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Kolumne "Mediaplayer":Rothaarige Killerin

"Code Ava" von Tate Taylor, mit Jessica Chastain als Auftragsmörderin, ist neu auf DVD erschienen. Und einige Klassiker aus Deutschland und den USA wurden wieder aufgelegt, darunter der Arbeiterfilm "Kuhle Wampe".

Von Fritz Göttler

Die Griechen sagen, man darf keinen Menschen glücklich preisen vor seinem Ende, das ist die Formel des Films "Code Ava", von Tate Taylor. Die Profikillerin Ava sagt es zu ihrem Opfer, kurz vor dem tödlichen Schuss. Woher kommen Sie, fragt er. Aus Arkansas, sagt sie: Ein Südstaaten-Girl. Sie fragt, ob er wisse, weshalb er umgebracht werden soll... was man nicht tut als ein Profi. In Wirklichkeit kommt sie aus Boston, dort leben ihre Mutter, Geena Davis, und ihre Schwester. Ava war Alkoholikerin, hat zwei Menschen totgefahren, ging zum Militär. Jessica Chastain ist Ava, mit grünen Augen und rotem Haar, John Malkovich ihr Mentor, Colin Farrell der Boss der Killerfirma. Und neben ihm steht schon seine Tochter, drängend, Diane Silvers, die man aus Tate Taylors letztem Film "Ma" kennt. Man darf keinen glücklich rühmen ... der griechische Scheiß, sagt einer. (EuroVideo)

Ein literarischer Rotschopf, die amerikanische Dichterin Emily Dickinson, 1830 bis 1886. Terence Davies, der berühmt wurde mit "Distant Voices, Still Lives", hat ihr Leben verfilmt in "A Quiet Passion", mit Cynthia Nixon als Emily. Dickinson hat zurückgezogen gelebt, nachts geschrieben, zu Lebzeiten nur sehr wenige Gedichte publiziert. Es ist dennoch ein fröhlicher Film, sarkastisch und modern, die Stellung der Frauen, sagt Emily, das sei doch eine Art Sklaverei. Der Bürgerkrieg kommt, Gettysburg, Emilys Krankheit, ihr Verlangen nach Liebe: "We outgrow love, like other things and put it in the drawer..." Die Mitglieder der Familie setzen sich in Pose für eine Fotografie, und während die Filmkamera sich auf sie zubewegt, verwanden sich ihre jüngeren Darsteller in die älteren. Zeit ist eine Kamerafahrt. (Studio Hamburg)

Deutsches Kino. "Kuhle Wampe" ist ein Klassiker von 1932, von Slatan Dudow, am Drehbuch hat Bertolt Brecht mitgearbeitet. Die Arbeitslosigkeit in der Weimarer Republik, ein Junge stürzt sich verzweifelt in den Tod. Seine Schwester wird schwanger, ihr Freund verlobt sich mit ihr, notgedrungen, Herta Thiele und Ernst Busch. Ein Arbeitersportfest. Wenn Thiele und Busch in den Wald gehen, singt Helene Weigel: "Ohne Unterlass fruchtbar ist der Wald, sind die Wiesen, die Felder, und es gebiert die Erde das Neue ohne Vorsicht." Ein Liebesfilm. (Atlas)

Drei Jahrzehnte weiter: "Serenade für zwei Spione", 1965, von Michael Pfleghar, der ein deutscher Tashlin hätte werden können, aber lieber beim TV blieb. Helmut Lange ist Agent 006, er wird nach San Francisco geschickt wegen einer Superwaffe, er reist per Wasserski und ist sehr viel öfter ausgezogen oder in der Badewanne als die Mädchen, die ihm über den Weg laufen, Barbara Lass und Heidelinde Weis, die "Tote von Beverly Hills" aus Pfleghars erstem Film. Pfleghar macht schon mal den amerikanischen Traum kaputt, den Wim Wenders und die anderen eben anfangen zu träumen. Das permanente Oszillieren zwischen Unschuld und Verführung sei das Thema, schrieb Hans Schifferle, als der Film im Münchner Filmmuseum gezeigt wurde. (In der Pfleghar-Edition bei M Square Classics.)

"Der Teufel kam aus Asekava, 1970, von Jess Franco, produziert von Artur Brauner, nach einer Afrika-Geschichte von Edgar Wallace. Ein Genre, das von der Dekonstruktion lebt, wird von Franco noch weiter dekonstruiert. Siegfried Schürenberg, Horst Tappert, Walter Rilla sind dabei, und Blandine Ebinger, die Sängerin der Zwanziger, die 1922 in "Die Mysterien eines Frisiersalons" spielte, an dem Brecht und Karl Valentin mitarbeiteten. Außerdem dabei die Franco-Frauen Ewa Strömberg und Soledad Miranda, die auch in dessen Filmen "Vampyros Lesbos" und "Sie tötete in Ekstase" mitspielten. Miranda starb bei einem Verkehrsunfall 1970, mit 27 Jahren. (Pidax)

Hollywoods tollster Rotschopf: Rhonda Fleming, die am 14. Oktober gestorben ist. Robert Zion hat ein schönes farbiges Buch über sie geschaffen, das ausführlich von ihr erzählt, ohne die leidenschaftliche Faszination durch die Fundiertheit sich abkühlen zulassen. In "Yankee Pasha / In den Kerkern von Marokko" kommt sie erst wie eine Southern Belle daher, dann opulent in einem Harem. Die Queen of Technicolor, grüne Augen, pergamentweiße Haut, flammend rotes Haar. (Pidax)

© SZ vom 02.11.2020
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