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Kolumne: Über Lebenskunst:Cool wie Oscar

Der Fernsehredakteur Felix Ungar JACK LEMMON l ist von seiner Frau vor die Tür gesetzt worden D

So witzig, weil sie einander verdient haben: Felix Ungar (Jack Lemmon, rechts) und Oscar Madison (Walter Matthau) in "Ein seltsames Paar".

(Foto: imago images / United Archives)

In dem Film "Ein seltsames Paar" sind Jack Lemmon und Walter Matthau in einer Zwangs-WG zusammengefercht. Der eine geht dem anderen gehörig auf die Nerven. Da fliegen schon mal die Spaghetti. Aber vor allem sind die beiden liebenswert.

Von Susan Vahabzadeh

Gäbe es eine Weltmeisterschaft der Nervensägen, Felix Ungar würde sie gewinnen. Er hat einen Putzfimmel, der ihn zwingt, hinter seinen Mitmenschen herzuputzen, während sie noch schmutzen. Er macht ständig Geräusche und begründet sie mit allerhand Materialien aus dem Handbuch des Hypochonders.

Und wenn er nicht durch Putzen, Nörgeln oder Schniefen verhindert ist, dann jammert er. Er jammert Pokerrunden zunichte, und er jammert bei seinem ersten Doppel-Rendezvous nach der Trennung von seiner Frau, bis nicht nur sein eigenes Date, sondern auch das seines Mitbewohners Oscar sich in Tränen auflöst.

Neil Simon hat sich Felix Ungar ausgesucht für sein Stück "Ein seltsames Paar" und folgte dabei seiner goldenen Regel für Komödien, am besten amüsiere sich der Mensch, wenn heulen die einzige Alternative sei.

Welches Buch bietet Trost, welcher Film beruhigt die Nerven, welches Kunstwerk weitet den Blick? Empfehlungen des Feuilletons.

(Foto: SZ)

Als Gene Saks "Ein seltsames Paar" 1968 verfilmte, war die Besetzung perfekt. Jack Lemmon spielte Felix Ungar - wie fast alle Rollen, die Lemmon berühmt machten, eine tragische Figur, ähnlich dem pflichtbewussten Bud Baxter in "Das Apartment" oder dem gutmütigen Cop in "Irma la Douce".

Irgendwann fliegen Nudeln quer durch die Wohnung

Am lustigsten waren Lemmons Unglücksraben immer im Zusammenspiel mit dem coolen Walter Matthau, der in "Ein seltsames Paar" Oscar spielt, der mit Felix in einer Zwangs-WG landet. Auf eine Rolle wie Oscar habe er lange gewartet, sagte Matthau einmal - es sei die perfekte Möglichkeit gewesen, Schauspieltalent mit seiner echten Persönlichkeit zu verbinden. Matthau war wahrscheinlich wirklich cool wie Oscar.

Oscar ist am Anfang noch sehr gewillt, Felix vor sich selbst zu retten, aber seine Geduld wird auf eine knallharte Probe gestellt. Irgendwann fliegen Nudeln quer durch die Wohnung, entweder Spaghetti oder Linguine, das kommt drauf an, wen man fragt. Und Oscar, der Verzweiflung nah und von Mordgelüsten getrieben, gesteht, dass er jetzt nicht nur wegen all der Dinge ausrastet, die Felix tut, sondern auch gleich wegen jener, die er sich für die Zukunft vorstellt. Besser kann man Lagerkoller nicht auf den Punkt bringen.

Die beiden vom Schicksal Zusammengepferchten sind so witzig, weil sie einander verdient haben; und weil sie das wissen, sind sie auch irgendwie liebenswert. Besonders, wenn man sie nur aus der Ferne genießt.

© SZ vom 09.04.2020

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