Klassikkonzert:Energisch und mit Feuer

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Die Geigerin Lisa Batiashvili, der Cellist Gautier Capuçon und der Pianist Jean-Yves Thibaudet sind ebenso erfahrene wie begnadete Solisten. In München traten sie nun als Klaviertrio auf - und boten viel mehr als Einzelgängereien.

Von Harald Eggebrecht

Drei furiose Schlüsse mit aller klanglichen Leidenschaft und instrumentalen Feurigkeit, zu der drei Musiker überhaupt entflammen können, in den begeisterten Münchner Herkulessaal geschleudert: Das überraschend pathetische Ende von Dmitri Schostakowitschs erstem Klaviertrio, das er mit 17 Jahren komponierte; die Trillerorgie der Streicher über der wild aufrauschenden Brandung des Klaviers, mit der Maurice Ravels einzigartiges Trio schließt; und die aufstrahlende Schlussapotheose von Felix Mendelssohn-Bartholdys zweitem Trio c-Moll. Die Verve, die immer schwungvolle Artikulation und der wahrlich konzertante Stil, in dem die brillante Geigerin Lisa Batiashvili, der brennend auf die innere Kommunikation des Trios bedachte Cellist Gautier Capuçon und der bei aller klanglichen Vehemenz die Streicher nie zudeckende Pianist Jean-Yves Thibaudet sich lustvoll in die enorme Verschiedenheit dieser drei Stücke stürzten, riss das Publikum mit und hin.

Das Klaviertrio braucht beides, solistisches Auftreten ebenso wie kammermusikalischen Geist. Das heißt, bei allem Solistenglanz gilt es dennoch, über die einzelne Stimme, wie emanzipiert sie auch immer sei, hinauszukommen, um aus drei Einzelkämpfern ein Ensemble zu schaffen. Beim Klaviertrio gibt es noch ein verschärftes Problem, die Klangbalance. Zu Zeiten des Hammerklaviers und anderer Vorläufer des modernen Flügels war die Kluft zwischen Streichern und Tasteninstrument relativ leicht zu überbrücken. Das ist jetzt durchaus schwieriger. Doch wenn man über einen so weich konturierten wie dennoch glanzvollen Anschlag verfügt wie Jean-Yves Thibaudet, dann haben Violine und Violoncello eine reelle Chance, gleichsam zu überleben. Bei vielen sonst für ein Konzert aus Solisten zusammengestellten Trios hingegen beschleicht einen manchmal der Gedanke an François Truffauts Film "Erschießen Sie den Pianisten!".

Natürlich kann ein eingeschworenes, über Jahre zusammengewachsenes Team, wie es einst das in seiner Art einmalige Beaux Arts Trio gewesen ist, zu höheren Graden der Verdichtung und Verschmelzung, des Aufeinanderhörens, des gemeinsamen Phrasierens und Gestaltens kommen, als eine Formation, die sich für eine Reihe von Konzerten zusammentut und dann wieder ihrer solistischen Einzelwege geht. Doch Lisa Batiashvilis wunderbar klare und dort, wo gebraucht, manchmal geradezu jubelnde Tongebung, ihre marottenfreie Natürlichkeit und ihre geradlinige Spielfreude passten bestens zu Thibaudets kammermusikalischer Inspiriertheit. Dazu Gautier Capuçon, dessen hingebungsvolle Aufmerksamkeit auf seine Mitspieler sich unmittelbar übertrug - man hatte den Eindruck, dass er Ravels Trio auswendig spielte, so sehr war er auf die Nuancen und Valeurs der Mitspieler konzentriert, um es ihnen gleichzutun und so den Gesamtklang so zartfühlend wie kraftvoll abzurunden. Schon der erste Einsatz bei Schostakowitschs Jugendwerk war so gespannt und erwartungsvoll gestaltet, dass sich ein großer Abend ankündigte. Die drei werden das Triofest, das sie in München feierten, in anderen Städten gewiss triumphal fortsetzen.

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