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Kommentierte Ausgabe:"Mit unserer Ausgabe werden Rechtsradikale keinen Spaß haben"

A copy of the book 'Hitler, Mein Kampf. A Critical Edition' is displayed prior to a news conference in Munich

"Mein Kampf. Eine kritische Edition": Zum ersten Mal seit seinem Tod erscheint in Deutschland eine Ausgabe von Adolf Hitlers Hassschrift.

(Foto: REUTERS)

Der Direktor des Instituts für Zeitgeschichte erklärt, warum die kommentierte Ausgabe von Hitlers "Mein Kampf" so wichtig ist.

Von Rudolf Neumaier

Die erste Auflage der historisch-kritischen Edition von Hitlers "Mein Kampf" mit 4000 Exemplaren ist so gut wie vergriffen. Das hohe Interesse habe ihn überrascht, sagt Andreas Wirsching, der Direktor des Instituts für Zeitgeschichte (IfZ), in einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung.

Er weist die Einwände des Londoner Literaturwissenschaftlers Jeremy Adler zurück, der in dieser Woche die Edition als solche kritisiert hat. "Wer tabuisiert, leistet dem Irrationalismus Vorschub, und damit wäre am Ende überhaupt niemandem gedient", sagt Wirsching. "Auch moralisch wäre es schlicht unverantwortlich, dieses Konvolut der Unmenschlichkeit gemeinfrei und kommentarlos vagabundieren zu lassen, ohne ihm eine kritische Referenzausgabe entgegenzustellen, die Text und Autor gewissermaßen in die Schranken weist." Die Herausgeber hätten das Prinzip verfolgt, dass "keine Seite Hitlertext zu erhalten ist, ohne dass man die Kommentare zumindest visuell wahrnehmen muss".

Der Preis für die in zwei Bänden gedruckten etwa 2000 Seiten sei mit 59 Euro vergleichsweise gering angesetzt. Es sei ein offensiver Preis, um einen Beitrag zur historischen Bildung und Aufklärung auch außerhalb der geschichtswissenschaftlichen Fachwelt zu leisten. Mit einer gewissen Sorge betrachtet der Zeithistoriker Wirsching die Hitler-Publicity: Eine Reihe von neuen wissenschaftlichen Hitler-Biografien, die Verfilmung von Timur Vermes' Hitler-Persiflage "Er ist wieder da", das aufsehenerregende Theater-Projekt "Mein Kampf" in Mannheim und nun die Edition der Hitler-Schrift führe zu einer "Konvergenz, die es in sich hat". Er sehe die Gefahr, dass "in der Öffentlichkeit der Eindruck entsteht, der ganze Nationalsozialismus lasse sich letztlich auf Hitler zurückführen. Und das wäre fatal, es wäre ein Rückfall in die Fünfzigerjahre."

Dass auch Rechtsradikale nun die IfZ-Ausgabe von "Mein Kampf" im Buchhandel erwerben können, lasse sich nicht verhindern. "Mit unserer Ausgabe wird ein Rechtsradikaler aber keinen Spaß haben, da bin ich mir sicher", sagt Wirsching.

Lesen sie das ganze Interview mit SZ plus:

© SZ.de/doer
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