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Krise beim Suhrkamp-Verlag:Manöver in zwei Akten

Doch genau das tut die Stiftung nicht. Dabei ist aber nicht zu vergessen, dass sie nach dem Urteil vom März ihrerseits angeboten hatte, ihre Gewinnforderung zurückzustellen, falls Barlach mit seiner Forderung gleichzöge. Barlach lehnte hartnäckig ab, ja er leitete sogar die Zwangsvollstreckung ein. Dass er jetzt, nachdem er selbst die Lawine losgetreten hatte, den vorher verweigerten Rangrücktritt erklärt, stimmt die Stiftung nicht mehr um. Sie will das Heft, das er ihr unfreiwillig verschafft hat, nicht mehr aus der Hand geben.

Ihr neuestes Manöver besteht aus zwei Akten. Erster Akt: Suhrkamp nimmt die Berufung gegen das Urteil vom März zurück und erkennt damit definitiv an, dass die Verlagsgewinne unverzüglich ausgeschüttet werden müssen. Die Konsequenzen sind für die Stiftung und für Barlach unterschiedlich. Barlach hat während der Insolvenz wenig von dem Anerkenntnis, denn wegen seines Rangrücktritts bleibt zumindest sein Anspruch für 2010 außen vor.

Nicht so für die Familienstiftung, wie der zweite Akt zeigt: Sie "stellt" ihre Forderung trotz des Schutzschirmverfahrens "fällig". Das heißt, der Verlag muss ihr die Millionen sofort auszahlen. Das kann er nicht, also wird er wohl zahlungsunfähig.

Was wie eine weitere oder gar endgültige Schwächung von Suhrkamp aussieht, stellt sich für die Familienstiftung und Ulla Berkéwicz anders dar. Ob ein Unternehmen wirklich überschuldet ist oder nicht, darüber können sich Gutachter im Zweifelsfall lange streiten. Wie hoch bewertet man bei einem Verlag wie Suhrkamp etwa das Lager oder die Autorenrechte?

In der Tat hat der vom Gericht eingesetzte vorläufige Sachwalter, Rolf Rattunde, der auch die Frage der Überschuldung zu klären hat, noch kein Ergebnis bekanntgegeben. Das Schutzschirmverfahren könnte also womöglich auf wackeligem Boden stehen. Es sei denn, der Verlag ist zahlungsunfähig geworden. Denn dann wäre an der Berechtigung des Insolvenzverfahrens nicht zu rütteln. Obendrein ist die Zahlungsunfähigkeit viel leichter und "objektiver" festzustellen als die Überschuldung.

Chance für Lösung des Konflikts

Mit dem "Fälligstellen" ihrer Gewinnforderung von mehr als fünf Millionen dürfte die Familienstiftung diese Bedingung herbeigeführt und so das Schutzschirmverfahren auf eine stabile Grundlage gestellt haben. Das ging nur, wie gesagt, weil das Verfahren bereits eingeleitet war.

Das Motiv für den Schachzug ist aus der Sicht der Stiftung so nachvollziehbar, wie er Barlach gegen den Strich geht. Das Schutzschirmverfahren, vor allem die damit verbundene Möglichkeit, einen Insolvenzplan mit all seinen enormen Gestaltungsrechten zu verabschieden, gibt Suhrkamp die große und wahrscheinlich auch letzte Chance, den hoffnungslos gewordenen Konflikt nachhaltig zu lösen.

Entgegen Gerüchten, die im Umlauf sind, kann dies keinesfalls darauf hinauslaufen, Barlachs Medienholding zu "enteignen", um ihn so loszuwerden. Das wäre nicht nur rechtswidrig, sondern dumm. Welche Lösung Sachwalter, Stiftung, Verlag und in erster Linie die Gläubiger auch anstreben, in jedem Fall muss sie beiden Gesellschaftern gerecht werden. Dass sie zwingend "pari zu behandeln" sind, betont auch der Generalbevollmächtigte des Verlags, Frank Kebekus, im Gespräch mit dieser Zeitung mit Nachdruck.

Er betont aber auch, dass die Fortsetzung des Schutzschirmverfahrens unabdingbar sei, um nicht mehr in den "katastrophalen Status quo ante" zurückzufallen. Nur mit den konstruktiven "tools" des Insolvenzplans sei der Ausweg aus der Krise zu finden.

© SZ vom 08.07.2013/pak
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