Sachbuch:Speisekammer der Träume

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Sachbuch: Aleksandra und Daniel Mizielińscy, Natalia Baranowska: alle Welt zu Tisch. Das große Buch vom Essen, Kochen und Schmecken. Aus dem Polnischen von Thomas Weiler. Moritz Verlag, Frankfurt 2021. 112 Seiten, 29 Euro.

Aleksandra und Daniel Mizielińscy, Natalia Baranowska: alle Welt zu Tisch. Das große Buch vom Essen, Kochen und Schmecken. Aus dem Polnischen von Thomas Weiler. Moritz Verlag, Frankfurt 2021. 112 Seiten, 29 Euro.

Ein überbordend illustrierter Band über internationale Essgewohnheiten und Lieblingsgerichte bittet "Alle Welt zu Tisch"

Von Stefan Fischer

Es ist eine sehr theoretische Überlegung, aber sie macht eben doch recht gut deutlich, mit was man es zu tun hat bei dem Buch "Alle Welt zu Tisch". Wer über eine Speisekammer verfügt in den Abmessungen eines Hochregallagers - zugegeben eine extrem unwahrscheinliche Option - und aber nicht möchte, dass es dort aussieht wie bei Ikea, wo man in schlecht ausgeleuchteten Gängen über Kopf ein Billyregal aus einem Stapel zerrt, sich den schweren Karton auf den Fuß schmeißt und wenn der Schmerz abklingt fluchend feststellt, dass es das falsche Modell ist, nämlich das mit dem Eichen- statt dem Eschenfurnier; wenn man so einen Höllenort zuhause partout nicht möchte, sondern stattdessen die Speisekammer seiner Träume: Dann kann man sich auf das Schönste anregen lassen von diesem Band.

Er quillt über vor lauter Zeichnungen von Gemüse, Obst, Fleisch und Getreide, von Gewürzen und Pulvern und Extrakten, von halb zubereiteten und von dampfend fertigen Gerichten. Man weiß gar nicht, wohin man zuerst schauen soll, es ist die pure Überladung. Wenn man seinen Blick dann aber vom großen Ganzen ab- und den einzelnen Lebensmitteln zuwendet, stellt man freudig fest, wie übersichtlich sie dann doch einsortiert sind. In dem Buch herrscht Fülle, aber kein Chaos.

Aleksandra und Daniel Mizielińscy haben diesen Ort der vielen Köstlichkeiten illustriert, an dem man umgehend Lust bekommt, etwas zu kochen und zu essen - und darüber hinaus sehr viele konkrete Anregungen erhält. Sie haben ihre Speisekammer überdies mit Fenstern versehen, so dass man hinausschauen kann auf Märkte und Felder, auch auf ein paar Sehenswürdigkeiten in Ägypten, Japan oder Mexiko und zugleich hinein in etliche Küchen, Bäckereien und Restaurants in Italien, Argentinien und Marokko. Gemeinsam mit Natalia Baranowska haben sie auch akribisch beschrieben, was es da alles zu sehen gibt. Weil niemand all die Knollen und Stängel allein am Aussehen kennen kann, und niemand die vielen Rezepte, um aus diesen Zutaten tatsächlich Speisen zu kreieren.

Gut zwei Dutzend Länder haben sich die Autorin und die Illustratoren ausgesucht, um zumindest einen Überblick zu geben über die kulinarische Vielfalt auf der Welt. Und sie beginnen ihre Reise nicht eurozentristisch vor der eigenen Haustür, also mit dem Bekanntesten, sondern in jener Region, in der die Menschheit den Getreideanbau einst begonnen hat. Der Türkei, Iran und Israel sind die ersten Kapitel gewidmet, von dort geht es weiter über China und nach Südostasien, immer dem Sonnenaufgang entgegen. Europa und Afrika kommen zum Schluss.

Bereits das Beispiel Israel zeigt besonders gut, dass die typische Küche eines jeden Landes sich immer unter dem starken Einfluss anderer Kulturen entwickelt hat. Man lernt schauend sowie hin und her blätternd viel über Unterschiede, aber auch über Gemeinsamkeiten der Ernährung. Und es geht dem Autorentrio nicht um den Thrill exotischer Kuriositäten, sondern um den kulinarischen Alltag in den jeweiligen Ländern. All das ist mit großer Leidenschaft zubereitet. (ab 10 Jahre und Erwachsene)

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