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Filmstarts der Woche:Welche Filme sich lohnen - und welche nicht

Dass der Regisseur von "Waves" einst Praktikant bei Terrence Malick war, sieht man seinem neuen Film aufs Allerschönste an. So oft wie in "Paw Patrol: Mighty Pups" hat man das Wort "super" noch nie gehört.

Aus der SZ-Kinoredaktion

1 / 12

Die Kordillere der Träume

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Quelle: Real Fiction

Blicke auf Chile, von außen, aus der Fremde. Vor vierzig Jahren musste Patricio Guzman sein Heimatland verlassen, in einer Unzahl von Filmen hat er die Geschichte seines Landes sichtbar gemacht, unter anderen in Nostalgie des Lichts und Der Perlmuttknopf. Im dritten Teil der Trilogie sind die Anden dran, die südamerikanischen Kordilleren. Die steinerne, unerschütterliche Instanz des Kontinents, sie beobachten uns, sagt Guzman. Der Ruhe der Bergbilder kontrastieren die bewegten Aufnahmen von innen, die der Filmemacher Pablo Salas über die Jahre auf den Straßen machte, er ist im Land geblieben, hat die Demonstrationen gefilmt, die brutalen Reaktionen der Polizisten und Soldaten. Die Risse im Gestein, die Risse in der Gesellschaft. Was man nicht sieht in Chile, sagt Guzman, das existiert nicht.

Fritz Göttler

2 / 12

Unhinged

Kinostart - 'Unhinged - Ausser Kontrolle'

Quelle: dpa

Wohin der stetig steigende Druck im urbanen Dampfkessel führen kann, das hat der gerade verstorbene Joel Schumacher in Falling Down eindrucksvoll vorgeführt. Nun schickt Derrick Borte Russell Crowe in einen brachialen Amoklauf gegen eine junge Mutter, ihre Familie und ihre Freunde, wobei sich der Terror auf perfide Weise erhöht, weil man heutzutage sehr schnell sehr viel über einen Fremden erfahren kann. Ein Mann sieht rot, die Finesse eines Oscar Preisträgers ist da eher nicht gefragt, stattdessen nähert sich Russel Crowe in diesem hochgetunt rasanten B-Movie mit massiger, schwitzender Bedrohlichkeit an den späten Brando an.

Anke Sterneborg

3 / 12

Into the Beat

Stefan Westerwelle - Into the Beat

Quelle: Wild Bunch

Eine strebsame junge Ballerina bereitet sich auf die Aufnahmeprüfung für eine Elitetanzschule in New York vor. Aber plötzlich breakdancen ein paar coole junge Street Dancer des Weges und zeigen ihr, was das Wichtigste im Leben ist: "seinen eigenen Style durchziehen". Schon hat die Ballerina keine Lust mehr auf Bravsein und Ballett. Der Tanzfilm von Stefan Westerwelle hat zwar nicht übermäßig viel eigenen Style, den er durchziehen könnte, aber die Straßentänzer sind niedlich, hopsen ständig herum, als hätten sie in paar Glas Cola zu viel intus, bis man sich wohlig selbst so fühlt.

Philipp Bovermann

4 / 12

After Midnight

After Midnight - Jeremy Gardner

Quelle: Drop-Out Cinema

Bier trinken, auf vorbeifahrende Autos und volle Weinflaschen schießen, mit der Flinte im Anschlag nachts das Haus gegen ein Monster verteidigen: Hank setzt ganz auf männliche Bewältigungsstrategien, als ihn seine Freundin Abby im sumpfigen Florida sitzen lässt. Hätte er sich womöglich doch etwas mehr um die Beziehung kümmern müssen? Regisseur, Hauptdarsteller und Drehbuchautor Jeremy Gardner hat mit Christian Stella, der ebenfalls Regie führt und sich um die Kamera kümmert, eine Art Romantik-Horrorfilm gedreht. In sehr langen Einstellungen diskutieren die Figuren über Partnerschaft, Liebe und Freundschaft, zwischendurch geht es sehr selbstironisch auf Monsterjagd und es gelingt dem Film am Ende tatsächlich, diese beiden Stränge in einem kathartischen Moment zusammenzuführen.

Nicolas Freund

5 / 12

Berlin Alexanderplatz

Kinostart - 'Berlin Alexanderplatz'

Quelle: dpa

Regisseur Burhan Qurbani verlegt die Handlung des Romanklassikers in die Gegenwart. Franz Biberkopf wird Francis, afrikanischer Flüchtling aus Guinea-Bissau, der vom Drogenhändler Reinhold auf die schiefe Bahn geführt wird. Es folgt ein elegant inszenierter Gangstertrip durch neonfarbene Großstadtnächte, der allerdings vermittelt: Sorry Francis, leider reichen deine Erlebnisse als Flüchtling nicht für einen Spielfilm, wir müssen dich jetzt noch durch 500 Seiten Döblin schubsen.

David Steinitz

6 / 12

Marie Curie

Kinostart - 'Marie Curie - Elemente des Lebens'

Quelle: dpa

Wer einen Film über Marie Curie drehen will, steht vor einem Dilemma. Versucht man sich dem Menschen zu nähern, endet das schnell in der Schmonzette. Nun versucht Marjane Sartrapi ("Persepolis"), der zweifachen Nobelpreisträgerin gerecht zu werden. Rosamund Pike schlägt sich wacker als verstrahlte Superfrau. Leider verdichtet Sartrapi ihre gewagteren Ideen nicht zum Gestaltungsprinzip. Die Lebensstationen werden durchgehechelt, zwischendurch schwebt mal ein Klumpen Pechblende episch durchs Bild. Dabei wäre von Marie Curie selbst zu lernen, dass die Kunst mit der Form beginnt.

