Kinofilm über Romy Schneider Bäumers Traurigkeit ist völlig angebracht

Zeitweise könnte man denken, dass hier die Boulevardpresse verteufelt werden soll, die Schneider nur für oberflächliche Schlagzeilen ausnutzen will, während mit Hilde eine intime Kindheitsfreundin aufgeboten wird, welche die berühmte Schauspielerin wirklich versteht. Aber Atef macht die Sache komplizierter. Der Journalist mutmaßt, dass auch Hilde sich nur aus egoistischen Gründen an ihre Freundin hängt, da sonst ihre eigene Existenz zu unbedeutend wäre. Was sich zynisch anhört, verbirgt eine eigentümliche Wahrheit. Der Journalist feilt trotz aller Gemeinheit mit an der großen Legende, während Hilde Romys Berühmtheit ausnutzt, um drei Tage Luxusleben zu haben. Die Tragik Romys liegt in dieser Dialektik: Wer sie aussaugt, stützt sie; und wer sie stützt, saugt sie auch aus.

In cinephiler Hinsicht vergreift sich der Mann vom Stern dann allerdings wirklich im Ton. Denn er reduziert Schneider auf die eine Rolle, mit der sie in den Fünfzigerjahren ihren Durchbruch hatte und für die sie bis heute in Deutschland hauptsächlich bekannt ist: auf die Kaiserin in der "Sissi"-Trilogie, diesem kolossal-kitschigen Heimatfilmmonster. Leider bleibt die Sissi auch bei Atef die Hauptidentifikationsrolle für Schneider, sodass man sich fragt, ob man diesen Film, der sich ja auch an ein deutschsprachiges Publikum wendet, nicht dazu hätte nutzen können, um in dieser Hinsicht Aufklärungsarbeit zu leisten.

Fotografie Bilder voll trauriger Bitterkeit Bilder
Ausstellung "1968" in Wolfsburg

Bilder voll trauriger Bitterkeit

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Schneider hatte sich nach ihrem "Sissi"-Erfolg in den damals noch eher unbekannten Alain Delon verliebt und ging mit ihm nach Frankreich, wo sie mehr und mehr als Filmkünstlerin anerkannt wurde. Sie hat mit Regisseuren wie Luchino Visconti, Orson Welles, Claude Chabrol und Claude Sautet gearbeitet, was hier aber kaum eine Rolle spielt.

Aber Atef versucht eben weniger, das offizielle Bild der Ikone zu korrigieren, als ein intimes Porträt von ihr zu zeichnen, zu einem ganz bestimmten Zeitpunkt ihres Lebens mit Marie Bäumer als Modell. Der zentrale Porträtierende ist hier Romys alter Freund, der Fotojournalist Robert Lebeck (Charly Hübner), der sie in diesen drei Tagen in Quiberon in jeder nur denkbaren Situation ablichtet. Das erinnert auch an den Dokumentarfilm "Romy - Portrait eines Gesichts" von Hans-Jürgen Syberberg, 1966 entstanden, ebenfalls während dreier Tage, beim Skiurlaub in Kitzbühel. Damals noch mit der echten Romy.

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Emily Atef im Porträt

Spezialeinsatz

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1981 sollte für Schneider noch viele Katastrophen bringen, ein knappes Jahr später starb sie

Aber Marie Bäumer, die wie Schneider in Frankreich wohnt und äußerlich oft mit ihr verglichen wurde, macht ihre Sache auch ziemlich gut. Nicht, dass es per se etwas Erbauliches hätte, einer Schauspielerin von heute dabei zuzuschauen, wie sie einen legendären Filmstar der Vergangenheit verkörpert. Wenn die Vertreter der Gegenwart hinter einem vergangenen Glanz herrennen, der doch nicht mehr einzuholen ist, wirkt das oft traurig. Aber diese Traurigkeit ist hier völlig angemessen. Denn Schneider war damals ein trauriger Star, der eigentlich längst keiner mehr sein wollte. 1981 sollte für sie noch ein Katastrophenjahr werden, nur ein knappes Jahr später ist sie gestorben. Die Entgiftung ist ihr in Quiberon nicht mehr gelungen.

3 Tage in Quiberon, D/AUT/ FRA, 2018 - Regie und Buch: Emily Atef. Kamera: Thomas Kiennast. Mit Marie Bäumer, Birgit Minichmayr, Charly Hübner, Robert Gwisdek. Prokino/Fox, 115 Minuten.

Romy Schneider Meine Zeit mit Romy

Drei Tage mit Romy Schneider

Meine Zeit mit Romy

Im März 1981 gab Romy Schneider dem Reporter Michael Jürgs ihr letztes großes Interview. Er erinnert sich für uns an die bewegenden Tage in der Bretagne. Und erzählt, wie es wirklich war.   Von Michael Jürgs