Kino Wisch und weg

Veronica Ferres als gescheiterte Schlagerdiva, die putzen geht - der Film zum Buch "Unter deutschen Betten" soll 2017 ins Kino kommen. Die Dreharbeiten im Münchner Süden zeigen schon jetzt: Die Frauenkomödie wird ein Buddy-Movie mit Busenwitzen

Von Josef Grübl

Blusen und Busen gehören in der deutschen Schlagerszene fest zusammen, das war schon immer so. Vor vierzig Jahren hatte Bata Illic Erfolg mit seinem Lied "Ich möcht' der Knopf an deiner Bluse sein". Mit so einer chauvinistischen Nummer käme er heute nicht mehr durch, das Thema selbst ist aber nach wie vor präsent. Nur dass es jetzt eben in Frauenhand ist, genauer gesagt in den Fingern einer Schauspielerin: Veronica Ferres schlüpft in ihrem neuen Film "Unter deutschen Betten" in die Rolle einer Schlagerdiva mit überschaubarem Talent und unübersehbarem Dekolleté. Als ihr Mann sie verlässt, muss sie putzen gehen - den Knopf an ihrer Bluse sprengt sie dabei mit reiner Busenkraft.

Bei den Dreharbeiten südlich von München führt Ferres das mehrmals vor, immer wieder lässt sie den Druckknopf an ihrer Jeansbluse aufspringen. Was sie damit sagen will? Weibliche Reize sind wichtig, Solidarität unter Frauen auch, auf Männer kann dagegen schon einmal verzichtet werden. Der Film ist die weibliche Variante eines Buddy-Movies, er basiert auf dem Sachbuch der Polin Justyna Polanska, die mit Hilfe des Ghostwriters Holger Schlageter über ihre Zeit als Reinigungsfachkraft in deutschen Haushalten berichtete. Vor der Kamera stehen Frauen, dahinter auch: Produziert wird der Film von Ferres' Geschäftspartnerin Nina Maag. Gemeinsam leiten die beiden eine Produktionsfirma in München, mit "Unter deutschen Betten" will Ferres ihr Comeback auf der großen Leinwand einläuten.

Dafür legt sie sich mächtig ins Zeug, in einer Pause holt die 51-Jährige ihr Handy heraus und wischt zwischen Bildern hin und her, auf denen sie von einer Show-Rakete stürzt oder in einer Hundeklappe feststeckt. "Ich wurde oft als Drama-Queen kritisiert", sagt sie, "da macht es natürlich noch mehr Spaß, so eine Rolle zu spielen." Der TV-Star gibt sich entspannt, steht aber unter Druck: Der Film wird über ihren Namen verkauft, sie ist in beinahe jeder Szene zu sehen. Es ist der achtundzwanzigste von zweiunddreißig Drehtagen, gleich im Anschluss wird sie nach Toronto zum Filmfestival fliegen, um ihre internationale Karriere anzuschieben.

Als Ferres zurück vor die Kamera muss, zeigt Maag auf ihrem Computer ein Video, in dem ihre Hauptdarstellerin aus vollem Halse singt und dabei irgendwo zwischen Michelle und Lena Valaitis landet. "Wir haben lange überlegt, wie wir Veronicas Kino-Comeback positionieren sollen", erzählt die Produzentin. Sie kennt die Branche genau, bevor sie nach München kam, arbeitete sie für Til Schweiger und Nico Hofmann. Sie weiß auch, wie unberechenbar das Publikum ist. Also beschlossen die beiden Frauen, das zu machen, was im deutschen Kino immer noch am besten funktioniert: eine Komödie. Eine Erfolgsgarantie ist das aber noch lange nicht, vor allem in diesem Jahr gab es reihenweise peinliche Flops. Eine Grundregel für Komödienschauspieler lautet, dass sie sich nie zu ernst nehmen dürfen. Egal, ob "Fack ju Göhte", "Der geilste Tag" oder eine der vielen Til-Schweiger-Komödien: Deren Helden stolpern von einem Fettnapf in den nächsten, ohne Häme und Fremdscham geht heute kaum noch etwas. Dafür dürfen Stars wie Elyas M'Barek oder Matthias Schweighöfer auf eine treue Fangemeinde zählen, ihre Filme erreichen ein Millionenpublikum.

