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Klassik:Hengelbrock brüskiert

Der Chefdirigent der Hamburger Elbphilharmonie Thomas Hengelbrock geht früher als geplant und schmeißt schon Ende der laufenden Saison, im Sommer 2018, hin. Davor kritisiert er nochmal die Akustik in der Elphilharmonie.

Von Helmut Mauró

Der Chef des NDR-Elbphilharmonieorchesters Thomas Hengelbrock geht früher als geplant. Am 11. Januar dieses Jahres stand ihm die Freude über die neue Elbphilharmonie noch ins Gesicht geschrieben. Beim Eröffnungskonzert dirigierte er Großes von Wagner und Brahms, genoss die Bedeutung des Augenblicks. Einst hatte er sich als Leiter des Balthasar-Neumann-Chores einen Namen gemacht, war dann 2011 zum Chef des NDR-Symphonieorchesters berufen worden, und nun stand er vor dem neu getauften NDR-Elbphilharmonie-Orchester in diesem wunderbaren Saal. Doch anders als die Prominenz, die "ganz berührt" und "beseelt" war, spotteten die Kritiker: Klang schlecht, Dirigat mangelhaft, Orchester geht so. Weltklasse gehe anders, schrieb Die Welt, der Hengelbrock nun ein Interview gab, das sich als wütenden Abschied geriert.

Dabei war schon lange klar, dass man das Renommee des Hauses nicht aufs Spiel setzen würde, um Hengelbrock zu halten. Der hatte nach eigener Aussage schon vor Ende der letzten Saison bekannt gegeben, dass er seinen Vertrag über 2019 hinaus nicht verlängern werde. Der NDR habe dies dann im Juni dieses Jahres publik gemacht und noch in derselben Woche den frisch zurückgetretenen Chef der New Yorker Philharmoniker, Alan Gilbert, präsentiert. Dies habe einen falschen Zungenschlag in die Sache gebracht, sodass Hengelbrock nun beschloss, schon Ende der laufenden Saison, im Sommer 2018, aufzuhören.

Ganz offensichtlich geht es ihm nun darum, sein Gesicht und damit auch seinen Marktwert nicht zu verlieren. Deshalb verwundert es nicht, dass er nun sowohl die Akustik der Elbphilharmonie als mitunter problematisch bezeichnet wie auch die Qualität des Orchesters, das seiner Meinung nach nicht genügend Eigeninitiative ergriffen habe, um sich zum Beispiel durch regelmäßiges Proben in kleinen Gruppen zu verbessern. Von Seiten des NDR war am Sonntag keine Stellungnahme zu bekommen.

© SZ vom 11.12.2017
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