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Kino:Welche Filme sich lohnen - und welche nicht

Regisseur Ron Howard porträtiert Luciano Pavarotti als bodenständigen Superstar mit Lausbubencharme. Und "Die Sehnsucht der Schwestern Gusmão" erzählt von zwei Frauen, die nach Möglichkeitsräumen in einer Welt der Unmöglichkeiten suchen.

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Pavarotti

Luciano Pavarotti

Quelle: Wild Bunch Germany

Oscar-Preisträger Ron Howard porträtiert den "Jahrhundert-Sänger" Luciano Pavarotti als bodenständigen Superstar mit Lausbubencharme. Seine einzigartige Stimme erscheint als Gottesgeschenk. Über das "Handwerk" des Singens erzählt der Film zu wenig. Auch der kommerzielle Erfolg - Pavarotti war ein Popstar, das Unternehmen "Die drei Tenöre" mit Placido Domingo und José Carrera füllte Fußballstadien - wirkt dem Sänger wie zugefallen, ein notwendiges Übel. So übersetzt man Stadion-Klassik in einen Film.

Martina Knoben

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7500

Kinostart - '7500'

Quelle: dpa

Von der Alltagsroutine im Cockpit zum Terrorismus-Drama. Drei muslimische Terroristen versuchen den Airbus A319 auf dem Weg von Berlin nach Paris in ihre Gewalt zu bringen. Mit Glasscherben bewaffnet töten sie den Piloten, verletzen den jungen, amerikanischen Co-Piloten (Joseph Gordon-Levitt), ein Angreifer wird gefesselt, die anderen beiden machen Druck von draußen,. In seinem packenden Spielfilmdebüt nutzt der deutsche Regisseur Patrick Vollrath die klaustrophobische Enge in der Flugzeugkabine, den Sound und die grobkörnigen Bilder der Überwachungskamera auf fast dokumentarisch unmittelbare Weise, in Echtzeit und ganz ohne Musikuntermalung. Seit 9/11 sind solche Kinoszenarien sehr viel greifbarer geworden, schade nur dass die Terroristen nur Stichwortgeber und keine ernstzunehmenden Menschen sind.

Anke Sterneborg

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Als Hitler das rosa Kaninchen stahl

Kinostart - 'Als Hitler das rosa Kaninchen stahl'

Quelle: dpa/Warner

Wer kleinen Mädchen ihr rosa Kaninchen klaut, dem sind noch ganz andere Verbrechen zuzutrauen. Nach diesem Motto hat Judith Kerr Generationen von nachgeborenen Kindern vorsichtig an das Grauen der Hitlerzeit, an die Vertreibung und Vernichtung der Juden herangeführt. Ihr autobiografischer Roman um die neunjährige Anna, deren Familie es auf der Flucht vor den Nazis erst in die Schweiz, dann noch Paris und schließlich nach London verschlägt, ist wie fürs Kino geschaffen - und Caroline Link zeigt einmal mehr, dass sie mit Kinderdarstellern zaubern kann. Annas beziehungsweise Judiths Vater aber war der große Theaterkritiker und Hitlergegner Alfred Kerr - so feiert der Film auch die Entschlossenheit, frühzeitig glasharte Kante zu zeigen.

Tobias Kniebe

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Buñuel im Labyrinth der Schildkröten

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Quelle: Arsenal Filmverleih

Animierter Comic-Strip über die Entstehung der spanischen Dokumentation "Las Hurdes - Land ohne Brot" 1933: Luis Buñuel führte Regie, sein Freund Ramón Acín gewann in der Lotterie und wurde Produzent. Er wollte der elenden Bevölkerung helfen, Buñuel verfolgte seine Surrealisten-Konkurrenz zu Dalí und inszenierte die Realität. In seiner Nacherzählung setzt Salvador Simó bunte Zeichentricks gegen das Schwarzweiß von Originalausschnitten und fügt so der inhaltlichen eine visuelle Faszination hinzu.

Doris Kuhn

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Cats

Film

Quelle: Universal Pictures

Taylor Swift, Idris Elba, Ian McKellen, Judi Dench, alle im selben Film - das war verheißungsvoll. Bis Regisseur Tom Hooper auf die Schnapsidee kam, sie in Katzenkostüme zu stecken und dann digital nachzubearbeiten bis sie aussahen wie Frankensteins fellige Monster. Musikalisch betrachtet ist "Cats" immer noch "Cats", visuell aber ist "Cats" ein echtes Desaster.

Susan Vahabzadeh

6 / 12

Der geheime Roman des Monsieur Pick

Kinostart - 'Der geheime Roman des Monsieur Pick'

Quelle: dpa

Der Literaturkritiker Jean-Michel Rouche (Fabrice Luchini) beleidigt in seiner Fernsehsendung eine Witwe: Hat ihr verstorbener Mann, ein Pizzabäcker, tatsächlich heimlich den Roman geschrieben, der jetzt die Sensation des Pariser Literaturbetriebs ist? Rouche fliegt raus, und weil er nicht gern unrecht hat, ermittelt er bald in der Bretagne. Dass Remi Bezancons Bücherkrimi so amüsant ist, hat er vor allem dem stets indignierten Fabrice Lucchini zu verdanken.

