Korruptionsprozess-Auftakt im Fall Emig "Chaotische Buchführung"

Schwere Vorwürfe gegen den Hessischen Rundfunk: Der Sender habe ihn bei der Finanzierung teurer Sportsendungen alleingelassen, sagt Ex-HR-Sportchef Jürgen Emig zum Prozessauftakt.

Der Sportjournalist Jürgen Emig hat zum Auftakt des gegen ihn geführten Korruptionsprozesses schwere Vorwürfe gegen den Hessischen Rundfunk (HR) erhoben. In einer ersten Einlassung räumte Emig ein, "Fehler" gemacht zu haben. Gleichzeitig sagte er, dass es im Hessischen Rundfunk eine "chaotische Buchführung" gegeben habe.

Belastet den HR: Sportjournalist Jürgen Emig.

(Foto: Foto: ap)

"Ich werde für meine Fehler die Verantwortung übernehmen, aber bis zum Schluss dafür kämpfen, dass mir keine Fehler angelastet werden, für die andere verantwortlich sind", sagte der frühere HR-Sportchef am Montag vor dem Landgericht Frankfurt. Der HR habe ihn mit den Problemen der Finanzierung teurer Sportsendungen alleingelassen, sagte Emig.

Die Anklage wirft dem 63-Jährigen Bestechlichkeit, Anstiftung zur Bestechung, Betrug und Untreue vor. Über eine Scheinfirma soll Emig mehr als 600.000 Euro aus Schmiergeldern und Schleichwerbung in die eigene Tasche gelenkt und dabei auch den HR geschädigt haben.

"Gnadenlos unterfinanziert"

Mitangeklagt ist der ehemalige Vorsitzende des Deutschen Tanzsportbundes, Harald Frahm, mit dem Emig die Agentur SportMarketing & Production GmbH (SMP) verdeckt gegründet hatte. Frahm soll Beihilfe zu Emigs Untreue geleistet haben.

Emig hat laut Anklage für den Hessischen Rundfunk sogenannte Beistellungen besorgt. Diese Produktionszuschüsse mussten Veranstalter von "Randsportarten" leisten, wenn sie Fernsehübertragungen haben wollten. Daneben besorgte Emig dem Sender Sponsoren. Abgerechnet wurde über die SMP, an der Emigs Ehefrau Atlanta Killinger beteiligt war.

Das Geld, das Sponsoren zahlten oder als Beistellungen einging, landete nur zum Teil beim Sender. Die Drittmittel, die er von Sponsoren und Sportveranstaltern eingeworben habe, seien aber stets in die Budgetplanung des Senders eingegangen. Möglicherweise hätten die HR-Verantwortlichen bewusst übersehen, auf welchen Wegen das Geld eingeworben worden sei, so Emig.

Dass seine Ehefrau stille Teilhaberin bei SMP gewesen sei, bezeichnete Emig im Nachhinein als "verheerenden Fehler". Dies hätte "anders organisiert" oder offengelegt werden müssen, lenkte er ein.

Erst durch die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft sei ihm aber bewusst geworden, dass sein Vorgehen zum Teil strafbar sein könnte.

Dem HR sei die Teilhaberschaft seiner Frau bei SMP zwar nicht bekannt gewesen, der Sender habe aber auch nicht sondiert, warum die sogenannten Beistellungen über diese Firma ausgeführt wurden.

Er habe schon immer Sponsoren für das "gnadenlos unterfinanzierte" Sportprogramm des HR akquiriert, sagte Emig. Dabei habe man ihn bis zur Vertragsreife gewähren lassen.

"Kein System Emig"

Auf diese Weise seien dem HR elf Millionen Euro zugeflossen, die eigentlich zuständige Tochterfirma HR-Werbung habe in den 18 Jahren seiner Tätigkeit als HR-Sportchef hingegen "so gut wie keine" Sponsoren gewonnen. "Es war eine endlose Arbeit, diese Sponsoren zu akquirieren und zu betreuen", sagte Emig. Öffentlich werde jedoch immer der Eindruck erweckt, er habe sich nur "die Taschen füllen" wollen.

Das Problem der Beistellungen sei vom HR nie geklärt worden. Er habe zwar mehrere Gespräche mit der Rechtsabteilung des Senders geführt, diese hätten aber nie mit einer Handlungsanweisung geendet, sagte Emig.

Daher seien die in Frage stehenden Geschäftspraktiken für ihn "kein System Emig, sondern ein Finanzierungssystem HR". Auf die Frage des Vorsitzenden Richters Christopher Erhard, wo Sponsoring ende und wo Schleichwerbung beginne, sagte Emig: "Ich bin gerade dabei, mir dazu eine Meinung zu bilden." Im Tagesgeschäft habe dies früher keine Rolle gespielt. Es sei aber klar gewesen, "dass wir da in einer Grauzone sind".

Zugleich übte der Journalist scharfe Medienkritik. Durch eine "undifferenzierte mediale Vorverurteilung" seiner Person hätten sich schwerwiegende Folgen für seine Familie und seine finanzielle Situation ergeben.Außerdem sei er beinahe in den wirtschaftlichen Ruin getrieben worden.

Bis Ende Oktober sind 16 Termine in dem Prozess angesetzt, für den die 12. Wirtschaftsstrafkammer des Landgerichts Frankfurt zuständig ist.