Kritik Einladend präsent

Das Cuarteto Quiroga beim Ickinger Frühling

Von Paul Schäufele, Icking

Das Streichquartett ist eine ernste Angelegenheit. Seine Interpreten: scheue Meister, die Zeugen ihrer intimen Kunst eher dulden als begrüßen. So viel zum Klischee. Als würden sie es darauf anlegen, das Gegenteil zu beweisen, spielen die Musiker des spanischen Cuarteto Quiroga beim "Ickinger Frühling" mit schier atemraubendem Temperament und einer einladenden Präsenz, die das Konzert auch zum Bühnenereignis werden lässt.

Beim B-Dur-Quartett von Gaetano Brunetti ist das nicht einfach. Schöne, ja gefällige Musik ist das und soll auf Wunsch des Komponisten "dolce" klingen. Doch mit warmem, schlanken Klang erzeugt das Cuarteto Quiroga zumal im langsamen Satz Momente hoher Intensität, die sich spätestens mit witzig heruntergefiedelter Chromatik im Finale auflösen. Mehr Gelegenheit zur Entfaltung musikalischen Charakters bietet Beethovens Opus 18 Nummer 5, das mozartnahe A-Dur-Quartett. Die Temperaturwechsel zwischen dem heiteren Haupt- und dem e-Moll-Seitensatz, die dramatisch abbrechende Klangwoge im Menuett, der mit robustem Bass gestampfte Bauerntanz sowie der innige Choral im Variationensatz, das munter geschwätzige Finale - die Stärke dieses Quartetts liegt in seiner gestalterischen Fantasie. Über gelegentliche Intonationsschwächen kann man da beinahe hinwegsehen.

Den Höhepunkt klanglicher Gespanntheit erreichen die Quirogas in Alberto Ginasteras erstem Quartett, seiner Hinwendung zur Kompositionsweise des "Subjektiven Nationalismus", in dem eine Idee argentinischer Musik in Form musikalischer Symbole vermittelt werden soll. Das Quartett erschafft diese Atmosphäre zwischen traumhaft schimmernden Strukturen und gewaltsam gekratzten, geradezu greifbaren Akkorden, die sich auch in Körperbewegungen ausdrücken. Selten hat man Quartettgeiger sich während des Spiels von den Sitzen erheben sehen. Das reißt auch das Publikum mit. Das Finale aus Haydns Opus 74 Nummer 1 gibt es als funkensprühende Zugabe.