Kommt ein Deutscher...:Drei Witze mit Kraut

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Wertet man die kurze, anhaltend steile Stand-up-Karriere des gebürtigen Hageners als Indiz für komisches Talent, darf Wehn wohl als die Ausnahme gelten, welche die Regel deutscher Humorlosigkeit bestätigt. In nicht einmal zwei Jahren hat er sich vom blutigen Anfänger zur festen Größe im englischen Comedy-Circuit hochgearbeitet.

Tiefenanalyse des Gags

In Uxbridge erzählt er Arztwitze. Wie den vom Patienten, dem beide Beine amputiert werden und den der Arzt damit zu trösten versucht, im Nebenzimmer sei ein Patient, der jetzt die überflüssig gewordenen Schuhe des Verstümmelten kaufen wolle.

Dann tut Wehn etwas, das eigentlich als tödlich für jede Komik gilt - er erklärt die Witze: "Der Arzt versucht dem Patienten also weit über seine eigenen medizinischen Pflichten hinaus zu helfen." Ausführlich spekuliert Wehn, wie viel Prozent des Einzelhandelspreises der Patient für seine gebrauchten Schuhe erwarten kann, leider fehle die Zeit, das in Ruhe mit dem Publikum durchzurechnen.

Wehn nimmt das Klischee und richtet es gegen sich selbst. Als wäre ihm gar nicht klar, dass er etwas halbwegs Witziges erzählt, klamüsert er es auseinander, bis nichts mehr übrig ist als seine zahlen- und faktenklauberische Figur, die Gags zu Tode analysiert.

Zudem kann er in der Rolle des deutschen Spießers ausgiebig den Reißverschluss seiner Strickjacke preisen, mit dem er "so effizient seine Körpertemperatur" regelt, und Prinzessin Diana ungestraft eine "dreckige, verhurte Schlampe" nennen. Irgendwann schlägt das ungläubige Lachen des Publikums in echtes um.

"Das kannst du besser"

Henning Wehn ist fleißig. Neben seinem regulären Job bei einer Firma, die "Corporate-Hospitality-Pakete" anbietet, tritt der 31-Jährige viermal die Woche mit seinem Programm auf. Wenn es so weitergeht, hofft Wehn, wird er bald auf seinen Tagesjob nicht mehr angewiesen sein.

Angefangen hat alles vor anderthalb Jahren bei einer "Open-Mic"-Veranstaltung in einer Londoner Kneipe: "Da ist einer aufgetreten, der war so schlecht, dass ich dachte: Das kannst du besser."

Ausgestattet mit seinem Schulenglisch und fünf Minuten Programm stellte er sich wenig später in ein Pub und legte los. "Von den Hecklings habe ich kein Wort verstanden", sagt er. "Das war wahrscheinlich auch besser so."

Angesichts dieser bescheidenen Anfänge und seiner deutschen Herkunft ist Wehns schneller Erfolg in England wirklich erstaunlich. Im Februar hat er sich gegen 250 Mitbewerber durchgesetzt und den prestigeträchtigen Nachwuchspreis des Londoner Vaudeville-Theaters "Hackney Empire" gewonnen - auf derselben Bühne immerhin, auf der Charlie Chaplin und Stan Laurel ihre Debuts gaben.

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