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Konzerte:Am Wasser

Unter freiem Himmel spielt die Hochzeitskapelle besonders gerne ihre instrumentalen Coverstücke (von links): Michael Acher (Trompete, Tuba), Alex Haas (Banjo), Mathias Götz (Posaune), Evi Keglmaier (Bratsche, Tuba) und Markus Acher (Schlagzeug).

(Foto: Hochzeitskapelle)

Die Musiker der "Hochzeitskapelle" haben Besuch aus Tokio: das Folkpopduo "Tenniscoats". Jetzt gibt es gemeinsame Auftritte an Staffel- und Ammersee sowie an der Isar

Von Michael Zirnstein

Wenn Freunde von fern zu Besuch sind, gibt's viel zu erzählen. Aber mehr noch als die Sprache, sagt Evi Kegelmaier, verbinde sie und die anderen Mitglieder der Hochzeitskapelle etwas anderes mit ihren gerade in München weilenden Lieblingsgästen: "Das gemeinsame Musizieren für nette Menschen, Essen und Trinken." Das verwundert nicht, sind die Sängerin Sayo Ueno und der Gitarrist Takashi Ueno vom Folkpopduo Tenniscoats doch aus Tokio angereist. Lost in Translation. Mittlerweile würde es sich für die Hochzeitskapelle lohnen, Japanisch zu lernen. Die Kontakte zu Tokios Szene nehmen zu, gerade durch Markus und Michael Acher, weltbekannt durch The Notwist. Ihr jüngstes Album, die melancholische "Wayfaring Suite", hat die Hochzeitskapelle mit Kama Aina erarbeitet. Und mit den Tenniscoats haben sie auch viel zu tun. So standen sie beim "Alien Disco"-Festival mit ihnen in den Kammerspielen auf der Bühne, als großes Orchester zusammen übrigens mit der Brassband Zayeando, die Saya Aeno in Japan spontan gegründet hatte, nachdem sie die Hochzeitskapelle in einem bayerischen Wirtshaus hatte spielen hören. Leicht nachvollziehbar, so nahbar, so traumversunken, so einfach und doch so raffiniert gespielt, zieht einen diese instrumentale bayerisch-internationale Spontanmusik in den Bann.

Nun haben sich die Münchner dieser Tage ein umfangreiches Beschäftigungsprogramm für die Gäste ausgedacht. Man könnte annehmen, das käme ungelegen, weil die Hochzeitskapelle jüngst sensationell mit dem Deutschen Filmpreis für ihre Musik zu Oliver Haffners "Wackersdorf" geehrt worden ist und nun allerlei Anfragen abzuarbeiten habe. Aber gar nichts sei passiert, bis auf die Bitte eines einzelnen Herren, sein Gedicht zu vertonen: "Mia san mia, Madl, setz di her zu mir".

Da setzen sie sich lieber mit den Freunden aus Fernost zusammen und machen Musik. Markus Acher nimmt bereits neue Dreampop-Stücke mit ihnen für ihre München-Tokio-Supergroup Spirit Fest auf, die am 15. Juni ein Nachtkonzert beim Bayerischen Rundfunk spielt. Für die Tenniscoats allein hat man einen Auftritt in der Favoritbar arrangiert (9. Juni). Gesellige Höhepunkte aber sind die drei gemeinsamen Auftritte der Hochzeitskapelle und der Tenniscoats "am Wasser". Dafür haben die Münchner tatsächlich mal geprobt, nämlich Stücke der Tenniscoats; es gibt aber auch etwa Lisa Germanos "If I Think Of Love" zu hören, dass im Herbst auf das dritte Album kommen soll.

Zunächst legt man in Seehausen zur Ausflugsdampferfahrt auf dem Staffelsee ab (ausverkauft, aber man könne mit geeignetem Kahn nebenher mitschippern). Dann lässt man sich gegenüber der Weideninsel in München an der Isar nieder, schließlich spielt man am Kiosk Bayrische Brandung an der Herrschinger Ammersee-Promenade. Alle Orte hat die Hochzeitskapelle schon öfters in Konzerten ausgetestet und diese als "unsere tollsten Musikerlebnissee" abgespeichert. Kegelmaier ist sich sicher: "Das ist die schönste Art, Bayern kennenzulernen."

Hochzeitskapelle und Tenniscoats, Fr., 7. Juni, 18 Uhr, Seehausen, Staffelsee; 12. Juni, 19 Uhr, München, gegenüber der Weiseninsel; 17. Juni, 19 Juni, Herrsching, Bayrische Brandung

© SZ vom 06.06.2019

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