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Henry Cavill als Superman mit provisorischem Schnauzer.

(Foto: Warner/Collage: SZ)

Warum sich zwei Hollywood-Studios um den Schnurrbart von Superman-Darsteller Henry Cavill streiten.

Die lustigste Komödie aus Hollywood ist derzeit kein Film, sondern der absurde Streit zwischen zwei mächtigen Studios um den Schnurrbart eines Schauspielers.

Das Problem: Der amtierende Superman-Darsteller Henry Cavill ist in seiner Rolle als berühmtester aller Comic-Helden zur absoluten Haarfreiheit im Gesicht verpflichtet. Superman und ein Schnauzer? Unvorstellbar! Als Cavill kürzlich für den sündteuren Blockbuster "Justice League", in dem mehrere Superhelden gemeinsam die Welt retten, vor der Kamera stand, war er folglich schön glatt rasiert. Nach dem Ende der Dreharbeiten ging er davon aus, dass er sich in Ruhe dem nächsten Projekt widmen kann, einer Rolle an der Seite von Tom Cruise im neuen Teil der "Mission: Impossible"-Reihe. Der Regisseur dieses ebenfalls sündteuren Blockbusters wollte, dass Cavill sich dafür einen ordentlichen Schnurrbart wachsen lässt. Kunsthaar kam anscheinend nicht infrage.

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Während aber die Haare stetig wuchsen, kamen die Produzenten von "Justice League" im Schneideraum zu der Einsicht, dass der Film nicht recht gelungen war. Sie befahlen einen aufwendigen Nachdreh, um Szenen zu verbessern. Das ist in Hollywood mittlerweile ein recht normaler Vorgang, die meisten Stars werden schon vorab vertraglich dazu verpflichtet, eventuell noch mal für ein paar Tage zur Verfügung zu stehen.

Also teilte das Studio Warner Bros. ("Justice Leage") dem Studio Paramount ("Misson: Impossible") mit, man brauche Cavill dringend zurück am Set. Kein Problem, antworteten die Kollegen - aber der Schnurrbart bleibt dran. Während er auf der Gehaltsliste von Paramount stehe, dürfe Cavill sich keinesfalls rasieren. Laut der Branchenzeitschrift Variety folgte daraufhin ein veritabler Streit, der nicht zuletzt deshalb besonders zickig geführt wurde, weil bei Warner derzeit die Nerven blank liegen.

Denn die Sache mit dem Nachdreh für "Justice League" nimmt absurde Dimensionen an. Die Kosten belaufen sich laut Variety auf unglaubliche 25 Millionen Dollar, bei einem ohnehin schon astronomischen Budget, das von Branchenanalysten auf etwa 200 Millionen Dollar geschätzt wird. Die üblichen Etats für diese sogenannten reshoots, also für die nach dem Ende der offiziellen Dreharbeiten stattfindenden Drehtage, belaufen sich in der Regel auf deutlich niedrigere Summen.

Dass in diesem Fall besonders viele, besonders teure Nachbesserungsmaßnahmen notwendig sind, hat zwei Gründe. Erstens konnte der ursprüngliche Regisseur Zack Snyder das Projekt nicht zu Ende führen. Im Frühjahr starb seine Tochter, er zog sich zurück, um sich um die Familie zu kümmern. Für die aufwendige Postproduktion sowie den Nachdreh musste er durch den Superhelden-Veteranen Joss Whedon ("The Avengers") ersetzt werden.

Problem Nummer zwei: In der Zwischenzeit war der Warner-Superhelden-Film "Wonder Woman" dermaßen erfolgreich im Kino gelaufen, dass das Studio "Justice Leage", in dem Wonder Woman ebenfalls an der Seite von Superman vorkommt, vom Ton her möglichst an den Hit anpassen wollte.

Dass für ohnehin teure Filme noch mit viel Geld nachgedreht wird, ist zum Normalfall geworden

Dass diese opportunistische Flickenteppicharbeit nicht unbedingt der beste Weg ist, um tolle Kunstwerke zu schaffen, spielt in den Erwägungen des Studios eher eine untergeordnete Rolle. Denn die letzten großen Hollywoodfilme, bei denen nachträglich noch massiv nachgebessert wurde, waren alle Hits. Zum Beispiel im vorigen Winter der "Star Wars"-Ableger "Rogue One", den das Disney-Studio radikal umschneiden und durch einen neuen Regisseur mit weiteren Szenen versehen ließ. Dass diese Ausnahmetaktik zum Normalfall geworden ist, liegt nicht zuletzt daran, dass alle großen Studios ihre Rohschnitte vor einem Testpublikum zeigen, das dann einen Fragebogen ausfüllen muss. Und fällt diese Umfrage negativ aus, wird hektisch der ganze Film infrage gestellt.

Auf jeden Fall hatten die Warner-Leute nach dem ganzen Theater keine Lust mehr, dass ihr Prestige-Blockbuster ausrechnet am Schnurrbart des Superman-Darstellers scheitert. Die Produktion steht gewaltig unter Druck, der Film soll schon am 16. November ins Kino kommen und den Filmemachern läuft die Zeit davon. Deshalb endet diese, Pardon, Hollywood-Schnurre, laut Medienberichten jetzt tatsächlich damit, dass Henry Cavill seine zusätzlichen Szenen mit Schnurrbart dreht und dieser dann hinterher digital wegretuschiert wird. Um wie viele Dollar dieser Eingriff das Budget weiter in die Höhe treibt, dazu gibt es noch keine Angaben. Dafür wird die Angelegenheit im Internet unter dem Hashtag "moustachegate" heftig debattiert. Zum Beispiel gibt es den Vorschlag, ob nicht einfach alle Superhelden einen ordentlichen Schnauzer ins Gesicht geklebt bekommen sollten, inklusive Wonder Woman.

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