Kino:Schräges von früher

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Bei besonderen Lectures spricht man über Kinderserien und Filme der 60er-Jahre

Von Jürgen Moises, München

Einen coolen Gangsterfilm wollte er drehen und damit gleichzeitig neue Wege gehen. Einen Film, der die Bewegtheit, die Aufbruchsstimmung von 1968 aufnimmt. Der politisch wach ist und trotzdem sexy. Ob Helmut Förnbacher das mit seinem Debüt-Spielfilm "Sommersprossen" gelungen ist, lässt sich nur schwer sagen. Denn die auf einem Kriminalfall von 1934 beruhende, an "Bonnie und Clyde" erinnernde Gangstergeschichte, die am 9. Oktober 1969 in München ihre Uraufführung hatte, lief zwar erfolgreich in den westdeutschen, italienischen und amerikanischen Kinos. Danach ist sie aber im Dunkel der Filmgeschichte verschwunden und kam auch nie auf Video oder DVD heraus. Der Grund? Die Insolvenz des Verleihs Atlas-Film, der für den Schweizer Helmut Förnbacher zudem einen Schuldenberg von einer Million Franken bedeutete.

Bei den 67. Filmkunstwochen ist "Sommersprossen", in dem neben Förnbacher selbst der Italo-Western-Darsteller William Berger, Helga Anders, Willy Birgel und Grit Boettcher mitspielen, nun am 12. August im Werkstattkino zu sehen. Davor wird dort um 20 Uhr der Schweizer Autor und TV-Filmeinkäufer Benedikt Eppenberger in einer sogenannten Late Night Film Lecture etwas über Helmut Förnbacher erzählen.

Förnbacher war Ende der 60er in Deutschland keineswegs ein Unbekannter. In "Schonzeit für Füchse", Peter Schamonis Debütfilm von 1966, spielte er eine der Hauptrollen. Auch im "Forellenhof", einer der ersten großen deutschen TV-Serien, war der 1936 in Basel geborene Förnbacher zu sehen. Und die Jugendzeitschrift "Bravo" machte ihn wegen seines guten Aussehens zum Posterboy. Als Kinoregisseur drehte Förnbacher mit "Köpfchen in das Wasser, Schwänzchen in die Höh" (1969) und "Beiss mich, Liebling" (1970) nur noch zwei Filme. Zwei Klamotten im von Produzenten-Seite auferlegten "Zur Sache Schätzchen"-Stil. Danach arbeitete der heute 83-Jährige als Regisseur und Schauspieler vor allem beim Theater und im Fernsehen.

Ums Fernsehen geht es auch bei der Late Night Film Lecture, die an diesem Montag stattfindet. Graf Haufen alias Karsten Rodemann vom Berliner Videodrom, der größten Videothek Deutschlands, stellt "Bizarr-psychedelische Kinder-TV-Shows" der 60er Jahre vor. Darunter "Pee-wee's Playhouse", wo ein Mann im Anzug mit Robotern und Fenstern spricht, "Lancelot Link", eine Serie über einen Affen-Agenten und "Les Shadoks" über dämliche außerirdische Vögel, die auf der Suche nach einem neuen Planeten sind.

Late Night Film Lectures: "Bizarr-Psychedelische Kinder-TV-Shows" , Mo., 5. Aug., 21.30 Uhr, Bahnwärter Thiel, Tumblingerstr. 29; "Helmut Förnbacher: Parapsycho, Schuld und Sühne" , Mo., 12. Aug., 20 Uhr, Werkstattkino, Fraunhoferstr. 9

© SZ vom 05.08.2019 - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
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