Kolumne "Nichts Neues":Auf Grundeis

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Kolumne "Nichts Neues": Emil und die Detektive

Emil und die Detektive

(Foto: Constantin Film)

Ein schöner Kinderfilm? Ist "Emil und die Detektive" von 2001, auch wegen des Böswichts.

Von Johanna Adorján

Wer kennt es nicht: man möchte einen schönen Kinderfilm mit Kindern sehen, und findet dann keinen, in dem echte nette Kinder vorkommen, von richtigen Kinderdarstellern gespielt, mit Eltern, die mit bekannten Schauspielern besetzt sind. Einen Kinderfilm eben, wie es sie früher gab, bevor man selbst alt genug war, sich nicht mehr immer und grundsätzlich einem hier und da auftauchenden Kulturpessimismus zu widersetzen, auch wenn man ihn natürlich in Wahrheit selbst grauenhaft findet und offiziell immer dagegen ankämpft.

Trotzdem, so hinreißend und genial Zeichentrickfilme auch sein können - an dieser Stelle sei wieder einmal "Coco" genannt, ein absolut glücklich machender Pixarfilm aus dem Jahr 2017 - so mindestens genauso schön können eben auch Filme für Kinder mit echten Menschen sein. Neulich hatte ich Glück. Man muss sogar sagen: doppeltes Glück. In der ehemaligen Abflughalle des Flughafen Tempelhof wurden Kinofilme gezeigt, und das allein war schon ein Erlebnis. Es sieht noch alles dort genau so aus wie 2008, als der Flugbetrieb eingestellt wurde. Check-Inn-Schalter und Gepäckband, alles noch da, sogar die Schilder zu Abflug, Ankunft, Zoll. Vorne wurde ein Leinwand aufgestellt, davor Stühle, in großzügigem Abstand. Gezeigt wurde "Emil und die Detektive", und zwar in der Version von 2001. Drehbuch und Regie: Franziska Buch.

Die Handlung ist ja bekannt, sie wurde ins Berlin der Jahrtausendwende verlegt, dem damals noch, wie lange scheint das her, dieses Vorläufige anhaftete, dieser leicht rußige Flair der dritten Hinterhöfe, dieses Versprechen, jederzeit in ein Abenteuer stolpern zu können. Etwa dreihundert Kinder sind in jeweils ganz eigenen Rollen zu sehen, da ist die mutige Pony, der brave Dienstag, der schlaue Gustav und natürlich der unvorsichtige aber letztlich heldenhafte Emil Tischbein, um nur die größeren Hauptrollen zu nennen. Der wahre Held des Films aber ist Jürgen Vogel, der als Bösewicht Max Grundeis zu zaubern versteht. Der Film hat Tempo und Herz und ein sensationelles Finale, und auch wenn ich bezeugen kann, dass er Kindern gefällt, ist die ganze Wahrheit, dass die Erwachsenen in dieser Vorstellung am lautesten "Ah" und "Oh" gemacht haben.

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