Kino Reifes von der Insel

Das neue Halbjahresprogramm des Münchner Filmmuseums

Von Bernhard Blöchl

In Zeiten des Brexit blicken die meisten nach vorn. Was wird wann passieren, wie wird sich die Loslösung von Europa auswirken auf Politik, Gesellschaft und Kultur? Das Filmmuseum München - nun, das gehört zu seinen Aufgaben - blickt im neuen, kürzlich veröffentlichten Halbjahresprogramm zurück, unter anderem auf Klassiker des britischen Kinos. "Look Back On Woodfall" ist die Reihe tituliert (von 12. März an), sie beschäftigt sich mit der unabhängigen Produktionsfirma Woodfall Film Productions, deren Filme aus den späten Fünfziger- und Sechzigerjahren die Schattenseiten Englands ausleuchteten, den Alkoholkonsum, die Arbeitertristesse, häusliche Gewalt und Nachkriegsfrust. Kitchen Sink Drama ("Look Back in Anger" mit Richard Burton) und Free Cinema ("Saturday Night And Sunday Morning" mit Albert Finney) sind aufkeimende Sub-Genres. Vom Theater und Dokumentarfilm inspiriert, waren die Woodfall-Produktionen erste Bewährungsproben für Newcomer wie Jane Birkin oder Charlotte Rampling ("The Knack", 1965). Zu sehen sind neu restaurierte Fassungen im Original, was etwa bei Ken Loachs "Kes" (1969) starken Yorkshire-Akzent bedeutet.

Leichter zu verstehen sind die Filme einer anderen Produktionsfirma, der ebenfalls eine Reihe gewidmet ist: Die Bavaria Film wird in diesem Jahr 100, und nachdem zuletzt Werke der Vorläuferfirma Emelka zurück auf die Leinwand geholt wurden, stehen im April Autorenfilme im Fokus, die zwischen Ende der Sechziger- und Mitte Achtzigerjahre in Geiselgasteig entstanden sind, darunter Produktionen von Reinhard Hauff, Rainer Werner Fassbinder und Tankred Dorst. Außerdem im Programm: Retrospektiven zu Konrad Wolf, Paul Newman, Ingemo Engström und Hirokazu Kore-eda, der 2018 mit dem Cannes-Gewinner "Shoplifters" weltweit Furore gemacht hat.

Nicht zurück, sondern in die filmische Gegenwart hinein blicken die etablierten Reihen "Mittel Punkt Europa" (von 28. Februar an), "Deutsche Filme 2018" (von 8. März an) und Architekturfilmtage (von 4. April an). Neues gibt es vom 80-jährigen Eckhart Schmidt: Der kompromisslose Münchner Filmpoet zeigt am 11. April sein jüngstes Werk: "Erster Kuss und so ..." mit Leandra Grgic wird als tragische Teenager-Geschichte angekündigt, gedreht Ende 2018 in München. Schmidt dazu: "Ich entdeckte die Schönheit dieser Stadt neu."