Komiker Zarganar in Birma:Vertrauen in Birmas Führung

Danach reiste Zarganar weiter, nach Kambodscha. Dort saß er dann im Cambodiana Hotel von Pnom Penh in der Lobby und gab eines seiner seltenen Interviews. Er trug den traditionellen birmanischen Wickelrock samt dunkelgrüner Umhängetasche und erzählte von seinem Leben als Komiker und Kritiker. Und er forderte. Eine offizielle Erklärung des Präsidenten, dass alle Exil-Birmaner in ihre Heimat zurückkehren können, ohne eine Verhaftung befürchten zu müssen.

Doch bei aller Kritik - Zarganar hat Vertrauen zur neuen Führung von Birma. Er sagt: "Wenn ich mich mit unseren Politikern und Ministern unterhalte, dann höre ich, dass sie Birma wirklich verändern wollen. Sie haben die gleiche Einstellung und die gleichen Ansichten wie ich. Den neuen Politikern kann ich die Hand reichen." Für einen Mann wie Zarganar ist so eine Aussage ein enormer Schritt.

1988 schloss er sich erstmals den Protesten gegen die Diktatur des Offiziers Ne Win an. Als der Protest der Mönche und Studenten an Kraft gewann, ließ das Regime auf die friedlichen Demonstranten schießen. Tausende starben. Zarganar landete damals für ein Jahr im berüchtigten Foltergefängnis Insein, nicht weit von Rangun, das damals noch die Hauptstadt war. Dort prügelte man ihn mit Gummischläuchen, quälte ihn mit Elektroschocks und sperrte ihn in eine fensterlose Einzelzelle.

Immer wieder kam er während der nächsten sechs Jahre ins Gefängnis. Doch er ließ sich nicht einschüchtern. Seinen Beruf als Zahnarzt gab er auf, um die Massen mit seinen Witzen und Filmen zum Nachdenken zu bringen. Bald wurde er zu so etwas wie einem Star. Das schützte ihn nicht vor Gefängnis und Folter, doch immerhin wagte es die Regierung nicht, einen so Berühmten einfach verschwinden zu lassen. Selbst unter strengstem Auftrittsverbot schrieb er weiterhin für andere, engagierte sich im Untergrund. Seine eigentliche Kraft war nicht der eigene Auftritt, sondern sein Geschick, politische Folklore zu produzieren, also Witze zu schreiben, die zum Weitererzählen taugen.

Doch dann brach er sein Schweigen noch einmal, ganz demonstrativ. 2008 verwüstete der Zyklon Nargis einen Großteil des Landes. Hunderttausende sollen damals gestorben sein, doch die Regierung ließ kaum ausländische Hilfsorganisationen im Land zu. Zarganar sprach mit internationalen Medien über die Unfähigkeit der Regierung, auf die Tragödie zu reagieren. Wenige Monate später wurde er unter Vorwänden zu 59 Jahren Haft verurteilt.

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