Krise des 3D-Kino:Ist der Boom erst ruiniert

Die 3D-Version von Disneys "Toy Story 3" wollten weniger Menschen sehen als den herkömmlichen flachen Film. Ist die neue Technik damit schon am Ende?

Tobias Kniebe

Auf den ersten Blick sahen die Zahlen perfekt aus. Der Disney-Konzern hatte den dritten Teil seiner Toy Story ins Kino gebracht, die Amerikaner wollten wissen, wie es mit den heroischen Spielzeugfiguren Woody und Buzz Lightyear weitergeht - und beim Kassensturz nach dem Wochenende war es der zehntbeste Filmstart der Geschichte: 110 Millionen Dollar in drei Tagen. Und doch: Hollywoods Entertainment-Analysten werden dieses Wochenende noch lange in unguter Erinnerung behalten. Manche sprechen bereits von einer fatalen Trendwende.

Krise des 3D-Kino: Der dritte Teil der "Toy Story" kam ins Kino, die Amerikaner wollten wissen, wie es mit den heroischen Spielzeugfiguren Woody und Buzz Lightyear weitergeht - nur nicht in 3D.

Der dritte Teil der "Toy Story" kam ins Kino, die Amerikaner wollten wissen, wie es mit den heroischen Spielzeugfiguren Woody und Buzz Lightyear weitergeht - nur nicht in 3D.

(Foto: AP)

Denn Toy Story 3 kam, wie inzwischen viele große Hollywood-Filme, einerseits in 3D und andererseits in ganz normalen Kinos heraus: Also als aufwendig beworbenes Premium-Erlebnis mit Brille und Stereobild, ausgeklügelten Raumtiefe-Effekten und deutlich höherem Ticketpreis. Aber eben auch flach wie früher und um einiges billiger, im 2D-Lichtspielhaus nebenan.

Und erstmals in Hollywoods derzeitigem, mit tausend Hoffnungen und Versprechungen aufgeladenem 3D-Goldrausch passierte das Unerhörte: Eine zweidimensionale Filmkopie, die an diesem Wochenende im Umlauf war, brachte im Durchschnitt mehr Geld ein als eine dreidimensionale. Das Format der Zukunft war in die Miesen gerutscht.

Offizielle Kommentare zu diesem gefährlichen Trend, der Milliardeninvestitionen in neue Kinos, Kameras und Projektionstechniken gefährden könnte, gibt es noch nicht. Dafür tobt im Netz die Debatte der unabhängigen Beobachter. "Dieses Ding läuft eindeutig in die falsche Richtung", heißt es auf TheWrap.com. "Das Publikum gibt 3D auf", orakelt die Los Angeles Times. Und Slate widmet eine lange, zahlengespickte Betrachtung der Frage, ob das Format nun tatsächlich schon "mausetot" sei.

Ganz so weit ist es noch nicht - aber es zeigt sich doch, dass die kühleren Köpfe in Hollywood mit ihren Warnungen recht behalten haben. James Cameron zum Beispiel, der mit seinem Milliardencoup Avatar als einer der Väter des grassierenden 3D-Fiebers gilt, schimpft schon länger auf billige, schnell noch in 3D umgewandelte Nachahmer-Produkte: Mit diesen technisch und erzählerisch ungenügenden Filmen, die er "2,5-D" nennt, sei der Boom schnell ruiniert. Auch die offensichtliche Wahrheit, dass selbst teure 3D-Effekte aus einem schlechten Stoff noch keinen guten machen, beginnt sich gerade wieder durchzusetzen: Gilt 3D nun schon als das Format der schnellen Abkassierer?

Die simple Wahrheit ist wohl einfach, dass man dem Publikum schon einen dauerhaft höheren Mehrwert bieten muss, um ihm dauerhaft höhere Ticketpreise aufs Auge zu drücken - der Neuigkeitseffekt nutzt sich rapide ab. Dazu kommt, dass die ernsthaften Filmemacher das Medium 3D am liebsten subtil benutzen - inzwischen vielleicht zu subtil für jenen Teil der Zuschauer, die nur auf den nächsten Thrill aus sind.

"Die dritte Dimension des Kinos wird bleiben, weil auch das Leben selbst schließlich dreidimensional ist", hat Steven Spielberg im Gespräch mit der Süddeutschen Zeitung gesagt. "Aber wir Filmemacher sehen sie doch nur als ein Ausdrucksmittel mehr - neben vielen anderen, die uns zur Verfügung stehen."

Darauf könnte es hinauslaufen. Ob sich damit allerdings Hollywoods momentane Wachstumsprognosen, Investitionspläne und Preissteigerungen noch weiter rechtfertigen lassen, ist das andere Problem.

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