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Klassik:Von Purcell zu Led Zeppelin

Das Duo Darshan überzeugt bei der Residenzwoche

Es war ein Höhepunkt der diesjährigen Residenzwoche, der zum Thema "Europa in der Residenz" perfekt passte: das Nachtkonzert des Duo Darshan mit der Sopranistin Alice Duport-Percier und Benôit Fallai an Theorbe und Gitarre. Das Besondere an diesen pausenlosen anderthalb Stunden in drei Sprachen im Antiquarium der Residenz war aber nicht nur wunderbare, exzellent dargebotene französische und italienische Musik des 17. Jahrhunderts, sondern ihre Verschmelzung mit französischem Chansons der 1960er Jahre eines Georges Brassens und Michel Legrand, mit Gerhwins "Summertime" oder "Hit the road jack" von Ray Charles.

Gleich zu Beginn folgte auf Purcell nahtlos das legendäre "Stairway to heaven" von Led Zeppelin und schlug faszinierend eine Brücke über mehrere Jahrhunderte, ohne dass irgendein Bruch zu hören war. Zwischendurch wechselte Fallai vor allem für einen Block mit lateinamerikanischer Musik eines Pixinguinha, Antonio Carlos Jobim oder Jorge Ben Jor zur Gitarre und zwischen den vielen antiken Statuen in diesem herrlich klingenden, bedeutsamsten Profanbau der Renaissance nördlich der Alpen war eine Musik zu hören, wie es sie hier noch nie gab. Kein einziges Stück des 20. Jahrhunderts wirkte als Fremdkörper dank der exquisiten, fein timbrierten Stimme von Alice Duport-Percier, die exzellent artikulieren und dabei vielfältigste Stilistiken miteinander verschmelzen konnte, sowie der noblen, immer präsenten, oftmals frei improvisierenden Begleitung durch Theorbe oder Gitarre.

Zum 400. Geburtstag von Barbara Strozzi (1619-1677), der ersten berühmt gewordenen Komponistin der Musikgeschichte und eine ihrer bedeutendsten, gab es drei große Arien zu hören, denn in den acht Sammlungen, die sie veröffentlichte, sind unter insgesamt 125 Einzelstücken wahre Perlen. Nicht ohne Grund haben sowohl Claudio Monteverdi wie sein Schüler Francesco Cavalli Barbara Strozzi sehr geschätzt, weshalb sie in der von ihrem Adoptivvater Giulio Strozzi gegründeten "Accademia degli Unisoni" in Venedig unter all den männlichen Gelehrten disputieren und Kompositionen präsentieren durfte. "E giungerà pur mai", "L'eraclito amoroso" und "che si puo fare" boten ein weites, expressives Spektrum, bei dem es nur einen Wermutstropfen gab: dass man, wie auch bei den französischen und spanischen Stücken, ohne Übersetzungen die Feinheiten der Vertonungen leider nicht nachvollziehen konnte.

Schon tags zuvor beim von Uta Piereth und Christian Quaeitzsch ebenso kompetent wie launig moderierten nächtlichen Wandelkonzert vom Antiquarium bis zu Schlafzimmer und sogenanntem "Herzkabinett" der Kurfürstin Henriette Adelaide von Bayern (1636-1676) waren einige der Stücke mit dem Duo Darshan das erste Mal zu hören. Es begann auf der Musiker-Empore des Antiquarium mit John Dowlands "Flow my tears" und zwei Arien von Barbara Strozzi und reichte bis zu den großen französischen "Airs de Cour" eines Michel Lambert oder Sebastien Le Camus. Eingeführt in höfisches Denken und Fühlen und das Bildprogramm an Decke und Wänden betrachtend, wirkte diese Musik in den intimen barocken Räumen ganz anders und unmittelbarer, als in einem neutralen Saal.

Ebenfalls im Antiquarium gab es zum Finale der Residenzwoche ein Konzert des Bayerischen Jugend-Barockorchesters, beginnend mit Henry Purcells Suite zu "Abdelazar", aus der Benjamin Britten das bekannte Thema seines "Young Person's Guide to the Orchestra" entlehnte, und endete mit einem aufgekratzten Tanz aus Jean-Philippe Rameaus Ballettoper "Les indes galantes". Dazwischen offenbarten die Passacaglia aus dem "Concerto pastorale" von Johann Christoph Pez und Ignaz Franz Bibers dritte Suite aus "Mensa sonora" ebenso farbige komponierte wie gespielte barocke Instrumentalmusik, die das hohe Niveau des Jugendorchesters in jedem Satz bewies. Denn das 20-köpfige, überwiegend weiblich besetzte Ensemble besticht nicht nur durch eine wache, ungemein spontane Musizierhaltung, sondern auch bereits durch technische Präzision. Hinzu kommen Geschmeidigkeit von Phrasierung und Artikulation und ein Gespür wohl jedes Einzelnen für den Klang des Ganzen.