Bauskandal in München:Spät, billig, blöd

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Kunstminister Markus Blume und Ministerpräsident Markus Söder – hier mit Indiana-Jones-Hüten bei einem Termin in der Archäologischen Staatssammlung. (Foto: Florian Peljak)

Das Münchner Konzerthaus wird nach jahrzehntelanger Planung und einer zusätzlichen Denkpause zur Einraumwohnung. Wer hat diese Blamage zu verantworten? Spoiler: Der Architekt ist es nicht.

Essay von Gerhard Matzig

Am Anfang des Telefonats am Dienstagabend sagt Anton Nachbaur-Sturm ganz leise: „Wir sind enttäuscht.“ Mutmaßlich auch von der Tatsache, dass das exzellent beleumdete Büro Cukrowicz Nachbaur Architekten aus Bregenz aus den Medien erfahren musste, dass es vorbei ist. Dass ihr im Jahr 2017 preisgekrönter Entwurf für ein neues Konzerthaus in München nach einem Beschluss des bayerischen Kabinetts endgültig nicht realisiert wird. Selbst vom Raumprogramm bleibt kaum etwas übrig: Aus einem komplexen Konzert-Haus wird ein einfacher Konzert-Saal – neu „erdacht“, kleiner, billiger, später. Wobei das Ganze noch mit dieser sehr erwartbar modischen Pointe garniert wird: Grüner wird es auch. Wenn es 2035 zum Verbrenner-Aus kommt und 2036 zusätzlich zu einem Konzertsaal in München mit grünen Hängepflanzen, vielleicht klappt’s ja doch noch mit dem Klima? Allerdings erst nach einem neuen Entwurf eines anderen Planers, der erst noch für viel Geld zu finden ist. Und zwar bitte gerne von einem ausführenden „Totalunternehmer“, der sich auch noch da draußen irgendwo herumtreibt.

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Markus Söder und sein Kulturminister haben einen coolen Plan: Das Münchner Konzerthaus kommt, und zwar zum 70. Geburtstag des bayerischen Ministerpräsidenten.

Von Egbert Tholl

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