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Kino und Kochkunst:Jeong Kwan

(Foto: Verleih)

Ihr bei der Arbeit zuzuschauen, allein das ist ein kulinarischer Genuss: Sterneköche halten die Nonne Jeong Kwan für die beste Köchin der Welt. David Gelb hat sie gefilmt.

"Ich bin keine Köchin, sondern eine Nonne", sagt Jeong Kwan mit einer Mischung aus leiser Verwunderung und trotziger Abwehr in der Stimme. Die vor Lebenslust sprühende und doch von innerer Ruhe erfüllte Koreanerin mit dem kahlrasierten Kopf und den weißen buddhistischen Wickelgewändern kann den Trubel nicht so recht verstehen, der um sie entstanden ist, seit der Restaurantkritiker der New York Times sie zur Küchenpoetin und ihre Tempelküche zum Exquisitesten erklärt hat, was die internationale Kochkunst derzeit zu bieten hat. Andererseits kann es ja auch nicht schaden, für einen achtsamen Umgang mit dem Essen und der Natur, der es entstammt, zu werben, und für vegane Speisen, die nicht nur den Hunger stillen, sondern auch den Geist erfüllen.

Berühmte Köche und leidenschaftliche Genießer pilgern in die abgelegene Tempelanlage, die im Süden der südkoreanischen Hauptstadt Seoul liegt. In diesem Refugium aus dem siebten Jahrhundert kocht Jeong Kwan eigentlich nur für sich und die beiden Nonnen, die hier mit ihr leben - und gelegentlich für Gäste. Sie hat keinerlei Kochausbildung absolviert und kein Kochbuch veröffentlicht. Ihre Zutaten baut sie im eigenen Garten an, manchmal bezeichnet sie diese Gewächse als ihre Kinder. Wenn Jeong Kwan in ihrer schlichten Tempelküche hantiert, wirkt jeder Handgriff wie eine Zen-Übung. Ihr zuzusehen, wie sie eine Lotuswurzel mit den Händen umfängt, mit dem Messer zerteilt und anschließend in verschiedenfarbige Brühen einlegt, bis die löchrigen Scheiben deren Farben annehmen, ist ein kulinarischer Sehgenuss. Aus Kohlblättern, Auberginenscheiben, Tofustücken und über Jahre hin- weg fermentierten Sojasoßen komponiert und arrangiert sie erlesene Gerichte.

Vor einigen Jahren präsentierte David Gelb im Rahmen des "Kulinarischen Kinos" auf der Berlinale sein filmisches Porträt des Sushi-Meisters Jiro Ono, der im Tokioter U-Bahnhof das weltweit einzige Restaurant mit drei Michelin-Sternen, zehn Tresenplätzen und einer Außentoilette betreibt. Der Film inspirierte Gelb zur Netflix-Serie "Chef's Table", für die er nun auch die Reise ins koreanische Kloster unternommen hat.

Auf der Berlinale läuft der Film über Jeong Kwans klösterliche Küchenmagie im Doppelpack mit einer "Chef's Table"-Episode über den Berliner Sternekoch Tim Raue.