Konzert:Do it!

Lesezeit: 2 min

Dieter Meier

Dieter Meier, hier beim Konzert in Zürich Ende November.

(Foto: Walter Bieri)

"Yello" überzeugen in der Olympiahalle

Von Egbert Tholl

Wenn ältere Herren auf Tournee gehen, hat das den großen Vorteil, dass die Veranstaltung pünktlich beginnt und dementsprechend früh aus ist, da kriegt man sogar den Schluss vom Fußballspiel noch mit. Daneben gibt es noch einen weiteren schönen Aspekt, der aber auch mit der Herkunft der Herren zusammenhängen mag: Dieter Meier und Boris Blank sind ausgesprochen höflich. Und so ist das Konzert von Yello in der Olympiahalle einerseits musikalisch und in Hinblick auf die Ästhetik der Show höchst bemerkenswert, bietet andererseits aber auch einen Einblick, wie Pop im weitesten Sinn funktionieren kann, wenn ihn zwei Schweizer machen, die sich und der Welt überhaupt nichts mehr beweisen müssen, die auf die Einnahmen der Tour nicht angewiesen sind, sondern ganz einfach mal ausprobieren wollen, ob das geht: Yello live.

Geht gut, denn sie haben hervorragende Musiker mit dabei, ein Bläserquintett, einen Gitarristen, Schlagzeuger, Perkussionisten und zwei Background-Sängerinnen, die im Hintergrund auch lustige Tanzbewegungen vollführen wie anmutige Wasserpflanzen in sanfter Strömung. Es beginnt mit "Do it", und Dieter Meier erhebt das alte Lied zum Motto des Abends: einfach mal ausprobieren, machen. Es scheint ihn auch in keiner Weise zu stören, dass die Olympiahalle, obwohl ohnehin schon künstlich verkleinert, noch einige Besucher mehr hätte aufnehmen können. Nein, er freut sich über die Begeisterung der Anwesenden, von denen manche im Alter der beiden Herren sein dürften. Allerdings: Wenn man sich in deren Alter dereinst so benehmen wird, wie die es tun, dann darf man sich gesegnet fühlen.

Was auf der Videoleinwand passiert, ist teils im Stil der Entstehungszeit der Songs, auf jeden Fall überarbeitet, teils eh ganz neu - und immer großartig, irgendwo zwischen sowjetischer Avantgarde der Zwanzigerjahre, experimentellem Stummfilm und grandios selbstironischem Blödsinn. Der Sound ist vorbildlich, kommt von hinten und von vorn, ist kristallklar, hat den nötigen Wumms und klingt erstaunlich live selbst bei den Songs, bei denen die Live-Musiker eher Beiwerk und die vollkommen von Boris Blanks stilbildender Computerkiste bestimmt sind.

Malia ersetzt ziemlich gut Shirley Bassey in "The Rhythm Divine", Fifi Rong singt elektrischen Shanghai-Import; immer wieder stellt sich das Gefühl von damals in den Achtzigerjahren ein: dass Yello ihrer Zeit voraus sind, weil ihnen Moden egal sind und sie ohnehin aus einem weiteren, nicht allein musikfixierten Kontext kommen. Boris Blank demonstriert am Handy, wie man aus Stimme einen Rhythmus bastelt - "Bostich" wird in der Wiederholung zu einem Geniestreich zweier Kindsköpfe. Alle Hits gibt es, am Ende "Viscious Games" und "The Race", einige Stücke der neuen CD, sehr gut integriert und dazu dieses wohlige Raunen von (männlichen) Sehnsüchten und gefährlichen Frauen, aber mit Schweizer Schalk.

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