Kolumne Nichts Neues:Vorhang

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Kolumne Nichts Neues: Hände in Aktion: Anouk Aimée beim Richten ihres Bobs.

Hände in Aktion: Anouk Aimée beim Richten ihres Bobs.

(Foto: SZ-Collage)

Anouk Aimée hat in "Un homme et une femme" Probleme mit der Frisur.

Von Johanna Adorján

Es gibt Frisuren, die muss man gehabt haben, um zu verstehen, was so unendlich nervig an ihnen ist. Nehmen wir einmal die Frisur, die Anouk Aimée in Claude Lelouchs Nouvelle-Vague-Klassiker "Un homme et une femme" aus dem Jahr 1966 trägt: Ein kinnlanger Bob ohne Pony. Nun hat Anouk Aimée einen sehr dichten Haarwuchs, der, wie es aussieht, ein Gesicht vorne eigentlich nicht vorgesehen hat, jedenfalls keine Aussparung dafür aufweist. Sie braucht also die Ohren, um ihre Haare längerfristig aus dem Gesicht zu halten, da die von alleine gerne drüberhängen würden, wie ein Theatervorhang, der immer wieder zufallen will.

Das Problem: Ihr Bob ist gestuft, die Strähnen, auf die es ankäme, sind zu kurz, um hinter den Ohren zu bleiben, jetzt mal abgesehen davon, dass hinter die Ohren geklemmt natürlich nicht nach Nouvelle Vague aussieht, sondern viel zu brav. Das alles ist kein Drama, wird jedoch zum Problem, wenn man mit einer solchen Frisur eine Hauptrolle spielt. Denn immer nur Haare vorm Gesicht, das will keiner sehen.

Hoffentlich hält wenigstens die Beziehung

Wer mit einer solchen Frisur in einem Film mitwirkt, muss also in einem Teil des Bewusstseins stets folgende Fragen jonglieren: Wo sind meine Haare, wo ist die Kamera, wie viel von meinem Gesicht ist zu sehen? Und nun kommen die Hände ins Spiel, die den lästigen Part übernehmen müssen, die störenden Strähnen immer wieder nach hinten zu schieben, zu werfen, zu halten. Im hier beschriebenen Fall kommt Anouk Aimée immerhin hin und wieder der Wind zu Hilfe, da der Film zum Teil in Deauville spielt, wo eine kräftige Meeresbrise der Schauspielerin einmal eine ganze Szene lang freie Hände schenkt. Aber sonst vergeht in Lelouchs Film kaum eine Minute, in der die Hauptdarstellerin sich nicht die Haare zurückstreicht.

Eingangs ist das noch charmant, irgendwann nervt es einen - für sie. Man fühlt mit ihr. Und würde dieser anmutigsten aller rätselhaften französischen Schauspielerinnen eine andere Frisur wünschen in diesem sagenhaft schönen Film, in dem ein Mann und eine Frau trotz einiger Hindernisse zuletzt zusammenfinden. Ach, denkt man, hoffentlich hält wenigstens das.

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