Kollegah im Gespräch Möglichst hart und authentisch

Kollegah: Vor sieben Jahren etwa, als sich deutscher Gangstarap entwickelte, hat man nicht so sehr drauf geachtet, ob der Rapper technisch versiert ist oder ob seine Musik gut ist. Es ging darum, möglichst hart und authentisch aufzutreten. Die Leute hatten relativ schnell genug davon. Mittlerweile muss man viel mehr bieten.

sueddeutsche.de: Ist Rap intelligenter geworden?

Kollegah: Nein, Rap war schon immer intelligent. Als Hip Hop in den 90ern nach Deutschland kam haben Leute wie Eins Zwo oder die Massiven Töne schon anspruchsvolle und durchdachte Sachen gemacht. Das wiederholt sich jetzt einfach durch Leute wie Casper oder Marteria.

sueddeutsche.de: Viele Studenten hören Ihre Musik. Weil ihnen der jetzige Rap zu harmlos ist, Sie aber intelligente Texte bieten?

Kollegah: Schubladen wie dass jeder Student soften und jeder Hauptschüler harten Rap hört, sind überholt. Wenn man gerne Action- oder Horrorfilme schaut heißt es ja auch nicht, dass man nichts in der Birne hat. Genauso kann man sich als Student harten Rap anhören, wenn einem das besser gefällt.

sueddeutsche.de: Wie erklären Sie sich den Erfolg von Deutschrap dieses Jahr?

Kollegah: Deutschrap ist angesagt, weil er so facettenreich ist wie lange nicht mehr.

sueddeutsche.de: Hat Englisch ausgedient?

Kollegah: Nein komplett verdrängt wird Englisch nicht. Die deutsche Sprache ist da oft zu trocken, ernst und sperrig. Englische Songs sind für die Clubszene besser geeignet.

sueddeutsche.de: Sie studieren an der Universität Mainz Jura. Wie kompatibel ist das Leben eines Zuhälterrappers mit dem eines Jurastudenten?

Kollegah: Nach meiner Rapkarriere möchte ich den nächsten Schritt machen und eine Anwaltskanzlei eröffnen.

sueddeutsche.de: Inwieweit ist Hip-Hop ein Geschäft?

Kollegah: Es fällt auf, dass sich Rapper auf die übelste Art und Weise beleidigen. Kommt aber nach Jahren ein Manager, um ein lukratives gemeinsames Projekt vorzuschlagen, dann ist auf einmal wieder Friede, Freude, Eierkuchen.

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