Süddeutsche Zeitung

Krieg in Syrien:So sieht es heute in Palmyra aus

Die Ruinen von Palmyra gehören zum Unesco-Weltkulturerbe. Vor zehn Monaten begannen die IS-Terroristen, sie zu zerstören. Was sich dadurch verändert hat - ein interaktiver Vergleich.

Von Jana Stegemann und Esther Widmann

Das weitläufige Ruinenfeld der antiken Oasenstadt Palmyra liegt neben der modernen Stadt Tadmor mit ehemals 70 000 Einwohnern. Im Mai 2015 eroberten die Terroristen des sogenannten Islamischen Staats das Gebiet. In den darauffolgenden Monaten zerstörten sie zahlreiche der antiken Bauwerke, darunter den Tempel des Baal, den Tempel des Baal-Shamin und den Triumphbogen.

Nach der Rückeroberung der Stadt durch Regierungstruppen gibt es nun erste Bilder, die das Ausmaß des Schadens zeigen. Die ist nach Ansicht des Chefs der syrischen Altertümerverwaltung Maamun Abdulkarim weniger gravierend als befürchtet. Viele der wichtigsten Ruinen seien nur leicht beschädigt, bei anderen Altertümern könnten die herumliegenden Trümmer wieder eingesammelt werden "Die Landschaft ist im Großen und Ganzen in einem guten Zustand", sagte er. Mit Hilfe der UN könne Palmyra innerhalb von fünf Jahren wieder aufgebaut werden und "so werden wie vorher", sagte Abdulkarim.

Gesehen hat Abdulkarim allerdings bisher auch nur Fotos - er hält sich noch in Damaskus auf.

Klicken Sie auf das Bild, um den interaktiven Vergleich zwischen dem Zustand vor dem Einmarsch des IS und heute zu starten

Satellitenansicht des Baal-Tempels in Palmyra

Das Luftbild zeigt die Anlage des Baal-Tempels vor und nach der Zerstörung durch den IS. Gut zu erkennen sind die quadratische Hofanlage mit den Resten einer innen umlaufenden Säulenreihe (im oberen Bild verzerrt), in deren Mitte das Tempelgebäude stand, sowie das moderne Gebäude in der rechten oberen Ecke. Im zweiten Bild steht von dem Tempel nur noch das Eingangstor. Die Bilder sind nicht ganz deckungsleich aufgenommen.

Frontalansicht des Baal-Tempels in Palmyra

Diese Bilder zeigen den imposanten Baal-Tempel, von dem der IS nur das Eingangstor stehen ließ. Der rechteckige Tempelbau, die sogenannte Cella, und die sie vormals umgebende Säulenreihe, die im ersten Bild noch rechts und links des Tores zu sehen ist, liegen in Trümmern.

Baal war der oberste Gott, dem die Syrer der Antike die Verantwortung für Berge, Wetter und Fruchtbarkeit zuschrieben. Der im Jahr 32 nach Christus einem vorderasiatischen Gott geweihte Tempel ist in griechisch-römischem Architekturstil gebaut. Später wurde er erst in eine christliche Kirche und dann in eine Moschee umgewandelt.

Triumphbogen von Palmyra

Bis 2015 stand hier ein Triumphbogen, den der römische Kaiser Septimius Severus (193-211 n. Chr.) erbauen ließ. Von ihm sind nur noch die Ansätze der beiden kleineren, den zentralen großen Bogen flankierenden Durchgänge erhalten. Einen Orientierungspunkt bieten die vier Säulen am linken Bildrand - auf dem aktuellen Bild sind nur noch drei zu sehen.

Welchen militärischen Sieg beziehungsweise Feldherrn der Bogen ehrte, ist nicht bekannt. Der Bogen markiert die Stelle, an dem die antike, von Säulen gesäumte Prachtstraße einen Knick in Richtung des Baal-Tempels macht (zu sehen auf diesem Plan).

Löwen-Figur in Palmyra

Im Juli 2015 zerstörte der IS die berühmte 15 Tonnen schwere Löwen-Figur am Eingang des Nationalmuseums. Sie war ursprünglich nicht freistehend, sondern sollte am Tempel der Göttin Al-lāt als Relief aus der Wand "springen". Der Löwe hält zwischen seinen Pfoten eine Gazelle - nicht als Beute, sondern um sie zu beschützen, wie eine Inschrift bezeugt: "Al-lāt wird den segnen, der in ihrem Heiligtum kein Blut vergießt".

Der Chef der syrischen Altertümerverwaltung, Maamun Abdulkarim ist zuversichtlich, dass die Einzelteile alle wieder zusammengesammelt und die Statue wieder aufgebaut werden kann. Das sei die "beste Neuigkeit". Es wäre nicht das erste Mal, dass die Figur rekonstruiert wird: Bereits in der Antike war sie zerlegt und die Blöcke als Baumaterial verwendet worden. Nachdem Archäologen die Bruchteile im Jahr 1977 fanden, wurde die Figur, mit modernen und deutlich helleren Steinen ergänzt, wieder zusammengesetzt.

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