Kino Fußballer, die Fußballer lieben

Kommen sich nicht nur auf dem Platz näher: die Fußballer Mario (Max Hubacher, links) und Leon (Aaron Altaras). Der Schweizer Spielfilm "Mario" setzt sich mit einem der letzten Tabuthemen auseinander.

(Foto: Pro-Fun)

Das Queer-Film-Festival soll die Diversität der Lebensweisen auf die große Leinwand bringen - mit Werken, die schwule Sportler und lesbische Dramen in den Fokus rücken

Von Klaus Kalchschmid

Das dritte Queer-Film-Festival bietet einen Querschnitt durch Welten, die sich mit den Begriffen lesbisch, schwul, bi und transgender beschreiben lassen.

Noch immer sind Männer, die Männer lieben, im Profifußball verpönt, also muss man bei Marcel Gislers Drama "Mario" bis zuletzt mit dem Protagonisten bangen, was wichtiger ist: Karriere oder große Liebe. Max Hubacher in der Hauptrolle spielt virtuos und empathisch mit den Klischees. Im Anschluss an die Vorführung im Atelier gibt es eine Diskussionsrunde zum Thema "Schwule und Fußball" (20. Oktober, 18 Uhr). Bei "Der Kuchenbäcker" von Ofir Raul Grazier wird hebräisch ebenso selbstverständlich gesprochen wie deutsch und englisch. Auch hier bleibt die Handlung lange in der Schwebe: Ein junger Bäcker aus Berlin heuert nach dem Unfalltod des Geliebten, der ein Doppelleben zwischen Deutschland und Israel lebte, unerkannt im Café von dessen Frau in Jerusalem an und erobert nicht nur mit seinem Gebäck ihr Herz. Erst als sie sich in ihn ver-liebt und endlich den Karton mit der Hinterlassenschaft des Ehemanns öffnet, tritt die Wahrheit zutage - mit zunächst katastrophalen Folgen.

Der chilenische Film "Disobedience" handelt von einer Fotografin, die nach dem Tod ihres Vaters, eines jüdisch-orthodoxen Rabbis, in ihre Heimat, einen Vorort Londons zurückkehrt. Da begegnet sie ihrer besten Freundin und einstigen Geliebten wieder, die mittlerweile mit ihrem Freund aus Kindertagen verheiratet ist. Daraus ergeben sich ungeahnte Konflikte. "Les garçons sauvages" handelt von fünf kriminellen Jungs, die, von androgynen Mädchen verblüffend echt gespielt, ihre Verbrechen in einer Verhaltenstherapie mit einem mysteriösen Kapitän büßen müssen: ein schriller, schräger Film von Bertrand Mandico. Nicht minder verrückt ist "Even Lovers Get The Blues". Ebenfalls auf Französisch gedreht, weist er schon in den ersten fünf Minuten fünf Orgasmen auf. Was folgt, ist zur Hälfte eine Late-Night-Sex-Party und danach ein nächtlicher, nicht minder erotisch aufgeladener Ausflug an den See - gewürzt mit einer Prise Musical. "Skate Kitchen" handelt von einer weiblichen Skater-Crew im Großstadtdschungel von New York, "My Days of Mercy" von zwei Frauen, die das Für und Wider, was die Todesstrafe angeht, zunächst trennt, aber schließlich zusammenbringt. "Die Erbinnen" von Marcelo Martinessi erzählt von zwei Frauen jenseits der 50 aus der Oberschicht Paraguays, die seit vielen Jahren ein Paar sind, aber dennoch unterschiedlicher nicht sein könnten. Eine Krise fordert die beiden Frauen heraus, eingefahrene Muster zu durchbrechen.

Vater-Sohn-Geschichten runden das Festival ab. Da ist "1985" von Yen Tan, der von jungen Männern berichtet, die sich in den Achtzigerjahren in Texas vielen Herausforderungen stellen müssen. "Rett West" des Norwegers Henrik Martin Dahlsbakken" ist ein Road-Movie, das einen Frauenkleider tragenden Vater mit seinem Sohn auf die Reise schickt. Beide verbinden schöne Erinnerungen an Aufenthalte an der norwegischen Westküste. Der letzte Film ist "Various Voices" gewidmet, dem schwul-lesbischen Chorfestival in München vor einem halben Jahr.

Queer-Film-Festival; Mittwoch, 17., bis Sonntag, 21. Oktober, u. a. Neues Maxim, Atelier, Hochschule für Fernsehen und Film.