Konzertante Aufführung Liebesgrüße aus Dalmatien

Blick zurück: Im Programmheft findet sich das Bild eines kroatischen Bauernmädchens.

(Foto: Münchner Rundfunkorchester)

In Kroatien Dauerbrenner, hierzulande Rarität: die komische Oper "Ero der Schelm" im Original im Prinzregententheater

Von Ekaterina Kel

Ðula wartet auf ihren imaginären Prinzen. Ein reicher Gutsbesitzer täte es wohl auch, schließlich ist sie die Tochter eines wohlhabenden Bauern. Aber dann erscheint dieser dahergelaufene Bursche namens Ero in Lumpen und gibt vor, "vom Himmel gefallen" zu sein. Sie verlieben sich, allen gesellschaftlichen Vorstellungen zum Trotz. Davon gibt es allerdings viele: Die Geschichte von Ðula und Ero spielt schließlich in einem Dorf in Dalmatien, im Süden Kroatiens, zu einer Zeit, als die Gesetze des Patriarchats über die Ehe entschieden.

"Ero der Schelm" ist die ungeschlagene Lieblingsoper der Kroaten. Vor einigen Jahren wurde die 700. Aufführung allein am Nationaltheater Zagreb gefeiert. Der Kroate Jakov Gotovac, einer der wegweisenden Komponisten des früheren Jugoslawiens, brachte die Oper 1935 zur Uraufführung. Nach direktem Erfolg tourte sie durch das damalige Königreich und wird in den Ländern Ex-Jugoslawiens bis heute gerne auf Spielpläne gesetzt. In Deutschland allerdings darf man diese mit viel musikalischem Witz versehene komische Oper als Rarität bezeichnen. 1942 erklang sie zum letzten Mal in München, damals in deutscher Sprache. Nun also zurück zum Original: Am Sonntag, 19. Mai, führt das Münchner Rundfunkorchester unter der Leitung des Kroaten und Chefdirigenten Ivan Repušić "Ero der Schelm" in kroatischer Sprache konzertant auf. Die großen Solistenrollen sind mit Muttersprachlern besetzt, dazu reist der Kroatische Rundfunkchor an, mit dem Repušić eine Kooperation angestoßen hat.

"Diese Oper verdient die Gelegenheit, wieder gehört zu werden", sagt Repušić. Der 41-Jährige erinnert sich noch an sein erstes "Ero"-Dirigat vor etwa 16 Jahren in Split. Nicht nur die spätromantische, reich an Verzierungen und Spielereien ausgestattete Musik sei wunderschön, auch das Libretto lobt Repušić als "genial". Der kroatische Dramatiker Milan Begović ließ sich von einem Fastnachtsspiel von Hans Sachs aus dem 16. Jahrhundert inspirieren, verlegte die Handlung aber in die Herzegowina. Ivan Repušić freut sich besonders, diese für Kroaten so wichtige Oper dem Publikum in München in Originalsprache nahezubringen. "Auf Kroatisch ist es am besten, weil die Musik sehr eng mit dem Text verbunden ist", sagt er. Auch der eigensinnige Rhythmus und die Instrumentalisierung seien von Sprache und Folklore des Balkans inspiriert. Deutsche Übertitel werden aber fürs Verständnis mitgeliefert.

Auch in der kommenden Saison sind vier konzertante Aufführungen angesetzt. Große Namen wie Verdi ("Attila") und Rossini ("Le comte Ory") säumen zwei weniger oft gehörte Opern: "L'île du rêve" des Franzosen Reynaldo Hahn aus dem Jahr 1898 und Albert Lortzings komische Oper "Zum Großadmiral" von 1847. Außerdem wird der neue Artist in Residence des Rundfunkorchesters, der Flötist Emmanuel Pahud, in einem Willkommenskonzert begrüßt. Und für zeitgenössische geistliche Musik findet sich in dem neuen Programm ebenfalls Platz. Drei Konzerte finden in der Herz-Jesu-Kirche in Neuhausen statt, zum Beispiel ein "Kroatisches Glagolitisches Requiem" für Soli, Chor und Orchester des kroatischen Komponisten Igor Kuljeric.

Und der mysteriöse Jüngling Ero? Der entpuppt sich im Laufe der Handlung von "Ero der Schelm" als Mića, Sohn aus gutem Hause. Sein Täuschungsmanöver sollte für Ðula vor allem eine Prüfung sein. Er wollte sichergehen, dass sie ihn wegen seines Charakters und aus freien Stücken liebt und nicht etwa, weil er reich ist. Eine zornige Stiefmutter und ein überbehütender Vater sorgen für verschiedene Hindernisse. Der Schluss steht im Zeichen der Versöhnung. Für Repušicć steht im Zentrum der Erzählung die Überwindung der alten Regeln hin zur romantischen Liebe.

Gotovacs Musik sprüht vor osteuropäischen und südlichen Einflüssen. Der Komponist gilt als einer der Begründer einer kroatischen nationalen Musiksprache, die im 19. Jahrhundert die Sehnsucht nach einer nationalen Identität noch befeuerte. Das Publikum könne sich jedenfalls auf einen amüsanten Abend einstellen, voller lyrischer und witziger Momente, mit großen Arien und Chornummern. Und auf einen Schelm, der es mit dem Schicksal aufnimmt.

Ero der Schelm, konzertante Aufführung, Sonntag, 19. Mai, 19 Uhr, Prinzregententheater