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Kino-Erfolg aus China: "Lost in Thailand":Spiegel der eigenen Drangsal

Tatsächlich ist es kein Zufall, dass der einzig Ehrliche und Gutherzige in dem Film der naive Trottel ist, den schon die rotblond gefärbten Haare zum Außenseiter machen. Wie es ebenso wenig ein Zufall ist, dass dem ehrgeizzerfressenen Karrieristen der Sprung aus dem Hamsterrad nur weit weg von Peking, außerhalb des Heimatlandes gelingt. "In Thailand geht es viel langsamer zu als in China", meint Regisseur Xu: "Die Leute dort scheinen sich sicherer zu fühlen und glücklicher zu sein."

Den verunsicherten Städtern Chinas ist "Lost in Thailand" also ein Spiegel der eigenen Drangsal und gleichzeitig ein Märchen, weil er den Ausbruch zeigt. Außerdem ist der Film einfach lustig und mixt dem Humor geschickt ein paar Tropfen Schmerz und Kummer bei. "Wir wissen, dass Märchen nicht wahr werden", sagt in Peking die 34-jährige Lu Na nach dem Kinobesuch. "Aber der Film lässt uns lachen und gibt uns positive Energie und ein wenig Hoffnung. Nichts brauchen wir dringender, wo wir so oft enttäuscht werden in dieser Gesellschaft. Manche Kritiker klagen, der Film sei zu simpel. Aber wir sind so simpel."

Für die Macher war es eine glückliche Fügung, dass es bei der Konkurrenz im Moment nicht viel zu lachen gibt: Selbst Chinas Großmeister der intelligenten Komödie, Feng Xiaogang, versuchte sich zuletzt mit dem aufwendig produzierten "1942" an Ernstem und Schwerem, prompt ließ ihn das Publikum mit seinem Hungersnot-Epos sitzen, und Feng schrieb an seine Weibo-Freunde: "Ich bin nicht mehr stolz auf meine Nation."

"Hier, eine Watsche für Euch"

Der Nation ist das bislang recht egal, ein Beitrag in dem Netzforum Tianya brachte den Überdruss vieler auf den Punkt: "Indem das Publikum 'Lost in Thailand' schaut, verteilt es eigentlich Watschen an andere. . . . Hier, eine Watsche für Euch, ihr prätentiösen Kunstfilme! Und eine Watsche für Dich, du öder 3D-Kassenschlager! Und eine für Euch, Ihr unerträglichen Spezialeffekte-Vehikel!"

Regisseur Xu gibt sich indes bescheiden. Er wisse, dass ihm ein solcher Erfolg nie wieder gelingen werde, sagt er. "Ich hoffe aber, dass ich in Zukunft Filme von besserer Qualität mache."

© SZ vom 17.01.2013/vks
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