademia Bizantina und ihr Konzertmeister Alessandro Tampieri begleiten Galou großartig und eminent stilsicher, steuern mit der Sinfonia zu "Tito Manlio" und Konzerten (RV 138, RV 161, RV 394) auch Instrumentalmusik vom Feinsten bei, darunter ein Konzert für Viola d'amore und Orchester mit Tampieri als Solist.

Am Samstag und Sonntag, 19. und 20. Oktober, gibt es im Musikprogramm der Residenzwoche drei Konzerte im Antiquarium: das Bayerischen Jugend-Barockorchester mit einem Überraschungskonzert bei freiem Eintritt; das Duo Darshan (Sopran, Laute) zum 400. Geburtstag von Barbara Strozzi; und zum Abschluss spielt "Stylus Phantasticus" süddeutsche Violinmusik.