Kino Kein Problem, wir liefern!

Chaosforscher Todd Philipps verfilmt einen realen Witz aus der Welt des Waffenhandels: "War Dogs".

Von Anke Sterneborg

Wie kann es kommen, dass ein sympathischer junger Mann, der gerade noch mit seiner mobilen Liege unter dem Arm als Masseur in den Villen der Reichen geschuftet hat, plötzlich im schrottreifen Truck eines jordanischen Schmugglers durch irakisches Kriegsgebiet brettert? Ganz einfach: Eines Tages triffst du eine falsche Entscheidung, dann folgt eins aufs andere, und auf einmal bist du Waffenhändler.

Genau so haben die Filme von Todd Phillips im Grunde schon immer funktioniert, seine frühen Dokumentationen über Punkrocker und Studentenverbindungen ebenso wie die wilden Komödien über einen Junggesellenabschied in "Hangover" oder der Roadtrip quer durch Amerika in "Due Date". Fast immer liegt das daran, dass Männer eben Kindsköpfe sind. Was bisher ein großer Spaß ohne Konsequenzen war, ist in der Kriegssatire "War Dogs" irgendwann aber ernst. Weshalb einem das Lachen schon mal im Halse stecken bleibt.

Wenn der Film beginnt, ist das Drama bereits in vollem Gange: Rabiat wird David Packouz (Miles Teller) in einem stillgelegten Industriegelände aus einem Kofferraum gezerrt und von finsteren Schlägertypen mit der Knarre bedroht. Ähnlich wie die Jungs in "Hangover" muss er Schritt für Schritt die Ereignisse rekonstruieren, die ihn aus seinem geordneten Leben gerissen und in diese prekäre Lage gebracht haben. Die erste falsche Entscheidung lokalisiert er auf der Beerdigung eines Kumpels, auf der auch der großspurige Efraim auftaucht. Jonah Hill spielt ihn mit jener fiesen Mischung aus sorgloser Coolness und feister Kaltschnäuzigkeit, die er im Laufe der Jahre perfektioniert und hier noch mit einem irre meckernden Lachen garniert hat. Efraim erzählt vom schnellen Geld, das sich mit Waffengeschäften im Internet verdienen lässt, und sucht Mitstreiter. David, der gerade unter Druck steht, weil seine Freundin schwanger ist, zögert zwar ein bisschen, willigt dann aber doch schnell ein. Der friedensbewegten Freundin kann er freilich nur eine geschönte Version dieses Deals erzählen.

So bizarr es klingt, die Story basiert auf realen Ereignissen. Der Journalist Guy Lawson hat davon zuerst in einem Rolling-Stone-Artikel und anschließend in dem Buch "Arms and the Dudes - How Three Stoners from Miami Beach Became the Most Unlikely Gunrunners in History" erzählt. Als die USA in den Krieg zogen, nahm es die Bush-Regierung nicht mehr so genau mit der Vergabe ihrer Aufträge, schließlich mussten auch die afghanischen Verbündeten mit einer Menge Kriegsmaterial ausgestattet werden. Plötzlich wurden Aufträge unbürokratisch im Netz ausgeschrieben, wo neben den großen Herstellern auch kleine Kriegsgewinnler zum Zuge kamen - solche wie Efraim Diveroli und David Packouz. Aber selbst für die winkte irgendwann ein 300-Millionen-Dollar-Deal mit politisch belasteter und qualitativ minderwertiger Munition aus China.

"Alter, ich bin nicht pro Krieg", entrüstet sich Efraim einmal, "ich bin pro Geld!" Als ließe sich das so einfach trennen. Dabei wirken die beiden immer wieder wie zwei Jungs, die im Hinterhof die Mafiageschichten von Brian De Palma und Martin Scorsese nachspielen, denen auch Todd Phillips seine klare Reverenz erweist. Waffenhandel im Internet als große Party, Krieg als durchgeknallte Buddy-Komödie, das ist natürlich gewagt. Man könnte dem Regisseur einen Mangel an Haltung vorwerfen, oder dass er sich einen guten Gag nicht von der Moral verderben lässt. Den bösesten Gag aber hat sich doch immer noch die Wirklichkeit erlaubt, als sie Efraim und David mit nur wenigen Klicks einen 300-Millionen-Waffendeal ihrer Regierung verschaffte.

War Dogs, USA 2016 - Regie: Todd Phillips. Buch: Steven Chin, Phillips, Jason Smilovic. Kamera: Lawrence Cher. Mit: Jonah Hill, Miles Teller, Ana de Armas, Bradley Cooper. Verleih: Warner, 115 Minuten.