Komödie "Hai-Alarm am Müggelsee" im Kino Das Ungeheuer von Berlin

Eine abgebissene Hand sorgt für Aufregung und folglich dreht sich alles um die Frage: Existiert ein Hai im Müggelsee? Leander Haußmanns Komödie bietet Trash, Sexappeal und Nonsense-Gags. Über die Botschaft kann der Zuschauer rätseln, muss er aber nicht.

Von Rainer Gansera

"Watt'n dette?" Da staunt der Bademeister (Michael Gwisdeck). Er wollte nur mal die Temperatur des Müggelsees checken, tauchte die rechte Hand vorsichtig ins Wasser und als er sie wieder herausziehen will, ist sie weg, zwei mächtige Blutfontänen entströmen seinem Unterarmstumpf.

Offenbar birgt der See ein Sicherheitsrisiko. Der alarmierte Bürgermeister von Friedrichshagen (Henry Hübchen) sinniert: "Angenommen, da draußen ist wirklich ein Hai. Weiterhin angenommen, dieser Hai hat Zähne und mit denselben die Bademeisterhand abgebissen. . ." Er versammelt Experten, die beraten, wie man die Katastrophe verschweigen, verdrängen oder vielleicht doch zum Großevent aufschäumen könnte.

"Watt'n dette?", könnte man sich - wäre man Berliner - angesichts des wild wuchernden, mit Insider-Jokes gespickten Anarcho-Szenarios fragen. Leander Haußmann ("Sonnenallee") und Sven Regener (bekannt als Element-Of-Crime-Frontmann und Romanautor) haben es zusammen ausgeheckt und in Szene gesetzt. Ist ihr Opus eine "Punkrock-Komödie" (Regener)? Eine Kommunalpolitiksatire? Ein Albernheiten-Exzess?

Herrlich durchgeknallt

Zuerst ist "Hai-Alarm am Müggelsee" eine herrlich durchgeknallte Nummern-Revue und Improvisationstheater mit befreundeten Darstellern. Hübchen brilliert als umtriebig-aalglatter Bürgermeister, Gwisdek nutzt seine irgendwie feminin geratene Hand-Prothese zu Nonsense-Gags, Anna-Maria Hirsch liefert als spärlich bekleidete Stadtmarketing-Tussi den Sexappeal. Nicht alle Gags zünden. Wenn etwa die Theatermacher Jürgen Flimm und Frank Castorf beim Ouzo palavern, oder Katharina Thalbach als irre Apokalyptikerin durch die Straßen geistert, hält sich der Humorertrag in Grenzen.

Aber dann gibt es immer wieder grandiosen Trash und irrwitzig Versponnenes: Benno Fürmann als schnöseliger Müggelseestrandbesitzer, oder Detlev Buck als Polizist, der einer Schwimmerin mit philosophisch ausgefeilten Diskursen das Baden vermiesen will. Das Schönste sind die Reminiszenzen an Stummfilm-Slapstick, wenn Haußmann/Regener die Menschenansammlungen am See zur raffinierten Grotesk-Choreografie arrangieren.

2003 verfilmte Leander Haußmann den im Kreuzberger Kneipenmilieu angesiedelten Regener-Roman "Herr Lehmann". Daraufhin wurden als touristische Attraktion "Lehmann-Führungen" durch Kreuzberg veranstaltet. Vielleicht gibt es demnächst im Berliner Tourismus-Angebot Exkursionen zum Müggelsee auf der Suche nach dem großen Hai, dessen Anblick uns der Film wohlweißlich vorenthalten hat.

Vom Müggelsee bis zum Horror-Schneemann

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Hai-Alarm am Müggelsee, D 2013 - Buch, Regie, Musik: Leander Haußmann, Sven Regener. Kamera: Jana Marsik. Mit Detlev Buck, Henry Hübchen, Michael Gwisdek. X-Verleih, 103 Minuten.