Komödie Der Herr und sein Knecht

Der Pfleger (Kevin Hart) und sein reicher Boss (Bryan Cranston) versuchen, in der US-Version dieser Geschichte ohne Rassismus auszukommen.

(Foto: Constantin)

"Mein Bester & Ich": das amerikanische Remake der französischen Erfolgskomödie "Ziemlich beste Freunde".

Von Philipp Bovermann

"Nessun dorma", plärrt es aus der Stereoanlage, auf Deutsch: Keiner schlafe! Aber es schläft ja auch keiner. Der schwarze Pfleger schläft nicht, weil er noch nie in so einem teuren Haus war, mit Lamborghini und Pavarotti; der alte weiße Patient schläft nicht, weil ihn nachts Depressionen quälen und sein vorbestrafter Pfleger ihn tagsüber fast vom Rollstuhl kippen lässt. Und die Menschen, die diesen Film gemacht haben, kriegen sowieso kein Auge mehr zu, seit aller Pech und Schwefel, den die Filmbranche zu bieten hat, über sie hereingebrochen ist.

Dabei klang der Stoff eigentlich nach einer sicheren Kiste: Die französische Komödie "Ziemlich beste Freunde" über einen reichen weißen Griesgram und seinen schwarzen Pfleger spielte international fast eine halbe Milliarde US-Dollar ein. Dieses Kassenklingeln vernahm in Hollywood ein gewisser Harvey Weinstein. Der engagierte Neil Burger, um denselben Film noch mal zu drehen, diesmal mit Bryan Cranston und Kevin Hart in den Hauptrollen. Im September 2017 feierte er Premiere auf dem Filmfestival in Toronto, die Kritiken waren gut, Harvey Weinstein erfreut, vielleicht hätte diese Geschichte mit einem Oscar geendet. Es kam bekanntlich anders. Im Oktober wurden die Missbrauchs- und Vergewaltigungsvorwürfe gegen Weinstein bekannt, die in Form der "Me Too"-Debatte und ihrer zahllosen Verästelungen die Filmindustrie umgraben.

Die Weinstein Company ist inzwischen pleite. Auch sonst hat sich einiges geändert seit "Ziemlich beste Freunde" im Jahr 2011. Wie viel, das sieht man jetzt, da das Hollywood-Remake unter dem Titel "Mein Bester & Ich" doch noch in die deutschen Kinos kommt. Damals schien es kaum jemanden zu stören, dass die Geschichte auf üblen rassistischen Klischees fußt. Der schwarze Pfleger, im Original gespielt von Omar Sy, ist zwar nicht der Hellste, aber dafür stets munter.

Er tanzt, wenn irgendwo Musik läuft, er schläft gern und tief, in der Oper lacht er darüber, dass da ein Kerl einen singenden Baum spielt, er denkt sich nichts Böses und er hat, als kleines Zugeständnis für die Damen, auch noch einen sehr knackigen Hintern. Mit anderen Worten: Er ist der perfekte Bedienstete. Er wird seinem weißen Herrn nicht gefährlich, obwohl dieser nur noch aus seiner befehlenden Stimme besteht. Der schwarze Leib verlängert den Willen des weißen Herrn, der hinter Mauern aus Marmor dringend ein bisschen Divertissement und Schwung für seinen Rollstuhl braucht. Aber so, dass er dabei nicht aus Versehen von seinem fahrenden Thron stürzt. Um das zu verhindern, müssen Herr und Bediensteter "ziemlich beste Freunde" sein. So funktioniert Herrschaft. So funktioniert Ideologie.

Das Team hinter "Mein Bester & Ich" stand nun offenbar vor dem Dilemma, dass es dem schwarzen Publikum in den USA keine Figur anbieten konnte, die im Grunde nur ein Hampelmann ist. Deshalb ist der Pfleger jetzt eher "streetwise" als einfach nur schlichten Gemüts. Ein Typ, der gern Jay-Z wäre, auf feine Manieren pfeift und coole Sprüche klopft. Aber natürlich mit Herz. Kevin Hart in dieser Rolle scheint sein Möglichstes zu tun, bloß ja nicht witzig zu sein, was ihm auch gelingt. Für einen Film, der eine Komödie sein will, ist das natürlich Gift. Übrig bleibt das nur mühsam verhinderte Sozialdrama, das auch die Vorlage im Grunde schon war.

Der Film ist das merkwürdige Vermächtnis des Harvey Weinstein

Anstatt nur zu tanzen, dirigiert der virile Pfleger selbst das Kammerorchester, das sein Boss in seiner palastartigen Wohnung auftreten lässt. Den Taktstock schwingt er übertrieben zackig, aber es ist keine lächerliche oder auch nur lustige Übertreibung, sondern von der Art, die Rapper an den Tag legen, wenn sie sich mit Purpurmantel, Krone und Zepter inszenieren. Anstatt, wie im Original, die Opernvorstellung zu verschlafen, steht er am Ende ergriffen auf und applaudiert. Er ist seinem Boss auf stille Weise dankbar, dass dieser ihn in die höheren geistigen Genüsse einführt, dass er ihm zeigt, was alles möglich ist im Leben. Dafür wechselt er ihm dann auch den Katheter.

Die beiden Figuren sind sich daher viel näher als in der Vorlage. Der von Bryan Cranston gespielte vermögende Boss ist nicht mehr einfach nur vermögend, weil das halt so ist, sondern er hat sich, wie er betont, alles selbst erarbeitet, als Businessguru, der in Start-ups investiert. Auch seinen vorstrafenbewährten Angestellten scheint er als eine Investition zu betrachten. Er rät ihm, an sich zu glauben und sein Ding zu machen. Daraus ziehen beide Profit. Der junge schwarze, aufstrebende Mann bekommt von ihm die "Werkzeuge des Herren", von denen die Schriftstellerin Audre Lorde gesagt hat, sie würden "niemals das Haus des Herren niederreißen", eine Veränderung der Verhältnisse bewirken; im Gegenzug darf der alte Shareholder noch ein bisschen auf seinem Rollstuhl thronen.

Genau wie die Vorlage erzählt "Mein Bester & Ich" die Geschichte zweier Männer, die sich in einem Verhältnis befinden müssten, das man altmodisch Klassenkampf nennen würde. Aber weil sie "ziemlich beste Freunde" sind, reichen sie sich die Hand. Im Original ordnete sich der schwarze Mann dem weißen unter. Nun verbünden sie sich, denn es gibt ja noch andere Parteien, die man sich untertan machen kann. Die sehr heißen und überaus dienstbaren Frauen, die es in den Nebenrollen gibt, zum Beispiel. Das ist die Pointe des letzten Films, den Harvey Weinstein auf den Weg gebracht hat.

The Upside, USA 2019 - Regie: Neil Burger. Buch: Jon Hartmere. Kamera: Stuart Dryburgh. Mit: Bryan Cranston, Kevin Hart. Constantin, 126 Minuten.