Süddeutsche Zeitung

Konzert:Sich den Jazz anlachen

Die Münchnerin Alma Naidu hat sich in verschiedenen Disziplinen versucht, um dann doch zu ihrer größten Leidenschaft zu finden: zur Musik

Man kann vieles lernen für eine Bühnenkarriere, einiges muss man aber einfach mitbekommen haben. Das ist bei der 23 Jahre alten Sängerin Alma Naidu eine ganze Menge. Abgesehen von klassisch-exotischer Schönheit (einer ihrer Großväter war Inder) und einer charismatischen Noblesse im Auftreten - wobei ihre Ballett-Ausbildung sicher eine Rolle spielt - natürlich das musikalische Talent. Vererbt, mag man da denken, ist doch ihre Mutter Opernsängerin - seit vielen Jahren am Gärtnerplatztheater. "Ich bin dort aufgewachsen, das ist mein Kindheitsort", sagt Naidu. Und ihr Vater ist Dirigent.

Entsprechend früh wurde Alma Naidu gefördert. Mit fünf begann sie mit Klavier, das sie bis heute mit Hingabe spielt. Bald kam Geige dazu, die sie aber mit 14 wieder aufgab: "Dafür war ich zu perfektionistisch." Stattdessen drängte sich die Gitarre auf, dank neuer Einflüsse, die man heute nicht mehr bei ihr verorten würde: "Damals war ich ein riesiger Metallica-Fan. Ich glaube, eine Zeit lang hab' ich nichts anderes gehört", sagt Naidu. Eine Phase, die wieder abklang. Und nach der sie sich gar nicht mehr bei der Musik sah: "Ich dachte, ich kann doch nicht genau das machen, was meine Eltern machen. Ziemlich lange war mein Plan, Astronomin zu werden. Angefangen zu studieren habe ich dann Kommunikationswissenschaft, mit Nebenfach Psychologie, die mich eigentlich interessierte."

Bis am Ende eben doch Naidus größte Leidenschaft durchbrach, die Musik. Parallel zum regulären nahm sie ein Gaststudium an der Münchner Musikhochschule in Filmmusik-Komposition auf. "Ich war immer ein Theorie-Nerd. Schon mit zehn, als ich noch gar keine Begriffe kannte, habe ich mir Aufzeichnungen zu Popsongs gemacht, was da so passiert."

Wegweisend aber wurde, dass sie in einen Workshop des Jazzinstituts hineinrutschte, der mit der Sängerin Sandy Patton an der Theaterakademie August Everding Joe Haiders Jazz-Singspiel "Rosaly - das Mädchen aus Glas" einstudierte. Jetzt war nicht nur das Interesse am Musicalgesang wieder erwacht, für den sie als Tänzerin schon von 16 an Unterricht hatte, sondern ganz allgemein am Jazz. Sie schwenkte zum Fach Jazzgesang - bei den Dozentinnen Sanni Orasmaa und Anne Czichosky - um, wurde schnell Mitglied des Landesjugendjazzorchesters und gern gesehener Gast bei Sessions und diversen Projekten.

Jetzt, kaum zwei Jahre später, hat sie ihr erstes Konzertprogramm erarbeitet, mit eigenen, meist zugänglichen, aber harmonisch komplexen Songs, respektvoll arrangierten Standards - und erlesener Begleitung: Neben dem Gitarren-Shooting-Star Philipp Schiepek und dem von diversen Jazz-Formationen bis zur Moonband ebenfalls fest etablierten Bassisten Lorenz Heigenhuber stehen ihr der hochtalentierte Pianist Vitaly Burtsev und der junge Schlagzeuger Alexander Parzhuber zur Seite, der zwar in Köln lebt, den sie aber nach einem gemeinsamen Bigband-Auftritt haben wollte. Vermutlich wird man nach diesem Abend in der Unterfahrt Lust auf mehr bekommen. Kein Problem, denn Naidu hat viel vor: Mit dem Landesjugendjazzorchester ist sie am 22. Juli wieder in der Unterfahrt und tags zuvor beim Jazz-Weekend Regensburg; schon vom 29. Juni bis Ende Juli spielt sie am Stadttheater Augsburg eine Hauptrolle in "Jesus Christ Superstar"; im Oktober übernimmt sie beim Jazzfestival Ebersberg den Gesangspart in Ellingtons "Sacred Concert", mit dem sie unlängst schon bei der Jazzwoche Burghausen glänzte; dort stieg sie auch bei den von Wolfgang Haffner geleiteten Sessions ein, und der Schlagzeug-Star war so von ihr beeindruckt, dass er sie im November zu seinem Auftritt auf Schloss Elmau holt. Daraus könnte sich mehr ergeben, genau wie jetzt aus ihrem Solo-Debüt in der Unterfahrt, das die Basis für ihr erstes Album sein soll. Für Herbst hat Alma Naidu eigentlich auch eine Stipendiums-Zusage von der Royal Academy of Music in London. Das hängt jetzt wegen des Brexits in der Schwebe. Man ließe sie eh ungern ziehen.

Alma Naidu, Samstag, 25. Mai, 21 Uhr, Unterfahrt, Einsteinstraße 42

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SZ vom 24.05.2019
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