Neu in Kino & Streaming:Welche Filme sich lohnen – und welche nicht

Lesezeit: 3 min

Ivo (Minna Wündrich) kommt in ihrem Job an ihre Grenzen: Szene aus "Ivo". (Foto: Piffl Medien GmbH)

In „The Bikeriders“ platzen amerikanische Träume. Und in „Ivo“ macht Minna Wündrich als Palliativpflegerin das Schwere leicht. Die Starts der Woche in Kürze.

Von Doris Kuhn, Anke Sterneborg, Fritz Göttler, Susan Vahabzadeh, Josef Grübl, Sofia Glasl

2Unbreakable

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Doris Kuhn: Wie das Leben eine Richtung annimmt, bestimmt vom Sport, erfährt man in Maike Conways Dokumentation. Sie porträtiert zwei Breakdancer, einen Mann, eine Frau, die beide jung anfingen und inzwischen für die Olympiade trainieren. Sie zeigt, welchen Einfluss das auf deren Alltag hat, die Wettkämpfe, den Umgang mit Sieg oder Niederlage. Am Ende hat man tolles Breaking gesehen, aber auch eine Ahnung bekommen, wie viel Kraft es fordert – und wie viel es zurückgibt.

Ein neues Leben

Anis Lassoued webt ein Geflecht widersprüchlicher Gefühle und nachvollziehbarer Interessen. (Foto: Landfilm)

Anke Sterneborg: Nach dem Erwachen aus der Narkose nach einer Unfallverletzung, hat sich das Leben des 12-jährigen Gadeha märchenhaft verändert. Plötzlich lebt er mit Mutter und Schwester in einer besseren Gegend, im eigenen Haus, in dem sie von der Familie des gleichaltrigen Oussama mit Liebesbekundungen und Großzügigkeit überschüttet werden. Doch Gadeha spürt, irgendetwas stimmt da nicht, aufmerksam und zunehmend misstrauisch beobachtet er sein Umfeld, bis sich ein furchtbarer Verdacht regt. Mit dokumentarischem Gespür webt der tunesische Regisseur Anis Lassoued in seinem Spielfilmdebüt ein Geflecht widersprüchlicher Gefühle und nachvollziehbarer Interessen, das ein wenig unter der hölzernen Synchronisation leidet.

Bread & Roses

Nach der Machtübernahme durch die Taliban geht der Kampf für die Freiheit weiter. (Foto: Apple TV+)

Susan Vahabzadeh: Drei Frauen führen ein eindringliches Videotagebuch nach dem Fall von Kabul. Eine ist Zahnärztin, eine arbeitet in einer Behörde, eine setzt sich für Frauenrechte ein. Nach der Machtübernahme durch die Taliban geht der Kampf für die Freiheit weiter, aber das Leben der drei verwandelt sich zunehmend in Hausarrest. Den Dokumentarfilm von Sahra Mani hat Jennifer Lawrence zusammen mit der pakistanischen Nobelpreisträgerin und Aktivistin Malala Yousafzai produziert – damit wir, überwältigt von Krisen über Krisen, die Frauen in Afghanistan nicht vergessen.

Eternal You

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Josef Grübl: Wer früher stirbt, ist länger tot, das war einmal. Wer heute stirbt, ist länger da. Oder für immer. Unsterblichkeit lautet das Versprechen findiger Tech-Unternehmen, sie bieten Chats mit Toten an oder digitale Klone verstorbener Familienmitglieder. Das ist verblüffend und verstörend zugleich, aber keine Zukunftsmusik: Hans Block und Moritz Riesewieck schauen sich in diesem spannenden Dokumentarfilm an, wie sich unser Umgang mit dem Tod verändert hat, welche Angebote es bereits gibt und welche Folgen es hat, wenn die Toten nicht mehr gehen wollen.

