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Konzert:Am Anfang war das Wort

Hannah Weiss begeisterte bei ihrem Prüfungskonzert am Jazz-Institut der Münchner Musikhochschule. Mit ihrer Band stellt sich die Sängerin nun in der Bar Gabanyi vor

Von Oliver Hochkeppel

An einem Februar-Nachmittag des vergangenen Jahres konnte man im Gasteig einigen ungewöhnlich verklärt lächelnden Professoren der Musikhochschule begegnen. Hatten sie doch, so konnte man von ihnen erfahren, gerade eines der besten Prüfungskonzerte gehört, das am dort angesiedelten Jazz-Institut der Musikhochschule je zu erleben gewesen war. Verantwortlich für diese gute Laune war die junge Sängerin Hannah Weiss.

Auch Weiss gehört zu den zuletzt extrem starken Jahrgängen am Jazz-Institut, das über seinen wachsenden Ruf immer mehr außergewöhnliche jungen Jazzer anzieht. In diesem Fall aus der Schweiz. Die in Wuppertal geborene Hannah Weiss ist in einer Patchworkfamilie mit einem deutschen Vater - einem Schauspieler - in Basel und Zürich aufgewachsen. "Meine ungarische Urgroßmutter war Konzertpianistin, meine Mutter Opernregisseurin, der Vater meiner Stiefmutter Jazztrompeter. Ich war also immer mit Musik umgeben. Als Kleinkind bin ich mit Eric Satie eingeschlafen, später liefen zu Hause neben Klassik immer auch Sachen wie Ella, Al Jarreau oder die New York Voices", erzählt sie.

Hannah Weiss Group

Nach der ersten Jazz-Stunde war für Hannah Weiss klar: Das ist ihre Bestimmung.

(Foto: Saskia Pfeiffer)

Mit sechs lernte sie dann ihr erstes Instrument: ausgerechnet Schlagzeug! Später kamen Flöte und Klavier, und von jeher sang sie im Chor. Seit sie als kleines Mädchen mit ihrer Mutter das Musical "Anything Goes" gesehen hatte, wusste sie auch, dass sie später auf jeden Fall auf die Bühne und singen wollte. Am musischen Gymnasium in Zürich bekam sie den ersten richtigen Gesangsunterricht, und nach der ersten Jazz-Stunde war klar, dass das ihre Bestimmung ist: "Jazzgesang hat für mich diese Natürlichkeit und Ehrlichkeit, ja er fällt mir viel leichter als zum Beispiel Pop."

Es spricht für sie, dass sie in ihrem ersten eigenen Programm die Herausforderung sucht und eben genau in Richtung Pop geht. Jenseits jeder Genregrenzen freilich, und ihre Stil-Symbiose fällt schon deshalb nicht schlicht aus, weil das Songwriting bei der sehr Belesenen total vom Wort ausgeht. "Der Text kommt immer zuerst, dann die Melodie und der Rest." Die Wahl des Studienortes München schließlich ermöglicht ihr jetzt eine grandiose Besetzung ihrer Group: Ob Sam Hylton an den Tasten, Philipp Schiepek an der Gitarre oder Moritz Stahl am Saxofon, die schon etwas älteren Kommilitonen machen alle bereits beachtlich Karrieren. Dazu kommen als Jüngere der Bassist Robin Jermer und der Schlagzeuger Flurin Mück. Der ist nicht nur ein Riesentalent, sondern ebenfalls Schweizer. "Und es ist immer toll, wenn ich in der Band mit einem Schweizerdeutsch reden kann", sagt Weiss.

Hannah Weiss Group; Donnerstag, 21. Februar, 20.30 Uhr, Bar Gabanyi, Beethovenplatz 2

© SZ vom 21.02.2019

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