Süddeutsche Zeitung

Kinocharts in der Pandemie:Glücklich dank Godzilla

Die Angst war groß, aber unbegründet: Trotz Pandemie, Sommer und EM gehen viele Menschen in die wieder eröffneten Kinos.

Von David Steinitz

Nachdem am 1. Juli die meisten Kinos bundesweit wieder geöffnet haben und nach langer Durststrecke auch jede Menge neue Filme anliefen, ist die deutsche Filmbranche: sehr erleichtert.

Denn die Besucherzahlen am ersten Juliwochenende waren gut. Natürlich nicht so gut wie unter Normalbedingungen, aber dafür, dass Pandemie, Sommer und Fußballeuropameisterschaft ist, könnte man sogar sagen, dass sie sehr gut waren. Mehr als 800 000 Zuschauer gingen laut dem Branchendienst Comscore von Donnerstag bis Sonntag ins Kino. Das ist bei den bestehenden Hygieneauflagen, unter denen die Kinos in manchen Bundesländern teils nur mit einer Auslastung von 25 Prozent spielen dürfen, ein Erfolg - und deutlich mehr als im Pandemiejuli 2020.

Vier Filme erreichten jeweils sechsstellige Besucherzahlen. An der Spitze der deutschen Kinostarts steht laut Blickpunkt Film der Monsterblockbuster "Godzilla vs. Kong", der in 412 Kinos knapp 135 000 Besucher anlockte, was einem Umsatz von 1,25 Millionen Euro entspricht. Auf Platz zwei steht der Horrorfilm "Conjuring 3", auf Platz drei der Familienfilm "Peter Hase 2".

"Besser hätten wir uns die Öffnung der Kinos kaum vorstellen können."

Auch eine deutsche Produktion hat ein gutes Ergebnis und steht mit 100 000 verkauften Eintrittskarten auf Platz vier der Wochenstarts: der neue Otto-Film "Catweazle", ein Remake der gleichnamigen britischen TV-Serie aus den Siebzigerjahren. Der Oscar-Gewinner "Nomadland", der in einigen Kinos schon im Juni startete, steht bei etwa 40 000 Zuschauern. Ein solides Ergebnis für einen Arthouse-Film - für die Menge an Oscars, die er gewonnen hat, aber doch noch ausbaufähig.

Insgesamt starteten etwa zwei Dutzend neue Filme in den deutschen Kinos, so viele wie lange nicht mehr. Die Strategie, die Zuschauer mit möglichst viel neuer Ware anzulocken, scheint aufzugehen. In den Wochen vor den Wiedereröffnungen hatten die Kino- und Verleihverbände noch bitter geklagt über die rigorosen Auflagen und die Unfähigkeit der Politik, vernünftige Öffnungsperspektiven anzubieten. Nach diesem ersten Wochenende sind aber auch die Verbandschefs ausnahmsweise mal zufrieden. "Besser hätten wir uns die Öffnung der Kinos kaum vorstellen können", sagte der Vorstandsvorsitzende der AG Kino, Christian Bräuer, zu den Zahlen. Und Johannes Klingsporn, Geschäftsführer des Verbands der Filmverleiher: "Ein Startwochenende mit allein vier Filmen im sechsstelligen Zuschauerbereich hätten wir nicht erwartet." Zumindest vorerst also: ein kleines Zwischen-Happy-End für die Kinos.

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