Hardcore Never Dies

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Pascal Moser: Der 17-jährige Michael liebt Musik und arbeitet an einer Karriere als Pianist. Tags arbeitet und übt er und liest Nietzsches Beethoven-Kommentare, nachts tanzt er oberkörperfrei in Technoclubs. Aber das Gleichgewicht zwischen Beethoven und Party hält sich nicht lange, Michael lässt sich von seinem zynischen Bruder Danny zu illegalen Geschäften überreden – die beiden verteufeln fortan gemeinsam die Arbeitsgesellschaft. Jim Taihuttu scheint mit dieser Lebensphilosophie sehr einverstanden, zeigt bei allem Hedonismus-Pathos aber, wohin es führen kann, wenn Techno und Absturz mehr und mehr zum Lebensinhalt werden. 

Ivo

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Sofia Glasl: Ein kleines Wunder ist der Filmemacherin Eva Trobisch mit ihrer zweiten Arbeit gelungen: „Ivo“ ist ein urbanes Roadmovie über die Sterblichkeit, voller Leben und Schmerz, Alltäglichem und Kuriosem. Als ambulante Palliativpflegerin macht Protagonistin Ivo im Ruhrgebiet täglich Hausbesuche. Für kurze Zeit kommt sie den Menschen sehr nah und muss die Grenzen zwischen Persönlichem und Professionalität immer wieder neu ausloten, selbst als eine schwer kranke Freundin sie um Sterbehilfe bittet. Hauptdarstellerin Minna Wündrich ist das Herz dieses Films. Vor allem in den schweren Momenten nimmt sie mit ihrer verbindlichen und nahbaren Art wuchtigen Begriffen wie Leben und Tod das Abstrakte und Sterile.

Sting

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Doris Kuhn: Aus dem Weltall kommt eine kleine Spinne daher geschossen, die in einem schäbigen Mietshaus landet. Eine 12-Jährige freundet sich mit ihr an, aber die Spinne wächst und wird lüstern auf Fleisch. Der Rest ist Genre-Mechanik, die Kiah Roache-Turner mäßig blutig hält. Das macht die Spannung nicht größer, aber die Hausbewohner sorgen für Exzentrik, die Kameraarbeit für dubiose Stimmung. Man kann sich schön sanft gruseln, ohne gleich ein Tierhorror-Trauma davonzutragen.

The Bikeriders

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Fritz Göttler: „The Vandals“ nennen sich die Leute des Motorradclubs von Chicago mit naiver Unbekümmertheit – die Geburt der Biker aus dem amerikanischen Kleinbürgertum. Es ist Mitte der Sechziger, etwa zehn Jahre nachdem Marlon Brando als „The Wild One“ über die Leinwand knatterte. Die Reinheit ihrer Action wird bedroht durch die neuen Mitglieder, mit denen kommen Mord, Rauschgifthandel und Prostitution ins Spiel. Tom Hardy ist der jugendliche Patriarch der Gang, Austin Butler als Thronfolger vorgesehen. Jeff Nichols macht weiterhin schöne, traurige Filme über das Ende amerikanischer Träume und Traditionen, dieser ist inspiriert von einem berühmten Biker-Fotobuch und wird erzählt von einer der Frauen der Gang, gespielt von der wunderbaren Jodie Comer.

Was uns hält

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Josef Grübl: Je größer eine Liebe, sagt Aldo, desto größer sei die Chance des Betrugs. So erklärt der wortgewandte Literaturkritiker auch seine Affäre mit einer Jüngeren, seine Frau Vanda und die beiden Kinder verlässt er. Doch die Liebe ist größer, Aldo kehrt zurück, 30 Jahre später sind Vanda und er immer noch ein Paar. Der Italiener Daniele Luchetti hat die Literaturvorlage seines Landsmanns Domenico Starnone filmisch verschachtelt, er arbeitet mit Abrechnungen, Auslassungen und Zeitsprüngen. Die Spuren, die dieser Betrug hinterlassen hat, macht er trotzdem sichtbar – womöglich sogar ein bisschen zu deutlich.

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