Kolonialverbrechen in Namibia:"Das bleibt eine offene Wunde"

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Von wegen Vergangenheit: Knapp die Hälfe der gesamten Landfläche in Namibia ist privates Eigentum. 70 Prozent davon besitzen immer noch wenige Tausend weiße und überwiegend deutschsprachige Farmer. (Foto: Udo Bernhart/mauritius images)

Als "Schlag ins Gesicht" empfinden viele Nachfahren der Opfer des deutschen Völkermords an den Herero und Nama die gemeinsame Erklärung von Deutschland und Namibia. Ein Interview mit dem Soziologen Henning Melber.

Von Alex Rühle

Mitte Mai haben sich Deutschland und Namibia nach fast sechsjährigen Verhandlungen auf eine "Gemeinsame Erklärung" verständigt, in der die Bundesrepublik nach mehr als 100 Jahren die deutsche Schuld am Völkermord an den Herero und Nama erstmals anerkennt und Wiedergutmachung, aber keine Reparationen verspricht. "Deutschland bittet die Nachkommen der Opfer um Entschuldigung und verneigt sich vor ihnen", heißt es. Und: "Die Regierung und die Bevölkerung Namibias nehmen Deutschlands Entschuldigung an." In den kommenden 30 Jahren sollen 1,1 Milliarden Euro in Wiederaufbau- und Entwicklungsprojekte in die ehemalige deutsche Kolonie fließen. Kurz vor der Unterzeichnung geriet das Ganze dann ins Stocken, weil es in Namibia starke Kritik an der Erklärung gibt. Von einem "Schlag ins Gesicht" für die Nachfahren der Opfer ist die Rede, von mangelnder "Sensibilität" der Deutschen. Warum? Und was passiert jetzt? Fragen an den Politikwissenschaftler und Soziologen Henning Melber, der seit über 40 Jahren zur namibisch-deutschen Geschichte forscht.

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