Bei den weiblichen Stars ist das etwas schwieriger, angehimmelt werden eben vor allem die Männer. Karoline Herfurth oder Katja Riemann haben zwar ebenfalls viele Verehrer und waren in vielen Hits dabei, ihr Name allein zieht die Zuschauer aber nicht unbedingt ins Kino. Auch Veronica Ferres sollte nicht nur auf ihren hohen Bekanntheitsgrad bauen: Ihre Kinohits "Rossini", "Schtonk" und "Das Superweib" liegen schon mehr als zwanzig Jahre zurück, danach war sie überwiegend im Fernsehen zu sehen. Dass sich die Zeiten geändert haben, ist ihr bewusst: "Du bist fünf Kilo zu schwer und zwanzig Jahre zu alt", sagt jemand im Film zu ihr, der Satz soll ihre Fähigkeit zur Selbstironie unterstreichen. Auch beim Set-Termin in einer im typischen Neureichen-Schick eingerichteten Villa in Straßlach gehen die Scherze auf ihre Kosten: Zunächst muss sie unter der Anleitung von Regisseur Jan Fehse ihren Kopf in einen Mülleimer voller benutzter Damenbinden stecken, später darf sie sich von einer zickigen Hausbesitzerin zur Sau machen lassen. Es ist zwar nur eine Nebenrolle, dennoch konnte Monika Gruber dafür gewonnen werden. Kurz vor ihrem Auftritt steckt der Bayern liebste Kabarettistin noch in einem Jogginganzug und jammert über die Schlankmacher-Unterhose, die sie tragen muss. Ansonsten dürfe sie "bös' und schiach" sein, das sei doch ein Traum, sagt sie lachend.

Große Stars in kleinen Rollen gehören zum Konzept, neben Monika Gruber stehen auch Heiner Lauterbach, Milan Peschel und Simon Schwarz auf der Besetzungsliste. Gedreht wird mit mehreren Kameras gleichzeitig, alles soll möglichst hochwertig und international aussehen, auch einen poppigen Soundtrack wird es geben. Dazu passt, dass der deutsche Ableger eines Hollywood-Studios den Verleih der viereinhalb Millionen Euro teuren Komödie übernehmen wird. In der Branche nennt man solche Produktionen "High Concept"-Filme, auch die Komödien-Hits von Schweiger & Co. sind nach diesem Rezept gestrickt. Die Story muss sich in wenigen Worten zusammenfassen lassen (hier: Schlagerdiva stürzt ab und lernt über ihre Putzfrau die wahren Werte des Lebens kennen), der Titel soll neugierig machen (was sich wohl unter den deutschen Betten befindet?), auch bei der Vermarktung wird nichts dem Zufall überlassen. In Hollywood haben Frauenkomödien Hochkonjunktur ("Bad Moms", "Brautalarm"), das könnte doch auch in Deutschland funktionieren, so das Kalkül. Deshalb steht die Freundschaft zwischen der Schlagertrulla und ihrer Putzfrau Justyna (Magdalena Boczarska) im Mittelpunkt. Und daher dürfen auch Witze über den weiblichen Körper rein, die Peniswitze in den Jungs-Komödien dürften sowieso mittlerweile alle erzählt seien. Wie viele Busen-Gags es in diesen Film schaffen, wissen die Macher noch nicht genau - man drehe einfach mehrere Varianten und entscheide dann später im Schneideraum, so die Produzentin. In einem Jahr soll "Unter deutschen Betten" in die Kinos kommen, allzu schwach auf der Brust wird der Film aber sicher nicht daherkommen.