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Komödie:Streng nach Plan

In Mareille Kleins Münchner Film "Dinky Sinky" wird die Heldin vom eigenen Kinderwunsch gehetzt - so lang, bis es weh tut.

Von Karoline Meta Beisel

Ein Job, ein Mann, eine Wohnung, ein Kind: Die Ansprüche, die Frida an ihr Leben stellt, sind bescheiden - denkt sie. Aber so ein Kind muss ja auch erst einmal gezeugt werden, und die biologische Lunte brennt. Aller Beischlaf (und auch der Rest von Fridas Beziehung) hat sich darum der Familienplanung unterzuordnen. Das geht nicht gut. Aus "Dinky" wird "Sinky", die Single-Variante von double income, no kids yet.

Als Frau Mitte dreißig mit dringendem Kinderwunsch Single zu sein ist blöd genug, noch dazu, wenn der ganze Freundeskreis emsig mit Fortpflanzung beschäftigt ist. In "Dinky Sinky" kommt außerdem eine Münchner Lebenswahrheit hinzu: Ohne den Mietanteil ihres Ex-Freunds kann sich die Sportlehrerin die gemeinsame Wohnung nicht mehr leisten. Sie zieht zu ihrer Mutter, die zu allem Überfluss frisch verliebt ist.

Dinky Sinky

Till Firit und Katrin Röver in der Komödie "Dinky Sinky".

(Foto: Koryphäen Film)

Regisseurin und Autorin Mareille Klein gibt ihrer Hauptfigur also nicht nur ein Päckchen voller Widrigkeiten mit, sondern gleich einen ganzen Umzugswagen. Gerade zu Beginn schämt man sich fast fremd: Frida (Katrin Röver) arbeitet so verbissen an der Erfüllung ihres Lebenstraums, dass sie selbst beim Heiratsantrag im Englischen Garten wirkt, als würde sie einem festgelegten Fahrplan folgen. Man merkt, dass die Regisseurin als Dokumentarfilmerin ausgebildet wurde: All die unangenehmen Szenen lässt sie so lang laufen, bis sie auch wirklich peinigend werden.

Als dramaturgisches Mittel funktioniert das trotz erlösender komischer Momente hervorragend, weil sich der Zuschauer bald genauso eingeengt fühlt wie Frida - nur dass es bei Frida die eigenen Erwartungen sind, die sie erdrücken. Dass diese wiederum etwas mit gesellschaftlichen Konventionen zu tun haben könnte, wird in "Dinky Sinky" allenfalls angedeutet.

Dinky Sinky, D 2016 - Buch und Regie: Mareille Klein. Kamera: Laura Kansy. Mit Katrin Röver, Ulrike Willenbacher, Michael Wittenborn. Koryphäen Film (24 Bilder), 95 Minuten.

© SZ vom 08.02.2018

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