Klimaprotest im Museum:Suppe auf Sonnenblumen

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Klimaprotest im Museum: Hände, die an Wänden kleben: Aktivistinnen am Freitag in der National Gallery in London.

Hände, die an Wänden kleben: Aktivistinnen am Freitag in der National Gallery in London.

(Foto: AFP)

Aktivistinnen attackieren Van Goghs berühmtes Gemälde in der Londoner National Gallery.

Von Jörg Häntzschel

Zwei Aktivistinnen haben in der Londoner National Gallery Van Goghs berühmtes Gemälde "Sonnenblumen" mit Tomatensuppe beworfen. Am Freitagvormittag gegen elf Uhr kippten die beiden jungen Frauen, die T-Shirts der Initiative "Just Stop Oil" trugen, die Suppe aus zwei Dosen über das Bild. Anschließend klebten sie ihre Hände unterhalb des Bilds an die Wand des Saals. Das Bild, das einen Schätzwert von 84 Millionen Euro haben soll, wurde bei der Attacke nicht beschädigt, es ist durch eine Glasscheibe geschützt. Lediglich der Rahmen habe einige Flecken abbekommen, die sich aber leicht beseitigen ließen, so das Museum. Beide wurden von der Polizei abgeführt.

Die Aktivisten von "Just Stop Oil" fordern ein Ende der Öl- und Gasförderung. Bevor die beiden Frauen in der National Gallery festgenommen wurden, deklamierte eine von ihnen denn auch: "Was ist mehr wert, Kunst oder Leben? Ist Kunst mehr wert als Essen, als Gerechtigkeit? Sorgen Sie sich mehr um den Schutz eines Gemäldes oder den Schutz unseres Planeten und der Menschen?"

Aktivisten von "Just Stop Oil" waren schon in mehreren britischen Museen tätig

In den letzten Monaten sind Museen auf der ganzen Welt zum Schauplatz von Klimaprotesten geworden. Fast immer kleben sich die Aktivisten dabei an berühmten Kunstwerken fest. Aktivisten von "Just Stop Oil" waren schon in mehreren britischen Museen tätig, darunter außer der National Gallery auch die Royal Academy und ein Museum in Glasgow. In Italien haben sich Mitglieder der Gruppe "Ultima Generazione" an Werken in den Uffizien, dem Museum del Novecento in Mailand und in den Vatikanischen Museen festgeklebt. Auch in Melbourne gab es eine solche Aktion.

Vertreter der deutschen Bewegung "Letzte Generation" klebten sich im August in der Berliner Gemäldegalerie an Lucas Cranachs "Ruhe auf der Flucht nach Ägypten" und in der Dresdner Gemäldegalerie an die "Sixtinische Madonna". Laut einem Bericht der britischen Zeitung The Observer werden "Just Stop Oil" und "Ultima Generazione" von der Organisation Climate Emergency Fund unterstützt, die 2019 von drei kalifornischen Philanthropen gegründet wurde, darunter der Tochter von Robert Kennedy und der Enkelin des Öl-Tycoons Jean Paul Getty. Der Mann, der im Juni im Pariser Louvre eine Torte auf die "Mona Lisa" geworfen und "Denkt an die Erde!" gerufen hatte, gehörte den beiden Gruppen offenbar nicht an. Auch damals entstand kein nennenswerter Sachschaden.

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