Kolumne "Mediaplayer":Donnerpfad

Robert Mitchum als Whiskey- Schmuggler fährt auf der "Thunder Road", Cecile de France entdeckt schamanische Kräfte in "Eine größere Welt", und Clark Gable ist ein besessener Kapitän im Pazifikkrieg inn "U 23 - Tödliche Tiefen".

Von Fritz Göttler

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Ich weiß, was ich will, sagt Lucas zu dem Mädchen, das ihn liebt. Er will die Uhr anhalten, zurück in eine frühere Zeit - aber welche, das kann er nicht sagen. Das Hinterland von Kentucky, der amerikanische Traum läuft leer. "Thunder Road" ist ein kleiner Independent-Film von 1958, Regie Arthur Ripley, produziert von Robert Mitchum in den Fünfzigern. Er spielt Lucas, er hat die Idee ausgegraben und das Buch auf seine Figur zugeschnitten, und den Titelsong hat er selber aufgenommen. Lucas ist ein Whiskeyschmuggler in einem kleinen Kaff, die Alten dort brennen den Whiskey und die Söhne hetzen über die Landstraßen, um ihn nach Tennessee zu bringen, verfolgt von den Beamten der Steuerbehörde. Ein fieser Gangster will nun das Geschäft an sich ziehen, aber nicht mit Mitchum, dem Urbild der amerikanischen Unabhängigkeit. Ich bin sauber, sagt er, " because I don't fix" - weil er sich keinem andient. Seine Freundin singt in einem Nachtclub in Memphis, das traurige Lied vom Whippoorwill, alias Schwarzkehl-Nachtschwalbe, dem Vogel der amerikanischen Poesie, von Mark Twain bis Emily Dickinson, Hank Williams bis Johnny Cash. "My lonely heart cries out for you... the whippoorwill is crying too." (Explosive Media/Koch)

Eine Familiengeschichte, die in Detroit einsetzt: "Suzi Q", eine Dokumentation von Liam Firmager. Über Suzi Quatro, die gewaltige Erfolge hatte in den Siebzigern - "Can the Can", "Devil Gate Drive" -, sie spielt Bassgitarre, ganz in Leder, führt eine Männerband. Eine Frau als "loner", ein "Kind des Sturms", das sich flüchtete aus Detroit nach London. Ein Riss geht durch ihr Leben: dass sie, um die eigene Karriere zu verfolgen, die Band verließ, die sie mit ihren Schwestern bildete. Die Rückkehr, der Erfolg in Amerika will nicht so recht klappen, sie spielt in TV-Serien, schreibt das Musical "Tallulah", über den Hollywoodstar Tallulah Bankhead. Ein Leben, das der Film nicht auf einen Punkt bringen kann und auch Suzi selbst nicht. (good!movies)

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Eine Schwesterngeschichte aus Frankreich, "Eine größere Welt", von Fabienne Berthaud. Corine hat ihren Mann verloren, das bringt ihr Leben aus dem Tritt, sie versaut Aufnahmen in ihrem Beruf, als Tontechnikerin. Man schickt sie in die Steppe, in die Mongolei, dort soll sie Töne für eine Dokumentation nachliefern. Und entdeckt, dass sie schamanische Kräfte besitzt. Erfahrungen in der Trance, zurück in Frankreich begegnet man ihr mit Skepsis, es gibt da eine Tradition: Artaud sagt, man solle Theater wie in Trance erleben... Na danke, dass wir im Irrenhaus enden wie er. Corine muss zurück in die Steppe, Cécile de France spielt sie mit einer wunderbaren Mischung aus Reife und Kindlichkeit, Ludivine Sagnier ist ihre Schwester, voller Sorge aber auch Neugier auf jene größere Welt. (MFA+)

Eine Familie in Aleppo, der umkämpften Stadt im syrischen Bürgerkrieg, "Für Sama" von Waad Al-Kateab und Edward Watts. Belagert, von der Welt angeschnitten, durch immer neue Bombenattacken des Assad-Regimes und seiner russischen Verbündeten zerstört. Waad, ihr Mann Hamza, der ein Krankenhaus leitet, und ihre Tochter Sama harren aus, in all der Verzweiflung und existenziellen Not. Kinder, die ihre Eltern verloren haben, Eltern, die nicht fassen wollen, dass die Kleinen, die sie an sich drücken, nicht mehr am Leben sind. Schreckliche Bilder, die man gesichert, von außen sieht, das macht den voyeuristischen Zwiespalt spürbar, der dem Kino eingeboren ist. Sama heißt Himmel, und von einem freien Himmel träumt Waad, ohne Geschwader. (Filmperlen)

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Kampfgruppen sind die Reste von Familien, die in chinesischen Martial-Arts-Filmen geblieben sind, auch die Frauen haben hier ihren Platz. In "Die Todesgrotten der Shaolin", 1979, dem ersten Film von Tsui Hark, scheint das Kämpfen Nebensache. Am Anfang kommt eine weißgewandete Figur aus der Wüste zurück wie ein Prophet, ein Erlöser, aber es ist nur ein Wissenschaftler, er war Jahre bei fremden Völkern, hat ihre Kulturen und Sitten studiert. Im weiteren geht es dann, eine Mixtur von Agatha Christie und Hitchcock, um Scharen von mörderischen Schmetterlingen, in einem einsamen Schloss in der Provinz. (Cargo)

Ebenfalls aus dem Jahr 1958, ein großes Studioprojekt : Clark Gable als ein U-Boot-Kapitän im Zweiten Weltkrieg, der, besessen wie Kapitän Ahab, einen japanischen Zerstörer im Pazifik jagt, in "U 23 - Tödliche Tiefen", von Robert Wise. Der Krieg schafft neue familiäre Strukturen. Passen Sie auf meinen Mann auf, hatte Gables Frau beim Abschied zärtlich, aber unüberhörbar resigniert zu dessen erstem Offizier gesagt, den Burt Lancaster spielt. Der Originaltitel "Run Silent, Run Deep", spricht von U-Booten wie von erotischen Objekten. (Koch Films)

© SZ vom 12.10.2020
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