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Komiker Zarganar in Birma:Humor ist seine Waffe

Mit Witzen will er die Menschen zum Nachdenken bringen, allzu oft musste er dafür jedoch Gefangenschaft und Folter ertragen. Nun ist der birmanische Regimekritiker und Komiker Zarganar in Freiheit - und glaubt immer noch an ein Happy End für sein Land.

Diktaturen verstehen Spaß nur zu gut. Deswegen haben die birmanischen Militärs den Komiker und Filmemacher Zarganar ja auch immer wieder eingesperrt, gefoltert und mit Auftrittsverboten verfolgt. Weil selbst harmlose Witze eine politische Sprengkraft entwickeln können, die viel wirksamer ist als jeder Slogan des Protests. Dieser hier zum Beispiel: Ein Birmane reist nach Indien, um zum Zahnarzt zu gehen. Der fragt ihn: "Warum kommst du nach Indien? Habt ihr in eurem Land keine Zahnärzte?" Darauf der Birmane: "Naja, bei uns darf ich das Maul nicht aufmachen."

In den Jahren der Diktatur wurde der birmanische Komiker Zarganar für seine Witze verfolgt, eingesperrt und gefoltert. Nun ist er frei und erlebt in Bangkok eine ganz neue Welt.

(Foto: AFP)

Was dem ironiegeschulten europäischen Humor eher schlicht erscheint, hat in Birma seinen Zweck. Zarganars Humor funktioniert auch für die Massen in einem Land wie Birma, das heute Myanmar heißt, in dem die Diktatur und die Verarmung die Bildungschancen in den letzten Jahren noch weiter nach unten getrieben haben und in denen die meisten kaum Kontakt mit Kultur aus dem Ausland haben. Selbst internationale Popsongs werden in Birma noch einmal mit harmlosen Fabeltexten in der Landessprache neu eingespielt. Deswegen ist Zarganar in seiner Heimat so bekannt wie die friedensnobelpreisgekrönte Oppositionsführerin Aung San Suu Kyi.

Maung Thura heißt der fünfzigjährige Komiker mit bürgerlichem Namen, "Zarganar" heißt übersetzt "Pinzette". Weil er seinen Mitbürgern mit seinen Witzen die Angst nehmen kann. Im Westen kennt man ihn auch deswegen, weil der deutsche Komiker Michael Mittermeier und der britische Regisseur Rex Bloomstein 2010 den Dokumentarfilm "This Prison Where I Live" über ihn drehten. Damals saß Zarganar noch im Gefängnis. Verurteilt zu 35 Jahren..

Seit dem Oktober 2011 aber ist er wieder in Freiheit. Im Zuge einer Massenamnestie, die selbst US-Präsident Barack Obama dazu veranlasste, von einem "Aufflackern des Fortschritts" zu sprechen, wurden rund sechstausend Gefangene aus den 43 Gefängnissen Birmas entlassen, darunter auch einige politische Häftlinge wie Zarganar. Der beantragte sofort einen Reisepass. Er wollte testen, was unter der neuen Regierung, die sich nach den Wahlen von 2010 formierte, alles möglich ist. Und er bekam eine verblüffende Antwort. Ja, er dürfe ins Ausland reisen, wenn er verspreche, auch wieder zurückzukommen. Allein diese Antwort zeigte, was für ein Wandel sich da vollzogen hatte, von der Herrschaft der Militärs zu den gewählten Machthabern, die eher fürchten, einen ihrer schärfsten Kritiker zu verlieren.

Und so reiste Zarganar einen Monat nach seiner Entlassung zum ersten Mal in seinem Leben ins Ausland. Erst nach Thailand. Bangkok war ein Schock mit seinen großen Brücken, den Stadtautobahnen, den hohen Gebäuden. Aber es war nicht nur die Kulisse der modernen Megacity, es waren auch die Menschen, die ihm so neuartig und fremd vorkamen, die jungen Thais, denen man ihr Selbstbewusstsein und ihre Freiheit an den Gesichtern ansehen kann. Er saugte das alles in sich auf, um eine Idee davon zu bekommen für die Zukunft seiner Heimat - die derzeit noch das am schwächsten entwickelte Land Südostasiens ist.

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