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Kino:Gegen den Strom

Schwimmen

Oft allein, gerne am Abtauchen: Die 15-jährige Elisa (Stephanie Amarell) in Luzie Looses Spielfilmdebüt "Schwimmen" über die Probleme der Jugend.

(Foto: Kurhaus Production)

Junge Filmkunst in der Akademie: Der Hof-Gewinner "Schwimmen"

Hof ist in München angekommen, und ein bisschen auch die Jugend in der Bayerischen Akademie der Schönen Künste. Wenn hier an diesem Dienstag Luzie Looses Teenager-Drama "Schwimmen" gezeigt und diskutiert wird, dann ist das ein bemerkenswerter Kinoabend, in mehrerlei Hinsicht.

Looses Debütfilm ist im Herbst 2018 mit dem neu geschaffenen Hofer Goldpreis prämiert worden, und da diese Auszeichnung im Wert von etwa 35 000 Euro durch die Akademie verliehen wird, ist "Schwimmen" noch vor einem möglichen Kinostart in München zu sehen. Bisher lief das anders. Klar, München weiß um den glänzenden Ruf der Hofer Filmtage, die sich als Plattform für den unbequemen Nachwuchs verstehen. Dennoch musste man meist bis zu den (oft nicht selbstverständlichen) Kinostarts warten, um die herausragenden Festivalbeiträge auch in der Landeshauptstadt sichten zu können. Durch das Engagement der Akademie, die den Preis der Friedrich-Baur-Stiftung nicht nur verleiht (in memoriam Heinz Badewitz, den 2016 gestorbenen Festivalgründer), sondern der Gewinnerin auch einen Mentor aus den eigenen Reihen an die Seite stellt, ändert sich das gerade. Der erste Mentor ist Edgar Reitz. Der renommierte Filmemacher, Jahrgang 1932, wird sich also an diesem Abend mit der Berlinerin Luzie Loose unterhalten, Jahrgang 1989.

Auch deshalb dürfte das ein besonderer Kinoabend in der Residenz werden. Weil hier eine junge Künstlerin die Aufmerksamkeit des (Stamm-)Publikums bekommt, um ein Werk zu diskutieren, das sich mit dem Alltag und den Ängsten der Smartphone-Generation auseinandersetzt, also tief in das Teenager-Lebensgefühl von heute eindringt. An der Akademie der Schönen Künste, die noch bis Juli von Michael Krüger als Präsident geleitet wird, haftet ja nicht erst seit gestern der Ruf, zu alt und zu wenig weiblich zu sein. Die Entscheidung, die Hofer Filmtage nachhaltig zu unterstützen, ist auch vor diesem Hintergrund eine begrüßenswerte, möglicherweise zukunftsweisende.

"Schwimmen" ist ein roher und ernster Film über Mobbing in der Schule, die Macht von Social Media, die Opfer-Täter-Umkehr. Im Fokus stehen zwei unterschiedliche 15-Jährige: Elisa (Stephanie Amarell) ist zaghaft und introvertiert, regelmäßig fällt sie in Ohnmacht und wird von Mitschülern dabei gefilmt. Anthea (Lisa Vicari) ist selbstbewusst. Sie hilft Elisa, sich zu wehren, den Spieß umzudrehen. Die Freundinnen filmen zunächst sich, später heimlich auch die mobbenden Mitschüler. Aus Spaß wird tödlicher Ernst. Loose verknüpft das Videomaterial der Mädchen mit ihren kühlen, blaustichigen Filmbildern zu einem konsequenten Stress-Porträt. Denn überfordert sind hier alle: die getrennten Eltern, die Lehrer, die Schüler und Freunde. Der Regisseurin, einer Absolventin der Filmakademie Baden-Württemberg, geht es um die Frage, wie Kinder und Jugendliche heute aufwachsen. Wie sie also ticken könnte, die erste Generation, die mit der Selbstdarstellung im Netz groß geworden ist.

Schwimmen, D 2017, Film und Gespräch, Dienstag, 29. Januar, 19 Uhr, Bayerische Akademie der Schönen Künste, Max-Joseph-Platz 3

© SZ vom 29.01.2019
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