Kinocharts Fließbandblues in Hollywood

Sophie Turner in "Dark Phoenix".

(Foto: AP/Fox)

"X-Men: Dark Phoenix" ist ein ziemlicher Flop. Droht eine Superheldendämmerung?

Von David Steinitz

Die Mitgift zu einer 71-Milliarden-Dollar-Hochzeit hatte man sich bei Disney vermutlich anders vorgestellt. Als das Studio letztes Jahr große Teile des Hollywood-Konkurrenten Fox schluckte, waren ein wichtiges Argument für den Deal die Superhelden "X-Men". Sie gehören zum Comic-Imperium des Marvel-Verlags, der mittlerweile ebenfalls Disney gehört, die Filmrechte aber Jahre zuvor an Fox sublizenziert hatte. Fox macht seit bald zwanzig Jahren sehr viel Geld mit den "X-Men", die in bislang elf Filmen allesamt solide bis sehr erfolgreich an der Kinokasse waren. Nun startete letzte Woche der zwölfte Teil, "Dark Phoenix", der noch unter Fox produziert, nun aber unter Disney-Herrschaft ausgewertet wurde - und erweist sich als brutaler Flop.

Allein in den USA legte er den schlechtesten Start der Reihe hin, weltweit hat er bislang insgesamt knapp 140 Millionen Dollar eingespielt. Was viel klingt, sind im internationalen Filmgeschäft, wo Blockbuster vor allem in den ersten sieben Tagen der Kinoauswertung ihr Geschäft machen müssen, bevor die Zuschauerzahlen rapide absacken, Peanuts. Allein das Budget von "Dark Phoenix" betrug laut Variety stolze 200 Millionen Dollar, hinzu kommen noch mal ein paar Hundert Millionen an weltweiten Marketingkosten. Experten prophezeien dem Branchenmagazin, dass der Film Disney einen Verlust im Bereich von gut 100 Millionen Dollar bescheren könnte.

Unter den zehn erfolgreichsten Filmen aller Zeiten befinden sich allein fünf Marvel-Filme

Dass unter all den Superheldenfilmen ausgerechnet dieser nicht bei den Zuschauern ankommt, erscheint zwar ein bisschen zufällig, denn sonderlich anders als die andere Heldenfließbandware aus Hollywood sieht er nicht aus. Andererseits hatten sich schon lange vor dem Start die Zeichen gemehrt, dass man sich bei Fox selbst über die Qualität nicht ganz sicher war. Der Film, das Kinoregiedebüt des Drehbuchautors und Produzenten Simon Kinberg, der bereits zuvor an der Reihe mitgearbeitet hat, wurde bereits vor zwei Jahren abgedreht, der Start aber immer wieder verschoben. Ähnlich geht es einem anderen "X-Men"-Projekt, das noch im Fox-Lager auf seine Auswertung durch Disney-Ägide wartet. Der Film "New Mutants" spielt ebenfalls im Universum der "X-Men", ist ebenfalls längst abgedreht (inklusive diverser Nachdrehs und Umschneidearbeiten, wie Variety berichtet), aber der Start wird immer wieder verschoben. Zuletzt wurde er von diesem Jahr aufs nächste Frühjahr terminiert und könnte sich als weiteres faules Ei erweisen, das Disney sich mit dem Fox-Deal eingekauft hat. In Hollywood wird deshalb diskutiert, ob der "Dark Phoenix"-Flop der Anfang vom Ende des Superheldenhypes sein könnte. Sind die Zuschauer nach über einem Jahrzehnt der Dauerheldenschleife müde geworden? Schaut man auf die Kinocharts, sieht es allerdings noch lange nicht so aus. In der Liste der erfolgreichsten Filme aller Zeiten, weltweit wohlgemerkt, stehen mittlerweile fünf Marvel-Filme aus den letzten sieben Jahren. Und die letzte Disney-Marvel-Produktion "Avengers: Endgame", aktuell Platz zwei im Ranking, pirscht sich mit einem bisherigen Einspielergebnis von 2,73 Milliarden Dollar schon gefährlich nah an den bislang erfolgreichsten Film aller Zeiten heran: "Avatar". James Camerons Hit aus dem Jahr 2009 hatte damals ein Einspielergebnis von 2,79 Milliarden Dollar.