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"Me Too"-Vorwürfe gegen Mark Kozelek:Sehr falsch verlaufen

Drei Frauen werfen dem Sänger Mark Kozelek vor, sich sexuell unangemessen und übergriffig verhalten zu haben. Seine Tour in Großbritannien wurde daraufhin abgesagt.

Von Nora Noll

Nach Vorwürfen der sexuellen Belästigung wurde die für Ende des Jahres geplante Großbritannien-Tour des amerikanischen Indiefolk-Sängers und Songwriters Mark Kozelek und seiner Band Sun Kil Moon abgesagt. Vergangene Woche beschuldigten in einem Bericht des Online-Musikmagazins Pitchfork drei Frauen Kozelek, sich unangemessen und übergriffig verhalten zu haben. Daraufhin gab der Veranstalter TEG MJR bekannt, dass die Tour nicht stattfinden wird. Kozelek wies am Montag alle Anschuldigungen zurück.

Alle drei Frauen erzählten Pitchfork unabhängig voneinander von übergriffigem Verhalten Kozeleks in Hotelzimmern. Eine berichtet von "nicht wirklich konsensuellem" Sex mit Kozelek. Sie habe ihn 2014 als damals 19-Jährige nach einem seiner Konzerte kennengelernt. Im Hotelzimmer habe der heute 53-Jährige sie ins Bett und zum Geschlechtsverkehr gedrängt. Weil sie jedoch mit ihm "allein in diesem Hotelzimmer" gewesen sei, hätte sie nicht den Mut gehabt, ihn zurückzuweisen. Danach hätten die beiden für kurze Zeit eine Beziehung geführt, während der Andrea immer wieder zu ihr unangenehmen sexuellen Handlungen gedrängt worden sei.

Eine andere Frau wirft Kozelek ebenfalls vor, sie in einem Hotelzimmer belästigt zu haben. Nach einem Konzert in Portugal 2017 habe der Sänger ihr angeboten, gemeinsam mit der Band zum Hotel zu fahren und ihr von dort aus ein Taxi zu rufen. Golden habe das Angebot gerne angenommen und sich auf eine entspannte Backstage-Atmosphäre gefreut. Aber im Hotelzimmer habe Kozelek versucht, sie zum Sex zu überreden und, nachdem sie sich weigerte, vor ihr masturbiert und sie begrapscht. Pitchfork liegt eine Textnachricht vor, in der die Frau noch in derselben Nacht an einen Freund schreibt, dass der Abend "sehr falsch verlaufen" sei und Kozelek eine "Louis C.K. Nummer abgezogen" habe.

Der dritte Vorwurf stammt von einer Musikerin, die laut Pitchfork zusammen mit einer Freundin Kozelek kennenlernen und ihm eigene Musik vorspielen wollte. Er habe die beiden im Rahmen eines Festivals 2014 dann in sein Hotelzimmer eingeladen und sich ihnen gegenüber dort "unangemessen verhalten".

Es sind nicht die ersten Vorwürfe gegen Kozelek. In dem 2014 erschienenen Song "War on Drugs: Suck my Cock" richtete sich der Sänger nicht nur explizit gegen die Band The War on Drugs, sondern beleidigte auch eine Bloggerin sexistisch. 2015 sang er während eines Konzerts in einem improvisierten Song sexistische Beleidigungen gegen die Journalistin Laura Snapes. Die aktuellen Vorwürfe gegen Kozelek passen zur jüngsten "Me Too"-Stimmung in der Indiepop-Szene. Seit Mitte Juli etwa werden mehr und mehr Fälle sexualisierter Gewalt und sexueller Übergriffe im Umfeld des Labels Burger Records bekannt.

Mark Kozelek veröffentlichte indes am Montag auf der Website von Sun Kil Moon eine Stellungnahme, in der er ankündigte, juristisch gegen jede Person vorzugehen, die sich an der "medialen Diffamierung" seiner Person beteilige.

© SZ vom 19.08.2020
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