Juliane Liebert

7 / 12

Wir Eltern

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Quelle: SZ

Hilfe, die Kinder sind in der Pubertät! Von Schulstress, Stapeln von Pizzakartons und Schmutzwäsche, juveniler Lustlosig- und Motzigkeit erzählt das Schweizer Ehepaar Eric Bergkraut und Ruth Schweikert in seiner Familienkomödie. Eine Homestory: die beiden haben in den eigenen vier Wänden mit den eigenen drei Söhnen gedreht, eigene Erlebnisse sind selbstredend eingeflossen. Auch Papa Eric spielt sich selbst, nur die Mutter wurde mit der Schauspielerin Elisabeth Niederer besetzt. Der Witz ist fies, die Story geht immer wieder Richtung Groteske. In die - manchmal etwas holprig wirkenden - Spielfilmszenen sind Ratschläge echter Erziehungsexperten (darunter Remo Largo) montiert. In Bergkrauts Küche sitzend analysieren sie eine Gesellschaft, in der Kinder zu viel Macht haben und unter viel zu viel Druck stehen.

Martina Knoben

8 / 12

Leif in Concert 2

Christian Klandt - Leif in Concert 2

Quelle: missing Films

Bier trinken, rauchen, über das Leben philosophieren - und das auf engstem Raum: Christian Klandt zeigt in seiner liebenswürdigen Hommage an die Kneipenkultur Szenen aus dem Nachtleben, wie wir sie wohl noch länger vermissen müssen. Das Lieblingslokal wird hier zum Sehnsuchtsort nach menschlichem Miteinander, wo sich u.a. Tom Lass als schrulliger Journalist und der hippe App-entwickler Bela B. als skurrile Stammgäste rund um Barfrau Luise Heyer tummeln. Ein vergnüglicher "Film mit Freunden", so der Untertitel, und keine Fortsetzung.

Anna Steinbauer

9 / 12

Wim Wenders, Desperado

Eric Friedler, Andreas Frege - Wim Wenders, Desperado

Quelle: Verleih/Studio Hamburg Enterprises

Ein Mann geht durch die Wüste. Es ist nicht Travis aus "Paris, Texas" von Wim Wenders. Es ist der Regisseur höchstselbst. Er rekapituliert sein künstlerisches Schaffen - Eric Friedler und Andreas Frege (Campino!) begleiten ihn dabei, in ihrem Dokumentarfilm. Sie zeichnen das Porträt eines Getriebenen, Abenteurers, Punks; der Drehbücher am liebsten vom Set verbannen würde. So bekommen auch Uneingeweihte einen Zugang zu Wenders' Werk, wenngleich gilt: Kennerschaft potenziert Sehvergnügen.

Benjamin Ansari

10 / 12

Waves

Trey Edward Shults - Waves

Quelle: Universal

Dass Trey Edward Shults einst Praktikant bei Terrence Malick war, sieht man seinem neuen Film aufs Allerschönste an. In 135 epischen, umwerfend bildstarken Kinominuten erzählt er - die Innenwelt seiner Protagonisten immer fest im Blick - vom Zerbrechen und Heilen einer schwarzen Vorstadtfamilie. Alles fließt zur rauschhaften Filmmusik (von Trent Reznor und Atticus Ross) am Auge vorbei wie in einer Wellenbewegung: erst das sich aufbäumende Unglück um den zwischen Aggressivität und Erfolgsdruck gefangenen 16-jährigen Sohn, dann nach einem tragischen Ereignis der zaghafte Kampf seiner Schwester um eine neue Normalität.

Annett Scheffel

11 / 12

Paw Patrol: Mighty Pups

Paw Patrol Poster
Credit nachtragen!

Quelle: SZ

Kinder kennen die Hunde Chase, Marshall und Co. als sprechende Retter aus der kanadischen Animationsserie. Auch bei Charles E. Bastien sind sie und ihr menschlicher Anführer Ryder stets zur Stelle, wenn jemand Hilfe braucht. Nach einem Meteoriteneinschlag haben sie auch noch Superkräfte, um die Abenteuerbucht vor Bürgermeister Besserwisser zu retten. Selten hat man so häufig das Wort "super" gehört, Fans der Serie wird das aber nichts ausmachen.

Ana Maria Michel

12 / 12

Sibyl - Therapie zwecklos 

Film Sybil

Quelle: Alamode

Die Französin Justine Triet hat eine Schwäche für einen bestimmten Typus von Frauencharakteren: stark, modern und kurz vorm Nervenzusammenbruch. Genüsslich inszeniert sie mit Virginie Efira das Gefühlschaos einer Psychotherapeutin, die sich auf der Suche nach Romanstoff viel zu weit in das Liebesleben einer labilen Jungschauspielerin hineinziehen lässt: Sie folgt ihr ans Filmset auf Stromboli, wo sie sich zwischen Fiktion, fremden Konflikten und eigenen Verletzungen vollends verirrt. Ein tragikomisches Psychogramm, das mit trockenem Humor zwischen den Meta-Ebenen springt.

Annett Scheffel

© SZ/khil

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