Susan Vahabzadeh

7 / 12

Jam

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Quelle: Rapid Eye Movies

Ein Chauffeur, ein hysterischer Superfan und ein abgehalfterter Schnulzensänger bevölkern den neuen Film des japanischen Regisseurs Sabu. Jeder von ihnen steckt fest, doch statt auf einen grünen Zweig zu kommen, geraten sie in eine kleinkriminelle Abwärtsspirale am Rande der Gesellschaft. Neu ist das alles nicht, doch schafft Sabu es, hinter seiner Mischung aus absurder Komik und roher Gewalt, diesen Unsympathen zu eigens komponiertem Schlagerkitsch etwas Menschliches einzuhauchen.

Sofia Glasl

8 / 12

Jeannette - Die Kindheit der Jeanne d'Arc

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Quelle: Grandfilm

Die Heilige mit dem Headbanging, so wurde Bruno Dumonts "Jeannette" immer angekündigt, über die Kindheit der Jeanne d'Arc, der nun, nach zwei Jahren, endlich auch bei uns ins Kino kommt. Die zackigen Bewegungen der kleinen Jeannette, verkörpert von Lise Leplat Prudhomme, und die Heavy-Metal-Musik von Igorrr ergeben eine verrückte, aber filmisch ganz natürliche Ekstase, durch die das Mädchen zur Aktivistin wird. In der Welt herrscht Verderben, und wie Greta Thunberg beklagt Jeannette, am sandigen Ufer der Maas, von ihren Schafen umgeben, dass nichts passiert, dass die Engländer seit Jahren Frankreich besetzen und ausbeuten..Sie lästert damit, das weiß sie, über den größten alten Mann ganz oben. Wie's weitergeht mit Jeanne, wie sie sich herumschlagen muss mit hohen politischen und geistlichen Herren, das wird man im zweiten Teil des Musicals erleben, der Anfang des nächsten Jahres bei uns kommen wird.

Fritz Göttler

9 / 12

Latte Igel und der magische Wasserstein

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Quelle: Koch Film

Den Tieren im Wald geht das Wasser aus, der Fluss ist ausgetrocknet. Das mutige Igelmädchen Latte glaubt an die Legende vom magischen Wasserstein, der die Quelle wieder sprudeln lassen soll. Doch der Bärenkönig hat den Stein und will nicht teilen. Damit das Wasser wieder zu allen Tieren kommt, macht sich Latte auf den Weg. Regina Welker und Nina Wels haben das Kinderbuch des Finnen Sebastian Lybeck fürs Kino adaptiert. Besonders schön: die detailreiche Animation - und das Wasserballett der Bären.

Ana Maria Michel

10 / 12

Die Sehnsucht der Schwestern Gusmão

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Quelle: Piffl

Guida und Eurídice, zwei ungleiche Schwestern an der Schwelle zum Erwachsensein, leben im Rio de Janeiro der 50er in eng verbundener Komplizenschaft gegen den konservativen Vater. Als sie voneinander getrennt werden, muss jede für sich ihren Platz in der festgefügten patriarchalen Gesellschaft finden. Der brasilianisch-algerische Filmemacher Karim Aïnouz erzählt in glühend satten Farben von diesen zwei Frauen, die nach Möglichkeitsräumen in einer Welt der Unmöglichkeiten suchen. Klassisches Melodram, nahe an Almodóvar und Fassbinder, aber mit auffallend feinem Gespür für alles Körperliche.

Annett Scheffel

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Small Planets

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Quelle: UCM One

Wie in einer Schneekugel leben die Forscher abgeschottet inmitten der Arktis; wenn sie die Station kurz verlassen wollen, müssen sie Gewehre mitnehmen, wegen der Eisbären. Diese und drei andere, aus unterschiedlichen Gründen von der Außenwelt isolierte Gemeinschaft hat Dirk Manthey porträtiert. Sein Dokumentarfilm interessiert sich - subtil, manchmal fast ein bisschen zu subtil - für das, was Gemeinschaften ausschließen, um sich zu erhalten, für das, was jenseits der Grenze liegt: Bilder von wehender Wäsche im Wind, von sich drehenden, vereisten Messinstrumenten.

Philipp Bovermann

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Spione Undercover

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Quelle: Fox

Geheimagent Lance Sterling ist verdammt cool und elegant. Nur blöd, dass ihn die ganze Welt kennt. Ein junger Wissenschaftler hat eine Technologie entwickelt, die ihn verschwinden lassen kann. Als Sterling in Schwierigkeiten gerät, probiert er sie aus und verwandelt sich - in eine Taube. Die Tarnung hat Tücken, der Staragent muss mit dem Nerd zusammenarbeiten. Nick Brunos und Troy Quanes Agententhriller im Animationsformat ist sehr unterhaltsam, für das ganz junge Publikum aber doch etwas zu hart.

Ana Maria Michel:

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