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Kolumne "Gehört, gelesen, zitiert":Risiko

James Wood ist einer der bekanntesten Literaturkritiker der englischsprachigen Welt und unterrichtet Literaturkritik in Harvard. Gerade ist unter dem Titel "Serious Noticing" eine Sammlung seiner Essays und Kritiken erschienen. Darin ersetzt er unter anderem die Frage, ob Literatur gut oder schlecht ist, mit einer anderen: Was steht in dem Buch auf dem Spiel? Welches Risiko geht es ein?

"Die generelle Unterstellung lautet, dass Bedeutung verdient werden muss, dass ein Roman oder ein Gedicht das ästhetische Umfeld für seine Bedeutung selbst erst herstellt. Ein Roman, der das Gefühl hervorruft, dass zu wenig auf dem Spiel steht, ist ein Roman, dem es nicht gelungen ist, Argumente für seine eigene Ernsthaftigkeit zu liefern. Schriftsteller mögen den Gedanken des selbst erarbeiteten und des nicht selbst erarbeiteten Risikos. Ein Buch, das sich seine Wirkung nicht selbst erarbeitet hat, verdient keinen Erfolg."

© SZ vom 22.01.2020 / SZ
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